Inschriftenkatalog: Stadt Hameln

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 28: Hameln (1989)

Nr. 107 Osterstr. 28 1602/03

Beschreibung

Hausinschriften am sogenannten Rattenfängerhaus1). Das dreigeschossige Haus ist giebelständig zur Osterstraße und traufenständig zur Bungelosenstraße. Die Fassade ist im Stil der späten Weserrenaissance reich verziert2). An der linken Seite des Giebels befindet sich eine schmale Utlucht, in ihrer Brüstung zwei Hausmarken in Wappenschilden, die linke (vgl. Anhang 1, H 18) mit den Initialen A, die rechte (H 19) mit den Initialen B. An der rechten Seite des Portalbogens ein Wappen, an der linken Seite noch einmal die Hausmarke H 18. Inschrift C befindet sich nach Angaben Mithoffs oben am Giebel3). Die Traufe ist bis zum ersten Obergeschoß massiv, darüber ein Fachwerkgeschoß, auf dessen Schwellbalken Inschrift D. Die Gefache oberhalb der Inschrift sind mit Ornamenten im Berschlagwerkstil gefüllt. Jahreszahl E auf der Wetterfahne.

Inschrift C nach Mithoff

Maße: Bu.: ca. 15 cm.

Schriftart(en): Kapitalis (D).

  1. A

    H A

  2. B

    A F

  3. C

    1 H. A. 60 M. M. O. L. 2a)

  4. D

    ANNO · 1284 · DAGE · IOHANNIS · ET · PAVLI ·WAR DER · 26 IVNII ·DORCH · EINEN · PIPER · MIT · ALLERLEI · FARVE · BEKLEDET ·GEWESEN · CXXX · KINDER · VERLEDETBINNEN · HAMELEN · GEBONb).TO CALVARIE · BI · DEN · KOPPEN · VERLOREN ·

  5. E

    1603

Wappen:
Molinus (?)(Kammrad)

Kommentar

Die Kapitalis von Inschrift D weist kreisrundes O auf und eine entsprechend breite Gestaltung der anderen Buchstaben, H und N mit ausgebuchteten Quer- bzw. Schrägbalken. Besonders auffällig ist die sorgfältige Ausführung der I-Punkte.

Die Initialen der Inschriften A und C hat Meissel – so Spanuth4) – mit den Namen Hermann Arendes und Margarete Molinus in Verbindung gebracht. Ein Harmen Arendes d. J. wird in den Kämmereirechnungen von 1592 als Ziegelherr aufgeführt, er war also Ratsmitglied. Seit 1601 ist er als städtischer Baumeister nachgewiesen. Seine Eheschließung mit Margarete Molinus bezeugt eine Strafzahlung wegen Verletzung der Hochzeitsordnung für das Jahr 1599. Bei den Initialen an der Utlucht A F handelt es sich möglicherweise um das Monogramm der zweiten Ehefrau Arendes’. Das Haus befand sich nur kurze Zeit im Besitz des Hermann Arendes, bereits 1608 ist ein anderer Eigentümer nachgewiesen, später gehörte es Johann Wrengel (vgl. Nr. 163). Zu Inschrift D vgl. die Ausführungen zum Hamelner Kinderauszug in der Einleitung Kap. 3.2.3. Sprache, Form und Thematik der Hausinschriften.

Textkritischer Apparat

  1. Meissel überliefert die Inschrift folgendermaßen: 16. H. A. M. M. O. L. 02.
  2. Fehler in der Ausführung, lies: GEBOREN.

Anmerkungen

  1. Der Name „Rattenfängerhaus“ ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gebräuchlich. Er taucht in der Literatur zum ersten Mal bei Ortwein auf, vgl. Spanuths ungedrucktes Typoskript zum Haus Osterstr. 28 im Museum Hameln.
  2. Eine ausführliche Beschreibung der Fassade bei Kreft/Soenke, S. 283, dazu Abb. 173 und S. 61 (Abb.).
  3. Vgl. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 60.
  4. Das Folgende beruht auf Spanuths ungedrucktem Typoskript (wie Anm. 1).

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 60 (C, D).
  2. Rothert, S. 19.
  3. Spanuth, Geschichte II, S. 13.
  4. Meissel, Inschriften, S. 40 (C, D).

Zitierhinweis:
DI 28, Hameln, Nr. 107 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di028g004k0010700.