Inschriftenkatalog: Stadt Hannover

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

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DI 36: Stadt Hannover (1993)

Nr. 1† Ägidienkirche 2. H. 13. Jh.?

Beschreibung

Uhrglocke. Die Glocke, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, war wohl die älteste erhaltene Glocke Hannovers und wurde vermutlich schon aus dem Vorgängerbau der Ägidienkirche übernommen. Sie war zuckerhutförmig und trug auf dem Mantel eine eingeritzte Inschrift. Die Kronenöhre waren mit Flechtband verziert.1)

Inschrift nach der Zeichnung bei Redecker.

Maße: Du.: 62 cm.2)

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

  1. + ME · RESONANTEa) · PIA · PLEBI · SVCCVRRE · MARIA ·

Übersetzung:

Wenn ich ertöne, komm dem Volk zu Hilfe, gütige Maria.

Versmaß: Zweisilbig gereimter leoninischer Hexameter.

Kommentar

Im Gegensatz zu Hesse und Nöldeke weist Mithoff3) die Glocke der Gießerwerkstatt des Thomas Rideweg zu, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts Glocken für die Ägidienkirche goß. Nach Mithoff handelte es sich bei der Uhrglocke um eine mehrfach umgegossene Glocke, deren Vorgängerin aus dem 14. Jahrhundert stammte. Belege für diese Annahme führt er jedoch nicht an. Redecker dagegen hielt es aufgrund der Schriftart – einer abgeschlossenen gotischen Majuskel – für erwiesen, daß selbige in finsterem Papstthum gegoßen.4) Für ein hohes Alter der Glocke spricht die von Hesse als Zuckerhut charakterisierte Form. Zuckerhutförmige Glocken kommen besonders im 13. Jahrhundert vor, während sich das 18. Jahrhundert durchweg anderer Formen bediente.5)

Textkritischer Apparat

  1. ME RESONANTE] ME RESONANANTE Redecker. Vermutlich handelt es sich um eine fehlerhafte Aufzeichnung Redeckers, da dieser sonst Fehler in der Ausführung der Inschrift zu kennzeichnen pflegt. Das E in ME und das erste E in RESONANTE standen spiegelverkehrt; sie erschienen als D, da das E in abgeschlossener Form ausgeführt war.

Anmerkungen

  1. Beschreibung nach Hesse, Wahrzeichen, S. 1, und Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 122.
  2. Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 122.
  3. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 72.
  4. Redecker, Bd. 2, fol. 166r.
  5. Vgl. Schilling, Glocken, Abb. 106–108, 111.

Nachweise

  1. Redecker, Bd. 2, fol. 166r (Zeichnung).
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 72.
  3. Nöldeke, Kunstdenkmäler I, S. 122.

Zitierhinweis:
DI 36, Stadt Hannover, Nr. 1† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0000107.