Inschriftenkatalog: Stadt Hameln

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 28: Hameln (1989)

Nr. 78 St. Bonifatii 1576

Beschreibung

Epitaph des Bürgermeisters Johannes Reimerdes und seiner Familie. Kalksandstein. Der hochrechteckige Stein befindet sich heute im südlichen Seitenschiff links neben dem Eingang zur Sakristei. Nach Angaben Herrs1) war er früher an einem Pfeiler unter der Orgel angebracht. Der Bildteil zeigt die Figur des Gekreuzigten am vierarmigen Kreuz mit Titulus A. Unter dem Kreuz links das Wappen des Verstorbenen, rechts das seiner Frau. Vor einem Vorhang knien links unter dem Kreuz drei männliche und rechts vier weibliche Figuren auf Kissen. Unter den Figuren jeweils eingeritzte Monogramme (B), die die Personen identifizieren. Der Bildteil ist eingerahmt von zwei Figuren im Halbrelief, die aus einem lisenenartigen Sockel mit Beschlagwerkornamenten und Maskenköpfen herauswachsen. Die linke männliche Figur mit Lendenschurz aus Blättern und Trauben, die rechte weibliche mit einem Schurz aus Trauben. Letztere hält ein Kreuz. Über den Köpfen der Figuren Früchte und florale Elemente. Oberhalb des Bildteils Tafel mit Inschrift C, umgeben von einer Umrandung mit Resten von Rollwerk. Inschrift D umgeben von Rollwerk unterhalb des Bildteils. Links und rechts über Inschrift D Inschrift E. Am unteren Rand des Grabsteins unterhalb des Wortes PERPETVA aus Inschrift D befindet sich eine Folge von Zeichen, die an griechische Buchstaben erinnern. Möglicherweise verbirgt sich hier eine Meistersignatur, vgl. Anhang 2, M 3.

Maße: H.: 196 cm; B.: 102 cm; Bu.: 2 cm (A, B), 4 cm (C), 3,5 cm (D), 5 cm (E).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 28, Nr.78 - Hameln, St. Bonifatii - 1576

 Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege [1/3]

  1. A

    IN · RI2)

  2. B

    IR AGR AR HR AR MR3)

  3. C

    ANNO D(OMI)NIa) 1576: 26 DIE FEBRVARII OBIIT / VIR SINGVLARI PRVDENTIA ET VIRTVTE / CONSPICVVS IOANNES REIMERDES CON/SVL CVIVS ANIMA QVIESCAT IN PACEb)

  4. D

    CONSVLIS EN CLARI CERNIS MONUME(N)TAc) IOANNISREIMERII PRVDENS QVI VIR ET AEQVVSd) ERATCVIVS ADHVC MERITIS GAVDET RESPVB(LICA) CVIVSOMNIBVS ESTe) VIRT(VS) COGNITA LAVSQVE BONISLVSTRA SVAE TETIGIT FERME BIS DENA SENECTAEPERTAESVS VITAE DVM PETIT ASTRA BREVISSISTE DOLORIFEROSf) CONIVNXg) TRISTISSIMA QVEST(VS)IAM LACHRIMASh) SOBOLES SISTE RELICTA TVASILLE THRONOS SVPEROS VIDET ET TERRESTHRIA SPERNENSi)GAVDIAk) PERPETVA COELICA PACE CAPIT

  5. E

    A W

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1576 starb am 26. Februar der Bürgermeister Johannes Reimerdes, ein durch einzigartige Klugheit und Tugend hervorragender Mann; seine Seele ruhe in Frieden. (C)

Hier siehst du das Denkmal des berühmten Bürgermeisters Johann Reimerdes, der ein kluger und gerechter Mann war. Über seine Verdienste freut sich die Stadt noch heute, seine Tugend und sein Ruhm sind allen guten Menschen bekannt. Er hat fast hundert Jahre seines Greisenalters erreicht, bis er, seines vergänglichen Lebens überdrüssig, den Sternen zueilte. Laß ab von schmerzvollem Klagen, von tiefer Trauer erfüllte Gattin, auch ihr, hinterbliebene Kinder, haltet ein mit euren Tränen. Er sieht die himmlischen Throne und ergreift, die irdischen Freuden verachtend, die ewigen himmlischen in dauerndem Frieden. (D)

Versmaß: Distichen (D).

Wappen:
Reimerdes(drei liegende Mondsicheln 2 : 1)
?(Pfeil mit Bolzen)

Kommentar

Johannes Reimerdes bekleidete von 1531 bis 1560 verschiedene Ämter im Stadtrat, in den Jahren 1546, 1548 und 1555 war er Bürgermeister4).

Textkritischer Apparat

  1. D(OMI)NI] fehlt Herr.
  2. CVIVS ... PACE] fehlt Herr, HUB. – Das E in PACE ist aus Platzmangel unter die Zeile gerückt.
  3. MONVME(N)TA] Kürzungsstrich in der Umrandung.
  4. AEQVVS] equs Herr, eques Herr 2, Korrektur.
  5. EST] et Herr.
  6. DOLORIFEROS] doleriferos Herr.
  7. CONIVNX] Coniux Herr.
  8. LACHRIMAS] lacrymos Herr.
  9. SPERNENS] Die letzten fünf Buchstaben aus Platzmangel unter die Zeile gerückt.
  10. GAVDIA] gaudica Herr.

Anmerkungen

  1. Herr, S. 140. – Zu Anfang des 20. Jahrhunderts lag der Stein in der Vorkrypta der Kirche St. Bonifatii, bezeichnet mit der Nummer 11, die noch heute sichtbar ist (links oben unter dem Kreuz), vgl. Sonnenberg, S. 4.
  2. Io. 19, 19.
  3. Die Abkürzungen der Vornamen in den Monogrammen konnten im einzelnen nicht aufgelöst werden, R steht jeweils für den Familiennamen Reimerdes.
  4. Vgl. HUB II, S. 795 Ratsherrenverzeichnis.

Nachweise

  1. Herr, S. 140.
  2. HUB II, 826 (nur C).

Zitierhinweis:
DI 28, Hameln, Nr. 78 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di028g004k0007804.