Inschriftenkatalog: Stadt Hameln

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 28: Hameln (1989)

Nr. 117 St. Bonifatii 1618

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Grabstein des Claus von Reden, hochrechteckig, am südwestlichen Vierungspfeiler der Münsterkirche. Kalksandstein. Der Stein zeigt eine halbplastische Darstellung des Verstorbenen in Rüstung, die Linke am Knauf des Degens, die Rechte in die Hüfte gestützt, Helm und Handschuh zu seinen Füßen. Über dem Kopf des Verstorbenen sein Wappen mit Beischrift, daneben Vater- und Mutterwappen mit Beischriften. Entlang der Figur verläuft links und rechts ein Wappenfries, Wappen mit Beischriften. Die Inschrift läuft dreiseitig um die Außenkante des Steins, sie ist wie auch einige der Wappenbeischriften teilweise restauriert. Die Grabschrift fehlt in Herrs Sammlung, was darauf hindeutet, daß sich der Stein auf dem an der Stadtmauern gelegenen nordwestlichen Friedhofsteil befunden hat, von dem Herr nur ausgewählte Grabdenkmäler erwähnt. Seit der Restaurierung steht der Grabstein auf einem Sockel mit einer neuzeitlichen Inschrift1).

Maße: H.: 234 cm; B.: 117 cm; Bu.: 5 cm (Inschrift), 2,5 cm (Wappenbeischriften).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 28, Nr.117 - Hameln, St. Bonifatii - 1618

 Christine Wulf [1/1]

  1. ANNO DOMINI 1618 DEN 2 APRILIS IST DER WOLEDLER VND VESTERa) CLAWES / VON · REDEN · SEINES ALTERS IM 47 / IARE CHRISTLICH IN GOTT ENTSLAFFENb) · DER SEELEN GOTT GNADE

    Wappen (mit Beischriften):

    D. SCHWICHELT  D. V. BVSCHE 
    D. REDEN D. REDEN D. ROTTORP 
    D. BARNER  D. FREITAG 
    V. VELT//c)  D. BUSCHE 
    V. D. SCHULENB(URG)  //EGELBERGd) 
    V. HOLTE  V. FLIENDORPE 
    V. RUTENBERCH  D. GROPELING 
    V. HOLTEV. FLIEN  DORPE 
    V. BULAW  [V. MU]NCH[HAUSEN] 
Wappen:
Schwichelt(drei abgerissene Löwenköpe)2)
Reden(Schild dreimal quergeteilt)3)
Barner(zwei verschränkte Feuerhaken)4)
Veltheim(drei Querbalken)
Schulenburg(im quadrierten Schild 1 und 4 Greifenklauen, 2 und 3 schreitender Ochse)5)
Rautenberg(acht Rauten 5:3)
Holte(drei Flügel)6)
Bulaw(zwanzig Kugeln 5:5:5:3:2)7)
Busche(drei Streitaxteisen)8)
Rottorf(drei halbe Kammräder)9)
Freitag(drei Ringe 2:1)10)
Busche(gedoppelte heraldische Lilie)
Spiegelberg(Querbalken, besetzt mit drei Rosen)
Gropeling(Grapen mit Henkel und Deckel)11)
Fliendorp(drei Querbalken)
Münchhausen(Mönch)12)

Kommentar

Claus von Reden gehörte der Hamelner Familie von Reden an. Sein Vater Ernst von Reden (vgl. Nr. 87) hatte 1568 den ‚Großen Hof‘ (Redenhof) erworben13).

Textkritischer Apparat

  1. VESTER] Mit dem Buchstaben T beginnt der restaurierte Teil der Inschrift.
  2. ENTSLAFFEN] ENTSCHLAFEN Niedersachsen. Mit dem Buchstaben L endet der restaurierte Teil der Inschrift.
  3. Zu ergänzen ist VELTHEIM. Die ergänzten Buchstaben sind an dieser Stelle nicht ausgeführt, da der Ellenbogen der Figur hier in den Wappenfries hineinragt. Die Ergänzung wurde nach Renaissanceschlösser Bd. I, Stammtafel S. 214, vorgenommen.
  4. Zu ergänzen ist SPIEGELBERG. An dieser Stelle überdeckt der Schwertknauf die Wappenbeischrift.

Anmerkungen

  1. Die Inschrift lautet: WIEDERHERGESTELLT · IM · JAHRE · 1913 · DURCH / ERICH VON REDEN ERBHERR AUF HAMELN.
  2. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 9, Tafel 7.
  3. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2, S. 319, Tafel 373.
  4. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 11, 2, S. 8.
  5. Bei Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 15, Tafel 17. Anordnung: In 1 und 4: schreitender Ochse, 2 und 3: Greifenklauen.
  6. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 11, 2, S. 74, Tafel 50.
  7. Bei Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 11, 2, S. 15, Tafel 14. Anordnung der Kugeln: 4:4:3:2:1.
  8. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 11, 2, S. 17, Tafel 15.
  9. Vgl. Spießen, Wappenbuch, S. 108.
  10. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 5, S. 4, Tafel 3.
  11. Vgl. Spießen, Wappenbuch, S. 61.
  12. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 7, Tafel 6.
  13. Vgl. Neukirch, S. 64.

Nachweise

  1. Niedersachsen 21, 1915/16, S. 120.
Addenda & Corrigenda (Stand 28. Mai 2015):

Das siebente Wappen auf der Spindelseite ist in der Beischrift falsch bezeichnet. Als Wappenführer ist nicht die Familie FLIENDORP, sondern ELENDORP anzusetzen. Damit ist die Familie Elmendorff gemeint, deren Wappenschild sechsmal geteilt ist (= drei Querbalken).1)

Anmerkungen

  1. Vgl. Spießen, Bd. 1, S. 46 u. Tafel 111. Für die Korrektur danke ich Walter Ellwanger, Bremen.

Zitierhinweis:
DI 28, Hameln, Nr. 117 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di028g004k0011706.