Inschriftenkatalog: Stadt Hameln

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 28: Hameln (1989)

Nr. 145 St. Bonifatii 1640

Beschreibung

Grabplatte des herzoglichen Legaten Erdwin Hermeling. Kalksandstein. Hochrechteckiger Stein, der wahrscheinlich in den Boden der Kirche eingelassen war1). Heute ist der Stein neben dem Brautportal in der Kirche angebracht. Inschrift A verläuft vierseitig um. Das Innenfeld der Grabplatte ist dreigeteilt, oben zwei Wappen mit Beischriften, in der Mitte eine erhabene Tafel mit Inschrift B, unten zwei Wappen mit Initialen. Der Stein ist stark abgetreten, dadurch sind vor allem Inschrift B sowie das Wappen des Verstorbenen beeinträchtigt.

Maße: H.: 184 cm; B.: 83 cm; Bu.: 5,5 cm (A), 4,5 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 28, Nr.145 - Hameln, St. Bonifatii - 1640

 Julia Zech [1/4]

  1. A

    STREN[UUS ET] NOBILISSIMUS / VIR ERDWIN HERMELING DUCUM BRUN.SVICENS(IUM) ET LUNEBURGENS(IUM) COM/MISSARIVS [PROVI]DENS / AD CASTRA SVECICA LEGATVS PIE DEFUNCTUS OBIIT 18 OCTOBRIS A(NN)O 1640

  2. B

    [. . . CII] PS XV2) / H[OMO SICUT F]OENUM DI/[ES EIVS TAM]QVAM FLOS /A[GRI FL]OREBIT QVO/NIAM [SPIRITUS] PERTRA(N)/SIB[IT IN ILL]O ET NON SUB/SIST[ET ET] NON COGNOSCET AM[PLIUS LO]CUM SUUM /

    Wappen mit Beischriften:

    ERDWIN HERMELING KVNNIGVNDA BVLLE 
    A V Da) R Ka) 

Übersetzung:

Der tatkräftige und hochedle Mann Erdwin Hermeling, der vorausschauende Beauftragte des Herzogs von Braunschweig und Lüneburg, ist als Gesandter zum schwedischen Lager in Gottesfurcht verschieden. Er starb am 18. Oktober des Jahres 1640. (A)

Der Mensch ist wie Heu. Sein Tag ist wie eine Blume. Sie wird auf dem Feld blühen. Wenn der Wind darüber hinweggeht, wird sie nicht stehenbleiben und ihren Standort nicht mehr kennen. (B)

Wappen:
Hermeling(vierzählige Blüte, darunter zwei nach oben gebogene Pfeile?)3)
Bulle(Schild quergeteilt, an der Mittelachse gespiegelte Blüte)
A V Da)(Schrägbalken)
R Ka)(zwei kreuzweise gestellte Stäbe, in den Winkeln vier Kugeln)

Kommentar

Die Familie Hermeling gehörte zur städtischen Oberschicht in Osnabrück4). Ein Erdwinus Hermeling Osnabrugensis hat sich am 2. Juni 1613 in Helmstedt immatrikuliert5). Wahrscheinlich ist der in der Matrikel Verzeichnete identisch mit dem in Inschrift A erwähnten Legaten. Weitere biographische Einzelheiten konnten nicht ermittelt werden.

Aus der Kriegssituation im Herbst 1640 in der Umgebung Hamelns6) ist zu vermuten, daß Erdwin Hermeling sich auf dem Weg in das bei Bückeburg befindliche Hauptquartier des schwedischen Generalfeldmarschalls Banner befand. Banner hielt sich dort gemeinsam mit den Generälen Königsmark und Torstensohn den ganzen Oktober über auf7). Hermelings Legation ist außerhalb der Inschrift nicht belegt, möglicherweise war er nur Conlegat des herzöglichen Generalkommissars Otto Otto8) und ist daher nicht namentlich bezeugt. Otto Otto und ein Hermeling sind jedenfalls gemeinsam als Briefsteller an Herzog Georg im September 1640 aufgetreten9). Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg war im Rahmen des Prager Friedens von 1635 zur katholischen Liga übergewechselt10). Gegen den Widerstand der Landstädte beschloß der Herzog später, ein Bündnis mit den Schweden einzugehen. Möglicherweise ist die Legation des Erdwin Hermeling in diesen Zusammenhang zu stellen. Das Sterberegister der Bonifatiusgemeinde verzeichnet unter dem 9. November 1640: Commissarius Hermelingk11).

Textkritischer Apparat

  1. Eine Auflösung der Monogramme kann nicht gegeben werden.

Anmerkungen

  1. Vgl. Einleitung Kap. 3.1.2.
  2. Ps (G) 102, 15f.
  3. Auf dem Epitaph des Valentin Moeller im Braunschweiger Dom findet sich das Wappen einer Familie Hermeling, dies Wappen liegt der Beschreibung zugrunde.
  4. Staatsarchiv Osnabrück, Dep. 3b IV, Nr. 355, fol. 18r ist Erdwin Hermeling als Bürgerkind eingetragen (24. Dez. 1618). Für die Einsicht des Osnabrücker Bürgerbuchs danke ich Sabine Wehking.
  5. Matrikel Helmstedt, Bd. 1, S. 230, Nr. 219.
  6. Vgl. Hermann Stünkel, Rinteln im 30jährigen Krieg. Rinteln 1952 (Beiträge zur Geschichte der Stadt Rinteln 2). Für Hameln fehlt eine spezielle Geschichte des 30jährigen Kriegs.
  7. Vgl. Stünkel (wie Anm. 6), S. 65.
  8. Vgl. Friedrich von der Decken, Herzog Georg von Braunschweig und Lüneburg. Beiträge zur Geschichte des dreißigjährigen Krieges nach Originalquellen des Königlichen Archivs zu Hannover. Bd. IV, Hannover 1834, S. 75 (Legation des Otto Otto).
  9. Vgl. von der Decken (wie Anm. 8), Bd. 4, S. 285, Nr. 352.
  10. 2Sprenger, S. 79.
  11. Vgl. Kirchenbuchamt Hameln. Totenregister der Gemeinde St. Bonifatii.

Zitierhinweis:
DI 28, Hameln, Nr. 145 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di028g004k0014500.