Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 5† Ägidienkirche 1347

Beschreibung

Bauinschrift. Die Inschrift befand sich außen an der Kirche auf einem Steinquader an einem der Chorstrebepfeiler. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.1) Die Zeichnungen bei Grupen und Redecker, die vom Baugefüge, in dem sich der Stein befand, keinen Eindruck geben, lassen erkennen, daß die linke Seitenkante des hochrechteckigen Steins nicht völlig eingemauert war. Auf ihr setzte sich die Inschrift hochkantig in zwei Zeilen fort.

Inschrift nach der Zeichnung bei Redecker.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 36, Nr. 5 - Hannover, Ägidienkirche - 1347

 Sabine Wehking [1/1]

  1. + ANNO · DOMINI · M / CCC · XL · VII · INCH/OATVM · EST · HOC / AEDIFICIVM· IN / ANNVNCIACIO/NE· BEATE · UIRGI/NIS2) · A · PROVISOR/IBUS · ECCLESIE·/ JOHANNISa) · LVTB/E(R)TIb) · ET · JOHANN/ISa) · DE · STEMNE ·/PER · MAGISTROS DI/CTOS · WITEMEYGER ·

Übersetzung:

Im Jahr 1347 wurde dieses Bauwerk begonnen am Tag der Verkündigung an die heilige Jungfrau von den Provisoren der Kirche Johannes Lutbert und Johannes de Stemne durch die Meister namens Wittemeyer.

Kommentar

Die detaillierten Zeichnungen der Inschrift lassen Aussagen über die Buchstabenform zu. Bei der Schrift handelte es sich um eine völlig abgeschlossene gotische Majuskel, die mit kapitalen Buchstaben durchsetzt war. Die Schäfte waren durch Nodi verziert, die Bögen der Buchstaben wiesen starke Schwellungen auf. A trug einen breiten Deckbalken. Rundes und eckiges N wechselten, ebenso kapitales und unziales T, kapitalem H am Wortbeginn stand unziales H im Wortinnern gegenüber.

Durch die Inschrift läßt sich – im Gegensatz zur etwa zeitgleich entstandenen Marktkirche – der Baubeginn der dreischiffigen Hallenkirche auf den Tag genau festlegen. Die der Kirchenfabrik angehörenden Johannes Lutbert und Johannes de Stemne kauften sich beide 1341 mit einer Bremischen Mark in die Kaufmannschaft der Stadt Hannover ein.3) 1329 erwarb Johannes de Stemne Land von der Familie von Anderten4), 1341 ist er im städtischen Pfandregister aufgeführt5). Die in der Inschrift genannten Baumeister aus der Familie Wittemeyer lassen sich anhand der Quellen nicht nachweisen.

Textkritischer Apparat

  1. JOHANNIS] So in allen Überlieferungen, lediglich Meier hat Johanne.
  2. LVTBE(R)TI] LVTBETI Redecker, Grupen, Mithoff. Offenbar wurde hier von der Überlieferung oder dem Steinmetzen ein Kürzungszeichen vergessen.

Anmerkungen

  1. Hesse, Zerstörte Wahrzeichen, S. 246.
  2. 25. März.
  3. Leonhardt, Bürgerbuch, S. 213.
  4. HUB, Nr. 165.
  5. Leonhardt, Bürgerbuch, S. 205.

Nachweise

  1. Redecker, Bd. 1, fol. 138v (Zeichnung).
  2. Meier, Deliciae, p. 53.
  3. Grupen, Historia Ecclesiastica, Bd. 1, fol. 1077r (Zeichnung).
  4. Reiche/Heiliger, fol. 10r (Zeichnung).
  5. Mithoff, Archiv, S. 10, Tafel VII.
  6. Ders., Kunstdenkmale, S. 71.
  7. Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 115.

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 5† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0000505.