Inschriftenkatalog: Stadt Hameln

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 28: Hameln (1989)

Nr. 46 Ritterstr. 1 1537/1622/1662

Beschreibung

Hausinschriften. Das dreigeschossige Fachwerkhaus ist giebelständig und acht Gefache breit. Das zweite Obergeschoß kragt vor, die Knaggen sind mit Bandornamenten farbig verziert, ebenso die Ständerbalken des 1. Obergeschosses. An den Ständerbalken rechts und links oberhalb des Portals zwei Hausmarken, vgl. Anhang 1, H 1 und H 2, jeweils in einem Kreis. Inschrift A am Schwellbalken des zweiten Obergeschosses, farbig hervorgehoben. Am Ständer über der Tür eine Jahreszahl aus jüngerer Zeit1). Inschrift B befindet sich auf dem Schwellbalken des ersten Obergeschosses, heute übermalt und kaum noch zu lesen2). Inschrift C an der Nordseite überstrichen und schwer lesbar. Inschrift D ehemals am Erker, der 1662 angebaut wurde3).

Inschrift B nach Oppermann; Inschriften C und D nach Meissel.

Maße: L.: 965 cm; B.: 40 cm; Bu.: ca. 25 cm (A).

Schriftart(en): Fraktur (A).

DI 28, Nr.46 - Hameln, Ritterstr. 1 - 1537/1622/1662

 Julia Zech [1/3]

  1. A

    Allea) · der · warldt · herlicheytb) ·is alse · ene · blome · de · huete · wasset · un(d) · morge(n) · vorgheitDes · here(n) · wort · blift · y(n) · ewicheitc)4)

  2. B

    [Anno Domini] M2) CCCCC XXXVII jürgen · fredebolt · fieri me fecit

  3. C

    Si deus nobiscu(m) q(ui)s c(on)t(ra) nos Röm. 85) 1622d)

  4. D

    AN GOTTES SEGEN IST ALLES GELEGEN

Übersetzung:

Jürgen Fredebolt ließ mich im Jahr des Herrn 1537 erbauen. (B)

Wenn Gott mit uns ist, wer vermag etwas gegen uns. (C)

Kommentar

Der in Inschrift B genannte Erbauer des Hauses gehörte der Hamelner Ratsfamilie Fredebolt an. Ein Jürgen Fredebolt war 1553 Slachtherr6) und in dieser Funktion im Rat für die Erhaltung der Wehre zuständig. Er ist wahrscheinlich vor 1560 gestorben, da in der älteren Schoßliste, die aus diesem Jahr stammt, nur De Freboldsche, also seine Witwe, verzeichnet ist7). Da der Name Fredebolt in Hameln verbreitet war, läßt sich die Identifizierung des in Inschrift B genannten Jürgen Fredebolt nicht mit Sicherheit vornehmen.

Textkritischer Apparat

  1. Zwischen den Wörtern paragraphenförmige Trennzeichen.
  2. Alle . . . herlicheyt] . . .dyt Mithoff; Alle Herrlichkeit der Warlt Rothert; Alle der warlte herlicheyt Meissel.
  3. y(n) ewicheit] ewich 1537 Meissel.
  4. 1622] fehlt Mithoff, Oppermann.

Anmerkungen

  1. 1537.
  2. Vgl. Moritz Oppermann, Inschriften und Wandlungen des Hauses Ritterstraße 1. In: Jahrbuch 1966, S. 46–50, hier S. 46. Nach Angaben Oppermanns befand sich der Teil Anno Domini M links oberhalb des Eingangs und der folgenden Teil rechts.
  3. Vgl. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 60. – Der Erker ist auf einer Abbildung, die das Haus im Zustand von 1920 zeigt, noch zu sehen (vgl. Jahrbuch 1966, S. 2).
  4. Nach 1. Petr. 1,24f.
  5. Rm. 8,31.
  6. Vgl. HUB II, S. 789 Ratsherrenverzeichnis; s.a. Oppermann (wie Anm. 2), S. 47.
  7. Sta Hameln, Schoßliste 1560, fol. 3v. – Oppermann (wie Anm. 2) führt ohne Angabe von Quellen aus, daß Fredebolts zweite Frau Lücke bereits 1554 als Witwe genannt wird.

Nachweise

  1. Oppermann (wie Anm. 2), S. 46; Abb. S. 2.
  2. Meissel, Inschriften, S. 49f.
  3. Rothert, S. 18.
  4. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 60.

Zitierhinweis:
DI 28, Hameln, Nr. 46 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di028g004k0004602.