Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85: Halle/Saale (2012)

Nr. 487 Laurentiuskirche 1642

Beschreibung

Grabplatte aus Sandstein für Maria Schüler, an der südöstlichen Außenwand der Kirche eingemauert. Umlaufend eine schwach konvexe Schriftzeile mit Bibelzitat (A), durch Profile abgesetzt. Im Binnenfeld ein hochformatiges, gerundetes Schriftfeld mit Stiftervermerk und Widmung, biographischen Angaben und Sterbevermerk (C). In den Zwickeln über dieser Inschriftkartusche Engelsflüchten, in den Zwickeln darunter zwei Vollwappen mit Wappenbeischriften (E). Über und unter der großen je eine kleinere Inschriftenkartusche mit Bibelzitaten (B, D), eingefaßt von Ohrmuschel- und Knorpelwerk. Die Inschriften A bis D eingehauen, die Inschrift E erhaben ausgeführt. Die Oberfläche der Platte, insbesondere an der unteren Schmalseite, partiell verwittert und mit Farbresten zugesetzt.

Maße: H.: 177,5 cm; B.: 100 cm; Bu.: 2,5 cm, 3 cm (A).

Schriftart(en): Fraktur, Kapitalis (E).

DI 85, Nr. 487 - Laurentiuskirche - 1642

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/1]

  1. A

    Johanna) am 11. V. 26. Spricht Jesusb) / Ich Bin die Aufferstehung vndt das Leben, Wer an Mich glaubet der wirdt / Leben O[b er] gleich Stür[be]c) vndt wer da / Lebet vndt glaubet an Mich, der Wirdt Nimmermehr Sterbend)1)

  2. B

    Hesekiel Cap: 37. V: 3. / Du Menschenkind Meinestu / auch, das diese Beine wieder Le=/bendig werden: Herr Herr das / weistu wohl2)

  3. C

    Ine) Gewisser / Hoffnung der frölichen / Aufferstehung vnser Leiber am / Jüngsten Tage vnd zu sonder Ehr vnd / Gedächtnisz setzte dieses Herr Christoph / Becker vornehmer Goltarbeiter vnd Kirch=/vater für Hall auffn Newmarckt seinen Hertz=/geliebten Ehegatten der Ehr vnd Tugendsamen Fraw/en Marien geborne Schülerin so von Ihren Eltern A(nn)o / 1.6.0.1. den 1. Septe(mbris)f) nachts nach 11: in diese Welt geboh=/ren, hatt geheyratet A(nn)o 1.6.21. den 6 Nove(mbris)g) vnd in / werenden Ehestand gezeiget 3 Söhne als 1. Chris=/tofohrum A(nn)o 1.6.25. 2. Christianum A(nn)o 16.31. / 3. Carvlumh) A(nn)o 1.6.41. so noch Leben ist ver=/storben A(nn)o 1.6.42. den 23 Martij vnd de(n) Tag / Marien verkind[igu]ng hirher ge=/leget worden Ihres Alters 40 / Jahr 6 Monat als sie in Eh/stand gelebt 20 Jah(r)i) / 5 Monden

  4. D

    In der Offenbahrung. 14 v 13. / Seelig sindt die Todten die in den / Herrn sterben, von nun anj)3)

  5. E

    C(HRISTOPH) // B(ECKER)k) // M(ARIA) // S(CHULER)l)

Datum: 1642 März 25.

Wappen:
Becker4)Schüler5)

Kommentar

Der Goldschmied Christoph Becker war aus Freystadt in Schlesien gekommen und 1618 auf dem Neumarkt eingebürgert worden.6) Seine Ehefrau mußte er am 25. März 1642 beisetzen. Möglicherweise war ihr 1631 geborener, zweiter Sohn Christian Becker (s. C) jener Goldschmiedegeselle, der 1653 traurige Berühmtheit erlangte, als er wegen Mordes gerädert wurde. Das Verbrechen geschah im Laden des namhaften hallischen Goldschmieds Peter Rockenthin.7)

Textkritischer Apparat

  1. Johann] Davor eine Zierschleife.
  2. Jesus] Danach ein Ornament.
  3. Ob er gleich Stürbe] Ergänzung nach Luther.
  4. Sterben] Danach eine Zierschleife.
  5. In] Davor eine Zierschleife.
  6. Septembris] Kürzungszeichen in Form der Ziffer 9 in Höhe der Grundlinie.
  7. Novembris] Kürzungszeichen in Form der Ziffer 9 in Höhe der Grundlinie.
  8. Carvlum] Sic! Wohl für Carolum.
  9. Jahr] Kein Kürzungszeichen.
  10. an] Danach eine Zierschleife.
  11. CHRISTOPH BECKER] Zwischen den Buchstaben die Rahmenleiste von B.
  12. MARIA SCHULER] Die Schreibung des Umlauts unklar; zwischen den Buchstaben die Rahmenleiste von B.

Anmerkungen

  1. Jh 11, 25–26 nach Luther; vgl. Volz 1972, S. 2164.
  2. Hes 37,3 nach Luther; vgl. Volz 1972, S. 1472.
  3. Off 14,13.
  4. Zweig mit drei Blättern; Hz.: wachsender Trompeter.
  5. Drei Stile mit Kleeblättern (oder Blüten), darüber der Buchstabe W; Hz.: Büffelhörner, hinterlegt mit der Wappenfigur.
  6. Wipplinger 1972, S. 72.
  7. Olearius 1667, S. 452; Wipplinger 1972, S. 44, 73. Zu P. Rockenthin s. Nr. 511.

Zitierhinweis:
DI 85, Halle/Saale, Nr. 487 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004k0048700.