Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85: Halle/Saale (2012)

Nr. 269 Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum (1590?)

Beschreibung

Hochovale Platte aus Sandstein mit dem Bildnis Nickel Hofmans im Binnenfeld, von einer umlaufenden erhabenen Schriftzeile mit eingehauener Meisterinschrift umschlossen. Urspünglich über dem nordwestlichen Tor (heute Bogen Nr. 9a) des Stadtgottesackers angebracht, nach Schließung dieses Tores an die Innenseite des Südwesttores transloziert und 1896 durch eine Kopie ersetzt.1) Reiche Rollwerkrahmung mit Engelsflüchte im Scheitel und vereinzelter Beschlagwerkverzierung, darin das Porträtmedaillon eines alten bärtigen Mannes in Schaube mit Pelzkragen und Halskrause; in seiner erhobenen rechten Hand ein Zirkel. Vielfach beschädigt und restauriert.

Maße: H.: 61,4 cm; B.: 59,3 cm; Bu.: 3,1 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 85, Nr. 269 - Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum - (1590?)

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/1]

  1. · NICKEL HOFEMANa) STEIMETZb) MEISTER DIESES BAVWES ·

Kommentar

Die Buchstaben sind mit gleichbleibender schmaler Kerbe eingehauen. Das E weist einen auffällig kurzen Mittelbalken auf. Die oberen und unteren Balken haben zumeist weit ausgezogene Sporen. Vor dem Text steht ein Quadrangel mit Zierhäkchen an der oberen und unteren Spitze; dem letzten Wort folgt ein einfaches Quadrangel.

Nickel Hofman war als Werkmeister und Bildhauer zunächst maßgeblich am Bau der 1557 begonnenen Arkaden des Stadtgottesackers beteiligt.2) Sein Anteil ist aber seit den 1560er Jahren, als Hofman zunehmend Großaufträge außerhalb Halles ausführte (s. Nr. 152), nicht mehr sicher zu bestimmen. Er wird vermutlich weiterhin planend mitgewirkt haben und konnte deshalb die nach Art und Umfang doch ungewöhnliche Bauaufgabe mit seinem Bildnis beenden.3) Da die Westseite des Stadtgottesackers vom Tor bis Bogen 9 im Jahr 1590 errichtet wurde (s. Anhang 1), wird auch das Bildnis des maßgeblichen Werkmeisters in diesem Jahr entstanden sein. Sein Schöpfer ist unbekannt, wenn es nicht der greise STEI(N)METZ selbst gewesen ist. Der Zirkel ist seit dem Spätmittelalter ein typisches Attribut des Werkmeisters.4) Zwei Jahre später ist Nickel Hofman, einer der führenden Werkmeister der Renaissance in Mitteldeutschland, gestorben (s. Nr. 152).

Textkritischer Apparat

  1. HOFEMAN] Sic!
  2. STEIMETZ] Sic! Für STEINMETZ. Kein Kürzungszeichen.

Anmerkungen

  1. Otto 1900, S. 25. Ursprünglich Bestand des Stadtmuseums (Inv.-Nr. Kl 3 „alter Bestand“), jetzt im Museum Moritzburg, Inv.-Nr. MO III 00187.
  2. Vgl. Einleitung, S. XXVII f. und Anhang 1, Nr. 12, 13, 15, 17, 19.
  3. Inschriften mit seinen Initialen hat Hofman an den meisten seiner Bauten hinterlassen (s. Nr. 38, 168, 171, 172), nur an einem aber findet sich nochmals eine Inschrift mit vollem Namen; s. Nr. 152MA.
  4. Vgl. Gerstenberg 1966, insbesondere S. 182, 184, 186 f., 202–211, 213, 216 f.

Nachweise

  1. Olearius 1674, S. 9.
  2. Knauth 1857, S. 832.
  3. BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 428 f.
  4. Steffen 1911, Sp. 342.
  5. Runde 1933, S. 549 f.
  6. Neuß 1955, S. 29.
  7. Tietz 2004, S. 16.

Zitierhinweis:
DI 85, Halle/Saale, Nr. 269 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004k0026909.