Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Anhang 1: Die baugebundenen Inschriften des Stadtgottesackers

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DI 85 Anhang 1: Stadtgottesacker (2012)

A1, Nr. 11 Bogen 11 1557, 1608

Beschreibung

Bibelzitate (AA–AB), Widmung (B)1) und Stiftervermerk (D).2) Im Bogenscheitel (?) ehemals ein Wappenmedaillon mit umlaufendem Stiftervermerk und Initialen (E).3)

  1. AA †

    Nullus nostrum sibi vivit (et)c. Rom. 14.4)

  2. AB †

    Ich bin die Aufferstehung etc. Joh. 11.5)

  3. B †

    [RESV]R(E)CTIO/NIS ACa) //

  4. D †

    ANNO · DOMINI 1557 · NOBILES CHRISTOPH(ORVS) · ET ALB(ERTVS) · AB · HOIM · GERMANI FRATRES · WEGLOB(ENSES) PRI(MVM) · HOC · MONVMENTVM · F(ECERVNT)b)

  5. E †

    JEREMIAS RICHELMIVS V(TRIVSQVE) J(VRIS) D(OCTOR) REIPVB(LICAE) HVIVS. P(RO) T(EMPORE) SVNDICVSc) PRO SE ET SVIS. ANNO 1608d) // E(LISABETH) B(ORCHOLT) S(ELIG)e) // E(LISABETH) G(REFFE)f)

Übersetzung:

AA Keiner von uns lebt für sich. (...)

B Der Auferstehung und

D Im Jahr des Herrn 1557 schufen die edlen Christoph und Albrecht von Hoym, leibliche Brüder aus Wegeleben, dieses erste Grabmal.

E Jeremias Reichhelm, Doktor beider Rechte, derzeit Syndikus dieses Gemeinwesens, für sich und die Seinen. Im Jahr 1608. (...)

Wappen:
Borcholt (?)6)Reichhelm7)Gräfe8)

Kommentar

Inschrift B setzt sich auf den folgenden Pfeilern fort (Anhang 1, Nr. 12B, 13B). Kürzungen im Besitzvermerk E sind durch Doppelpunkt markiert; zwischen den Initialen steht das Oberwappen des Vollwappens der Familie Reichhelm.

Die Erbauer des Bogens, Christoph und Albrecht, stammen aus der von 1491 bis 1704 auf Wegeleben bei Halberstadt ansässigen Linie der Herren von Hoym. In der Pfarrkirche ihres Heimatortes hat sich der Totenschild für Christoph v. H. (gestorben 1564) erhalten.9) Ihre Wappentafel am Stadtgottesacker (D) gab analog der an der Außenseite der Bogen 12 bis 14 angebrachten Inschriften (D) das Jahr des Baubeginns an. Bei der Zerstörung der Bogenkammer 1945 ist sie verlorengegangen.

Auf dem Wappenmedaillon von 1608 (E) waren drei Wappen: Neben dem Vollwappen der Familie Reichhelm stand links vermutlich das durch Initialen bezeichnete der ersten Ehefrau Jeremias Reichhelms, Elisabeth Borcholt, die schon vor 1600 gestorben war. Auf der rechten Seite stand das Wappen der zweiten Ehefrau Reichhelms, Elisabeth Gräfe (1582–1637).10)

Textkritischer Apparat

  1. Zwischen beiden Worten ein Strich auf der Mittellinie. Ergänzt nach Anhang 1, Nr. 14B. Die Inschrift war ursprünglich vermutlich über drei Zeilen geschrieben.
  2. Die Inschrift aber möglicherweise unvollständig überliefert (vgl. Anhang 1, Nr. 12D).
  3. SVNDICVS] Sic! Für SYNDICVS.
  4. ANNO 1608] Vor und nach der Jahresangabe Zierschleifen.
  5. SELIG] Auflösung unsicher.
  6. ELISABETH GREFFE] Schreibung des Familiennamens nach Anhang 1, Nr. 19C.

Anmerkungen

  1. Nach MBH Ms 319, 2, o. S. (Nr. 10).
  2. Nach BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 425.
  3. Nach Bummerstedt/Berger 1881, Taf. 18.
  4. Nach Rm 14,7.
  5. Jh 11,25.
  6. Nach Bummerstedt/Berger 1881, Bl. 18; zwei heraldische Lilien, die untere gestürzt.
  7. Ebd.; vgl. Siebmacher X, 6, Taf. 97.
  8. Nach Bummerstedt/Berger 1881, Bl. 18; vgl. Anhang 1, Nr. 19.
  9. BKD Prov. Sachsen 14, S. 226; Schwineköper 1987, S. 486 f. (B. Schwineköper); Dehio 2002, S. 979. Vielleicht handelt es sich um Verwandte (die Söhne?) des 1551 in Wegeleben verstorbenen erzbischöflichen Rates Heinrich von Hoym; vgl. Scholz 1998, S. 67–69, 345.
  10. Vgl. Dreyhaupt 2, 1750, Beylage B, S. 126 („Geschlechts-Register der Reichhelme“); zu J. Reichhelm s. Nr. 278.

Zitierhinweis:
DI 85 Anhang 1, Stadtgottesacker, A1, Nr. 11 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004a1001108.