Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Anhang 1: Die baugebundenen Inschriften des Stadtgottesackers

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Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85 Anhang 1: Stadtgottesacker (2012)

A1, Nr. 54 Bogen 54 1566–1568

Beschreibung

Bibelzitate (AA–AC), ehemals in drei Textblöcken nebeneinander angeordnet; die linke Seite des Frieses ohne Inschrift komplett erneuert. Im Bogenscheitel Medaillon mit Wappen. Am Gebälk über Pfeiler und Bogen Steinmetzzeichen.1)

  1. AA

    [– – –] // [– – –]T REPOSITA / [– – –] [O]MNIBVS QVI / [– – –]2)

  2. AB

    [– – –] AEDIFICATIONE(M)a) / [- - -] [SVPER]INDVI DESIDERANTES // · I · CORb) [ · ] V3) ·

  3. AC

    EXPECTEMVS IGITVR B[E]ATAM / ILLAM SPEM ET APARTIONEMc) GLORIAE / MAGNI DEI ET SALVATORIS NOS[T]RI / IESV CHRISTI AMEN4)

Übersetzung:

AA (…) die bewahrt ist (…) allen, die (…)

AB (…) die Behausung (…) zog ich darüber, wie wir es wünschen. (…)

AC Wir erwarten also jene selige Hoffnung und die Erscheinung der großen Herrlichkeit Gottes und unseres Erlösers Jesus Christus. Amen.

Wappen:
Boëtius (?)5)

Kommentar

Das lange Zitat AA erstreckte sich über den verlorenen linken Textblock und die ersten drei Zeilen des mittleren Textblocks. In dessen dritter Zeile begann offensichtlich das kurze Zitat AB. Der Zitatnachweis von AB steht am Anfang der ersten Zeile von AC. Der Wortlaut der Zitate entspricht aber nicht dem Text der Vulgata. Vermutlich handelt es sich, wie auch bei anderen lateinischen Bibelzitaten an den Schwibbögen des Stadtgottesackers, um Übersetzungen aus dem Deutschen ins Lateinische.

Die Bogenkammer ist vielleicht 1566 nach dem Tod zweier Kinder des Oberpfarrers der Marktkirche und Superintendenten von Halle, Magister Sebastian Boëtius, begonnen worden (s. Nr. 158), der hier 1573 selbst beigesetzt wurde (s. Nr. 203).

Textkritischer Apparat

  1. AEDIFICATIONEM] Kürzung durch Kompendienstrich über N und E.
  2. I COR] Lesung unsicher.
  3. APARTIONEM] Sic! Für APPARITIONEM.

Anmerkungen

  1. Siehe Anhang 2, Nr. 58, 60.
  2. Möglicherweise Rückübersetzung von 2 Ti 4,8, da hier das von Luther gebrauchte Wort „allen“ erscheint. Olearius 1674, S. 53 schreibt 1. Thimoth. 4. Tempus resolutionis meae instat &c., zitiert aber 2 Tm 4,6.
  3. Möglicherweise Rückübersetzung von 2 Ko 5,2.
  4. Rückübersetzung von Tit 2,13.
  5. Band, in drei Schleifen gelegt.

Zitierhinweis:
DI 85 Anhang 1, Stadtgottesacker, A1, Nr. 54 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004a1005403.