Inschriftenkatalog: Stadt Hameln

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 28: Hameln (1989)

Nr. 105 St. Bonifatii nach 1600

Beschreibung

Epitaph des Barthold Hagemann und seiner Familie, heute in der Südwand der Münsterkirche. Kalksandstein. Nach Auskunft Herrs1) war das Denkmal früher an der Stiftsschule angebracht. Im Bildteil ist die Familie unter dem Kreuz kniend dargestellt, links der Vater mit vier Söhnen, rechts die Mutter mit zwei Töchtern. Über dem Kreuz Titulus A, am unteren Teil des Längsbalkens ein Meisterzeichen, vgl. Anhang 2, M 4. Oberhalb der Figuren zu beiden Seiten des Kreuzes jeweils untereinander rechts zwei Wappen mit Monogrammen als Beischriften, links eine Hausmarke, vgl. Anhang 1, H 8 und ein Wappen, jeweils mit Monogrammen als Beischriften. Unterhalb der Bildszene befindet sich eine ovale, mit Blatt- und Fruchtornamenten verzierte Schrifttafel, darauf Inschrift B. Der rechte obere Teil der Inschrift ist zerstört, die Wiedergabe dieser Textteile folgt Herr. Eine weitere Inschrift C ist bei Herr überliefert, ihr Ort ist nicht eindeutig zu ermitteln2), wahrscheinlich hat sie sich zwischen dem Bildteil und der nicht mehr vorhandenen Bekrönung des Epitaphs befunden.

Inschrift C nach Herr.

Maße: H.: 200 cm; B.: 154 cm; Bu.: 2,7 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 28, Nr.105 - Hameln, St. Bonifatii - nach 1600

 Julia Zech [1/3]

  1. A

    INRI3)

  2. B

    E[PITAPHIVM] / PRVDENTISSIMI ET SP[ECTATISSIMI VIRI D(OMI)N(I) BARTHOLDI]a) / HAGEMANNI SENIORIS QUOND[AM ET ILLVST(RISSIMORVM) PRINCIP(VM) ET NOBILIVM 40] ANNORVM PRAEFECTI MERITISSIM[I TANDEM HVIVS REIPVB(LICAE) HAMEL(E)N(SIS) CONSVLIS] / ET SENATORIS FIDELISSIMI QV[I PIE IN CHRISTO EX HOC INMVNDO] COMMIGRAVIT ANNO 16[〈. .〉 AETATIS SVAE NEC NON DILECTISSIMAE] SVAE COSTAE PIAE AC HONESTAE MATRONAE M[ARIAE RVSTHEN QVAE PIE EX / HAC] / VITA DISCESSIT ANNO 1591 DIE 12 NOVEM(BRIS) AET(ATIS) [42] / DOROTHEIA FILIA BALTHASARI ERNSTEN REIPVB(LICAE) EINBEC PAT[RICII ET SENATORIS] / PRIMARII CONIVX OBIIT ANNOb) 16〈. .〉 AETAT(IS) 〈. .〉 ANNA STATIVS ET THOMAS / IN AETATE PRIMI TEMPORIS VLTIMVM VALE HVICc) MVNDO DIXERVNT / ADAMVS FILIVS OBIIT ANNO 16〈. .〉 AETATIS SVAE / BARTHOLDVS IVN(IOR) DE VITA EXIIT / ANNO 16〈. .〉 AETATIS SVAE //

  3. C

    Rom. 14 unser keiner lebet ihn selber4)

    Wappen mit Monogrammen als Beischriften:

    B(arthold) H(agemann) M(aria) R(ust) 
    A Wd) C Kd) 

Übersetzung:

Epitaph des überaus weisen und hochberühmten Mannes, Herrn Barthold Hagemann des Älteren, einst vierzig Jahre lang sehr verdienter Verwaltungsbeamter erlauchter Fürsten und Adliger, schließlich Bürgermeister und getreuester Ratsherr dieser Stadt Hameln, der fromm in Christus aus dieser schlechten Welt ging im Jahre 16[. .] mit [. .] Jahren, und auch seiner hochgeliebten Gattin, der frommen und ehrwürdigen Frau Maria Rust, die fromm aus diesem Leben trat am 12. November 1591 mit 42 Jahren. Die Tochter Dorothea, Gattin des Patriziers und ranghöchsten Ratsherren der Stadt Einbeck, Balthasar Ernst, starb im Jahr 16[. .] mit [. .] Jahren. Anna, Statius und Thomas nahmen im Kindesalter Abschied von dieser Welt. Der Sohn Adam starb im Jahr 16[. .] mit [. .] Jahren. Barthold der Jüngere ging im Jahr 16[. .] aus dem Leben im Alter von [. .] Jahren. (B)

Wappen:
Hagemann(im waagerecht geteilten Schild oben Mann mit Stab, unten Hecke)
A. W.(Rosette zwischen zwei senkrechten oben abgewendet geknickten Balken)
C. K.(Baumstamm, darüber zwei Stäbe (?) gekreuzt)

Kommentar

Ein Jurist Barthold Hagemann hat um 1600 Bücher für die Stiftsbibliothek gestiftet5). Ein Träger desselben Namens ist für 1615 als Bürgermeister nachgewiesen6).

Textkritischer Apparat

  1. Ergänzungen in eckigen Klammern nach Herr.
  2. ANNO] fehlt Herr.
  3. HVIC] huii Herr.
  4. Die Initialen konnten nicht aufgelöst werden.

Anmerkungen

  1. Vgl. Herr, S. 197.
  2. Herr kommentiert den Anbringungsort lediglich mit „oben“.
  3. Io. 19, 19.
  4. Rö. 14, 7.
  5. Vgl. Neukirch, S. 83.
  6. 2Sprenger, S. 147.

Nachweise

  1. Herr, S. 197.

Zitierhinweis:
DI 28, Hameln, Nr. 105 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di028g004k0010506.