Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85: Halle/Saale (2012)

Nr. 191 Giebichenstein, Unterburg 1554–1566

Beschreibung

Zwei Platten aus Sandstein mit Wappenbeischriften (aber ohne Wappen), am Ostgiebel des sogenannten Hofmeisterhauses zwischen erstem und zweitem Geschoß in ca. 3,75 m Höhe eingelassen. Beide Inschriften eingehauen und in unterschiedlichem Maße beschädigt und verwittert.

Maße: H.: 38–39 cm (A, B); B.: 105 cm (A), 119,5 cm (B); Bu.: 4–4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 85, Nr. 191 - Giebichenstein, Unterburg - 1554–1566

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/1]

  1. A

    SIGISMVNDVS · VON · GOTTE[S · GNA]/DEN · ERTZBISCHOF [·] ZV · MAGDE/BVRG · BRIMASa) · IN · GERMANIEN / ADMINISTRATOR · DES STIEFTSb) / HALBERSTAT · MARGGRAVE · ZV · BRAN/[DE]NBVRGK (ET)Cc)

  2. B

    SIGISMVNDd) · [V]ON · GOTS · GNA/DEN · ERTZBISCHOFe) · ZV · MAGDE/BVRGf) · PRIMAS · IN · GERMANIEN / ADMINISTRATOR · DES · STIEFTS / HALBERSTAT · MARGGRAVE · ZV · / BRANDENBVRGK · (ET)Cg) ·

Kommentar

Die Buchstaben von A mit gleichbleibender schmaler Strichstärke und dreieckigen Sporen ausgeführt. Als Worttrenner stehen Dreiecke. Das M hat gerade Schäfte und einen bis zur Mittellinie abgesenkten und gelegentlich darunterreichenden Mittelteil. Die Cauda des R setzt weit außen am Bogen an und ist nur selten geschwungen.

Die Buchstaben von B sind gleich gebildet, aber gleichmäßiger gehauen. Das obere Ende des unteren Bogens des B biegt sich nicht zum Schaft zurück, sondern ist gegen den rechtsschräg auslaufenden oberen Bogen geführt. Der Mittelteil des M reicht stets bis unter die Mittellinie. Die Unterschiede in der Wortschreibung und den Buchstabenformen sowie die Schreibung von Enklaven lassen die Ausführung durch zwei Bildhauer vermuten, die aber zweifellos zur gleichen Zeit und sicherlich auch innerhalb ein und desselben Auftrags tätig gewesen sind.

Den einzigen Hinweis, daß es sich um Wappenbeischriften handelt, gibt Gottfried Olearius 1679, wenn er schreibt, „daselbst im Schloßhofe (des Giebichenstein; F. J.) liegt ein Stein auf der Erden mit Brandenb. Wapen und (...) inscription“, und den vollständigen Text einer Inschrift wiedergibt.1) Doch wußte schon Olearius nicht zu sagen, wo der von ihm aufgefundene Wappenstein ursprünglich eingebaut war.2) Die Inschriften entstanden zwischen der Huldigung und dem Tod des Erzbischofs Sigismund von Brandenburg3) und wurden vielleicht bei Neubau des Hofmeisterhauses 1767–17694) in die Giebelwand eingelassen.

Textkritischer Apparat

  1. BRIMAS] Sic!
  2. DES STIEFTS] Zwischen beiden Worten ein sehr geringer Abstand und allem Anschein nach kein Worttrenner.
  3. ETC] Befund: Z-förmiger et-Haken und C. Davor ein großes Spatium.
  4. SIGISMVND] Der erste Buchstabe überhöht.
  5. ERTZBISCHOF] Das Z in kleinerem Schriftgrad unter den Balken des T gestellt.
  6. MAGDEBVRG] Das E in kleinerem Schriftgrad in das D eingestellt.
  7. ETC] Befund: linksgewendetes S als et-Haken und C.

Anmerkungen

  1. Olearius 1679, S. 58.
  2. Dieser war vielleicht identisch mit dem zerbrochenen Wappenrelief, das Rauchfuß 1917/18a, S. 40 erwähnt.
  3. Siehe Einleitung, S. XVII.
  4. Schmitt 1993, S. 14.

Nachweise

  1. Olearius 1679, S. 58.

Zitierhinweis:
DI 85, Halle/Saale, Nr. 191 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004k0019103.