Inschriftenkatalog: Stadt Hameln

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 28: Hameln (1989)

Nr. 78a Osterstr. 18 1577

Beschreibung

Im gedruckten Band S. 133f.

Hausinschriften. Das ehemals giebelständige, dreigeschossige Haus ist sechs Gefache breit mit rechts und links je einer Utlucht, die nachträglich vorgebaut worden sind und bei Sanierungsmaßnahmen im Sommer 1989 entfernt wurden. Jahreszahl A befindet sich auf dem Ständerbalken über dem Rundbogenportal, darüber ein sechszähliger Stern im Kreis. Inschrift B steht in den Zwickeln des Türsturzes und auf den das Tor flankierenden Ständern. Der rechte Ständer ist ebenfalls mit einem Stern verziert, auf dem linken ist ein Sonnenrad erkennbar. Inschrift C am Schwellbalken des zweiten Obergeschosses, darüber im linken Gefach flachgeschnitzt ein Drache, rechts ein Löwe, im rechten Gefach florale Ornamente. Bis zum Sommer 1989 befand sich unterhalb dieser bildlichen Darstellungen ein Balkenstück mit einer Jahreszahl D, farbig gefaßt. Dieses Stück ist nachträglich in den Schwellbalken eingefügt worden und hat Inschrift C im mittleren Bereich beeinträchtigt. Am Schwellbalken des Dachgeschosses befindet sich eine weitere Inschrift E, die kaum lesbar ist. Auf einem vorgezogenen Balken am Dachgeschoß ist Inschrift F angebracht. In den Füllungen des leicht vorgekragten zweiten Obergeschosses Tau- und Perlbänder. An den Riegeln und Ständern Rankenwerk und florale Ornamente. An der dem Eingang zugewandten Seite der rechten Utlucht Fratzenkopf in ornamentaler Umgebung. – Die Inschriften wurden bei Renovierungsarbeiten im Sommer 1989 freigelegt, sie fehlen in den älteren Sammlungen.

Maße: Bu.: ca. 15 cm (B), ca. 14,5 cm (C), ca. 10 cm (F).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 28, Nr.78a - Hameln, Osterstr. 18 - 1577

 Julia Zech [1/3]

  1. A

    1577

  2. B

    [GE]RDT BRVMM[E]RANNA SCHEP[. .]a)[ME] FI[ER]I:FECERVN[T]

  3. C

    WER · GOT · MIT · ERNEStE · VORTRVWEN · KAN ·DAt · BLI[Ft EIN1) . . . . . . . .]b)ORNE · DE [. .]W[. . . . . . . . . .] [WELT]c)DEN · SEGEN · HE · DOC · tHO · LEStEN · BE · HOLD[. . .]d)2)

  4. D

    An[no] d(o)m(ini) mccccc x iii

  5. E

    [. . . . .]WAGe) [. . . .] DE

  6. F

    [IUSTI]TIAMf) · PROSEQUARIS · UT VIVAS · DEUT · 163) 1520

Übersetzung:

Gerdt Brummer, Anna Schep(. .) ließen mich erbauen. (B)

Verfolge Gerechtigkeit, damit du lebst. (F)

Kommentar

Gert Brummer ist seit 1560 als Besitzer eines Hauses im Osterquartier nachgewiesen, zunächst zusammen mit Hans Brummer, ab 1576 allein4).

Textkritischer Apparat

  1. Der Name der Ehefrau war nicht sicher festzulegen, möglicherweise SCHEPER.
  2. Nach EIN sind noch die oberen Viertel von vier weiteren Buchstaben erhalten, die vielleicht FROM lauteten. Folglich wäre FROMMER zu ergänzen. Auf einer Zeichnung, die die Zimmerleute bei der Restaurierung angefertigt haben, läßt sich noch ANIt lesen, also könnte eventuell MAN als Fortsetzung des Textes vermutet werden, it läßt sich nicht sinnvoll in den Zusammenhang einbeziehen.
  3. Lesung unsicher, T steht möglicherweise in L.
  4. Es sind noch Reste von zwei weiteren Buchstaben zu erkennen.
  5. Lesung unsicher.
  6. Ergänzung sinngemäß nach dem Bibeltext.

Anmerkungen

  1. Sprichwort, mit ähnlichem Wortlaut belegt bei Wander, Sprichwörterlexikon, Bd. II, Sp. 89, Nr. 2167: „Wer Gott mit Ernst vertrawen kann, der bleibt ein unverdorben Mann“. Davon abweichend ist der Wortlaut dieser Hausinschrift wahrscheinlich so zu rekonstruieren: Wer Gott mit Ernst vertrauen kann, der bleibt ein frommer Mann.
  2. Der zweite Teil des Sprichworts läßt sich aufgrund des geringen Buchstabenbefunds nicht ergänzen.
  3. Bibelparaphrase nach Dt. 16, 20: iuste quod iustum est persequeris ut vivas et possideas terram quam Dominus Deus tuus dederit tibi.
  4. Sta Hameln, Schoßliste 1560, S. 16; 1565, S. 18; 1566, Sp. 11; 1572, fol. 14r; 1576, fol. 15v; 1582, fol. 18r.

Zitierhinweis:
DI 28, Hameln, Nr. 78a (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di028g004k00078a2.