Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85: Halle/Saale (2012)

Nr. 484 Laurentiuskirche 1640

Beschreibung

Grabplatte aus Sandstein für Maria Lamperswald, an der südlichen Außenwand der Kirche eingemauert. Umlaufend eine schwach konvexe Schriftzeile mit einem Kirchenlied (A), durch Profile abgesetzt. Im Binnenfeld ein hochformatiges, ovales Schriftfeld mit biographischen Angaben, Sterbevermerk, Grabbezeugung und Segenswunsch (C) sowie einem Bibelzitat (D). In den Zwickeln über dieser Inschriftenkartusche Engelsflüchten. Über und unter der großen je eine kleinere Inschriftenkartusche mit einer Einfassung aus Ohrmuschel- und Knorpelwerk. In der oberen ein Bibelzitat (B); in der rechteckigen unteren ein Stiftervermerk mit Widmung (E), über derselben drei Vollwappen mit beigeschriebenen Initialen (F). Sämtliche Inschriften eingehauen; die Oberfläche der Platte verwittert.

Maße: H.: 175 cm; B.: 95,5 cm; Bu.: 3 cm (A), 2,5 cm (B–F).

Schriftart(en): Fraktur, Kapitalis (B, D, F).

DI 85, Nr. 484 - Laurentiuskirche - 1640

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/1]

  1. A

    Ach Herr Vergib all Vnser Schuld,Hilff / vns Wir Warten Mit gedult.Bisz Vnser Stündlein Kömpt Herbij. /Auch Vnser Glaub stetz Wacker Seij. /Deinen Wort zu Trawen FestiglichBisz Wir Entschlffena) Seliglichb)1)

  2. B

    Vnd Ich Höret eine Stim vom / Himmel zu mihr sagen, schreibe Se=/lig sind die Todten, die in dem Herrn / Sterben von nu an. Ja, der Geist spricht / das sie Ruhen von ihrer Arbeitc) / APOCAL. 14. V. 13.d)2)

  3. C

    Die Weilandt / Erbare vnd Vieltugendsame / Fraw Maria, H(errn) David Emmens, / Gastwirts aufm Naumarckt s(eine) / Eheleibliche Tochder, des Ehrwürdigen / vnd wohlgelarten H(errn) M(agister) Andreae Lampij, / Pfarherrns so in die 10. Jahr vnd Nachmals / Des Ehrenvesten vnd Achtbarn H(errn) Johan / Lamperswaldens Ertszbischoff(lich) Magdeburg(ischen)e) / Obergleitsmans im Ambt Gibichenstein, in / das Stehende Jahr, gewesener Eheliche Hauszfraw, / Lieget hier an ihre[s] Ersten Eheherrns Seijte Be=/graben, sie ist gestorben, im Jahr Christi 1.6.40, / den 31. julij, gegen 11. vhr im Mittage, vnd / den 2. Augustij hieher Begraben worden, Ih=/res Alters 42. Jahr vnd 6. Monat, Gott / genade Ihrer Seelef)

  4. D

    So wir sampt Christo gepflantzet / werden zu gleichem Ende, so wer=/den wir auch der Auffersteh=/ung gleich seijn ROM. 6. V. 4.g)3)

  5. E

    Der Heiligen Aufferstehung zu Ehren, / vnd seiner gewesenen Liebesten Hauszfraw / Ihren Ehrengedächtnisz, Hat Herr Johan / Lamperswald di[es]en Stein setzen Lassen.

  6. F

    M(AGISTER) A(NDREAS) // L(AMPIVS)h) // M(ARIA) // E(MMEN)i) // I(OHAN) // L(AMPERSWALD)j)

Versmaß: Sechs Reimverse (A).

Wappen:
Lampius4)Emmen5)Lamperswald6)

Kommentar

Über die Groß- und Kleinschreibung besteht Unsicherheit, insbesondere bei Inschrift E, da einzelne Buchstaben insbesondere das M, das runde S und das V zwar die Form von Gemeinen aufweisen, aber überhöht und mit Zierschleifen versehen sind und somit wohl als Versalien zu lesen sind. Als Kürzungszeichen dienen in B, C, D und F Punkte auf der Grundlinie, in C auch Doppelpunkte.

Die Heiligen (E) sind all jene, die im Glauben an Christi Erlösungswerk gelebt haben und gestorben sind; sie dürfen in der Auferstehung die Rechtfertigung zum ewigen Leben erwarten.7)

Maria Emmen war vermutlich die zweite Ehefrau des 1627 verstorbenen Pfarrers vom Neumarkt Andreas Lampius (s. Nr. 355), an dessen Seite sie beigesetzt wurde. Die Familie ihres zweiten Ehemanns Johannes Lamperswald wird bereits 1468 in der hallischen Chronistik erwähnt.8) Der Bildhauer der vorliegenden Grabplatte hat wohl auch die Grabplatte für die 1642 verstorbene und auf dem Laurentiuskirchhof beigesetzte Maria Becker geschaffen (Nr. 487).

Textkritischer Apparat

  1. Entschlffen] Sic! Für Entschlaffen.
  2. Seliglich] Danach eine Zierschleife.
  3. Arbeit] Danach Quadrangel mit Zierhäkchen.
  4. 13.] Danach eine Zierschleife.
  5. Magdeburgischen] Die Kürzung durch ein schwer deutbares Zeichen auf der Grundlinie kenntlich gemacht.
  6. Seele] Danach eine Zierschleife.
  7. Auf einer weiteren Zeile steht ein Initialenpaar, das hier als Wappenbeischrift an zweiter Stelle unter F ediert wurde.
  8. LAMPIVS] Davor die Helmzier eingeschoben.
  9. EMMEN] Davor die Helmzier eingeschoben.
  10. IOHAN LAMPERSWALD] Auflösung nach Inschrift E. Zwischen beide Worte die Helmzier eingeschoben.

Anmerkungen

  1. Kirchenlied von Paul Eber; Wackernagel 4, 1874, S. 4 (Nr. 2, Strophe 8).
  2. Off 14,13 nach Luther; vgl. Volz 1972, S. 2498.
  3. Paraphrase nach Rö 6,4.
  4. Kind mit Strauß in der linken Hand; Hz.: dass.
  5. Zweig mit Blume; Hz.: dass.
  6. Schwan; Hz.: Rumpf?
  7. Siehe Einleitung, S. XLII.
  8. Wachter 1882, S. 95.

Zitierhinweis:
DI 85, Halle/Saale, Nr. 484 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004k0048409.