Inschriftenkatalog: Stadt Hameln

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 28: Hameln (1989)

Nr. 170 St. Bonifatii vor 1650

Beschreibung

Grabplatte des Eilhard Fockerelle. Erhalten sind fünf Bruchstücke des ehemals hochrechteckigen Steins, die zusammen etwa die obere Hälfte ausmachen. Kalksandstein. Über die Herkunft der Bruchstücke ist nichts bekannt, der Stein ist in den Collectanea Herrs nicht erwähnt1). Heute lagern die Reste des Grabsteins im Turm der Kirche. Der Bildteil befand sich in der unteren Hälfte der Platte, soweit noch erkennbar, zeigt er den Verstorbenen in Bethaltung unter dem Kreuz mit Titulus A. Über dem Bildteil Inschrift B, darüber Engelskopf. Zwischen Inschrift B und dem Bildteil rechts ein Wappen, links eine Hausmarke, vgl. Anhang 1, H 16. Inschrift C verläuft als Umschrift um den Stein, erhalten sind noch Teile der linken Seite, die obere Leiste vollständig und Teile der rechten Leiste.

Maße: H.: 96 cm; B.: 102 cm; Bu.: 2,8 cm (A), 3,7 cm (B), 6 cm (C).

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.

DI 28, Nr.170 - Hameln, St. Bonifatii - vor 1650

 Christine Wulf [1/1]

  1. A

    INRI2)

  2. B

    EILARDVS · PLACIDAE FOCRELIVS OSSA · QVIETIMILES INa) HOC · POSVIT CANDIDVSa) · ILLE · LOCOHANNOVERAM · PATRIOS · QVI · DVM · REMEABAT AD AGROSb)ABRVPIT · CVRSVS · MORS · MOPINAc) PIOSSIT REQVIES CINERI DONEC · SVPREMA · SALVTISd)LVX ADERIT QVA NOS SVRGERE CHR(ISTE) / VOLESe)

  3. C

    [. . .] IST · IN · GOT · VORSCHIDE/N · DER · ERBAR · EILERT · F[. . . . .] / [. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .] / [. . . . . .] X: VIII · DEN · V · NOVEMB ·

Übersetzung:

Der redliche Soldat Eilhard Fockerelle hat seine Gebeine an diesem Ort zur sanften Ruhe gelegt. Als er nach Hannover in seine Heimat zurückkehrte, unterbrach ein unerwarteter Tod den frommen Lebenslauf. Ruhe sei seiner Asche, bis der jüngste Tag des Heils erscheint, an welchem wir nach deinem Willen, Christus, auferstehen sollen.

Versmaß: Drei Distichen (B).

Wappen:
Fockerelle3)(Ochsenkopf, darüber Hausmarke, vgl. Anhang 1, H 17)

Kommentar

Die Familie Fockerelle ist in Hannover im Register zum ältesten Bürgerbuch seit der Mitte des 15. Jahrhunderts nachgewiesen4).

Die Schrift weist Elemente der frühhumanistischen Kapitalis auf wie Ausbuchtung am Querbalken des H, mandelförmiges O und retrogrades N.

Textkritischer Apparat

  1. N retrograd.
  2. AGROS] GROS steht am Ende der nächsten Zeile, davor geschweifte Klammer.
  3. MOPINA] Fehler in der Ausführung, zu lesen ist INOPINA.
  4. SALVTIS] VTIS steht am Ende der nächsten Zeile, davor geschweifte Klammer.
  5. VOLES steht allein in der letzten Zeile.

Anmerkungen

  1. Vgl. Einleitung Kap. 3.1.2.
  2. Io. 19, 19.
  3. Vgl. Otto Winkelmüller, Verzeichnis der Hausmarken und Familienwappen. In: Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge 2 (1932/33), S. 257–297, hier S. 266: Wappen der Familie Fockerelle.
  4. Vgl. Namenregister zum Bürgerbuch der Stadt Hannover, Teil 1 (1300–1549), bearbeitet von Horst und Ingrid Kruse. In: Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge 24 (1970), S. 13.

Zitierhinweis:
DI 28, Hameln, Nr. 170 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di028g004k0017003.