Inschriftenkatalog: Stadt Hameln

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 28: Hameln (1989)

Nr. 52 Hummenstr. 9 Mitte 16. Jh.

Beschreibung

Hausinschrift. Eckhaus AlteMarktstraße/Hummenstraße, giebelständig zur Alten Marktstraße1). Das Haus ist dreigeschossig und acht Fach breit. Die Inschrift verläuft einzeilig am Schwellbalken des 2. Obergeschosses, darüber an der Basis der Ständerbalken fünf Halbrosetten, an den Ständerbalken Bandornamente. Links der Inschrift: Maske und Drache, rechts: Jagdszene: Brustbild eines hornblasenden Jägers2), vier Hunde folgen einem Fuchs, der einem Hasen hinterherläuft. Inschrift und bildliche Darstellung vergoldet, beides nimmt etwa zwei Drittel der Balkenlänge ein. Das Haus Hummenstraße 9 wurde von 1977 bis 1980 restauriert3), die Herstellung der Inschrift ist zweifelhaft.

Maße: Bu.: ca. 12 cm.

Schriftart(en): Fraktur4).

DI 28, Nr.52 - Hameln, Hummenstr. 9 - Mitte 16. Jh.

 Christine Wulf [1/1]

  1. Jcka) hebbe neinb) betherc) dinck gelesenden recht don eind) gottruchtiche) welenf)5)

Kommentar

Die rechts neben der Inschrift befindliche Jagdszene ist vielleicht als Bild für den Menschen zu sehen, der in seiner irdischen Existenz als ein vom Teufel Gejagter verstanden wurde6). Möglich ist auch die Deutung, daß einer den anderen jagt, der Jäger (Fuchs) ist gleichzeitig der Gejagte. Die in der älteren Literatur noch nachgewiesene Inschrift Hallo, hallo Waldmann, pack an über dem Horn des Jägers deutet darauf hin, daß in späterer Zeit die Jagdszene ohne symbolhaften Bezug aufgefaßt wurde.

Textkritischer Apparat

  1. Jck] We Mithoff.
  2. nein] min Rothert.
  3. bether] best (?) Rothert.
  4. ein] unde Mithoff, Rothert; und Neukirch, Ostermeyer.
  5. gottruchtich] gotfrvchtich Mithoff, godfruchtig Rothert, Meissel, Neukirch; gotfurchtig Ostermeyer. Die Bedeutung ‚gottesfürchtig‘ ist vom Kontext her gesichert, daher ist gotfrvchtich als originale Lesart anzunehmen.
  6. welen] wesen Mithoff, Rothert, Neukirch, Ostermeyer. Schon aus Reimgründen ist wesen als originale Lesart anzusehen.

Anmerkungen

  1. Das Haus wird in der älteren Literatur als Alte Marktstraße 28 (Meissel) oder Alte Markt 38 (Mithoff) geführt. – Eine Abbildung des Hauses um 1900 bei Fließ/Ostermeyer, Abb. 59.
  2. Rothert, Meissel und Spanuth weisen über der Jagdszene eine heute nicht mehr erhaltene Inschrift nach: Hallo, hallo Waldmann, pack an. Diese wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert stammende Inschrift war – so Spanuth – im Jahr 1937 nicht mehr deutlich lesbar, vgl. Heinrich Spanuth, Bildschmuck an Hamelner Fachwerk. In: Klüt (1937), S. 89.
  3. Vgl. Annemarie Ostermeyer, Jagdszenen als Häuserschmuck. In: DWZ vom 5.7.1980.
  4. Die starke Überformung der Inschrift durch Restaurierung erlaubt es nicht, die Buchstabenform zur Datierung heranzuziehen.
  5. Zum Wortlaut der Inschrift vgl. DI XXVI (Osnabrück), Nr. 229 (nach 1613): Ich habe nie besser gehördt oder gelesen alß Godt forchten und ehrlich wesen.
  6. Vgl. Dietrich Schmidtke, Geistliche Tierinterpretation in der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters 1100–1500. 2 Bde., Berlin 1968, Diss. phil., Anm. 954: „Die Auffassung, daß die den Hasen verfolgenden Hunde den oder die Teufel bedeuten, hat als Gemeinplatz zu gelten.“ – Johannes Tauler sieht im Bild der Jagdhunde die Versuchungen, die die Beute – den Menschen – letztlich Gott zutreiben. Nachweis bei Paul Michel, Tiere als Symbol und Ornament. Wiesbaden 1979, S. 155.

Nachweise

  1. Rothert, S. 15.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 60.
  3. Meissel, Inschriften, S. 15.
  4. Neukirch, S. 42.
  5. Ostermeyer (wie Anm. 3).

Zitierhinweis:
DI 28, Hameln, Nr. 52 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di028g004k0005200.