Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85: Halle/Saale (2012)

Nr. 167 Stadtgottesacker 1556, 1628

Beschreibung

Grabplatte aus Sandstein für Kurt von Northausen, heute an der Rückwand der Bogenkammer 84 aufgerichtet. Umlaufend ein Sterbevermerk und ein Segenswunsch (A), im Binnenfeld eine Instandsetzung auf horizontalen Schriftzeilen eingehauen (B). Unter dieser das eingetiefte Relief eines Vollwappens (D.: 64 cm).1)

Maße: H.: 165 cm; B.: 83 cm; Bu.: 4,3–4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 85, Nr. 167 - Stadtgottesacker - 1556, 1628

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/1]

  1. A (†)

    ANNO · M · D · LVI · DEN 4 · SEPT(EMBRIS) / IST DER EDELE, GEST(RENGE), EHRNVE(STE) CVRDT VON NORTHAVSEN / OBERBOR(N)MEISTER IN GOTT / VERSCHIDE(N), SEINES ALTERS 77 · IHAR DEM GOTT GNADE AME(N).

  2. B

    DIESE 3 · LEICHSTEINE SO / BIS DATO AVF DE(M) GOTTES / ACKER GELEGEN HATT / CASPAR VON NORTHAVSEN / RATSMEISTER DEN · 7 · APRIL(IS) ANNO · 1628 · ANHERO / BRINGEN VND VNTER DIE=/SEN SEINEN SCHWIBBOGE(N) / VERSETZEN VND / RENOVIREN / LASSEN ·

Wappen:
von Northausen2)

Kommentar

Die Anfänge beider Inschriften sowie die Versalien sämtlicher Eigennamen und des Wortes GOTT sind überhöht. Es gibt kaum Bogenschwellungen, die Linksschrägenverstärkung ist nur unregelmäßig ausgeführt. Das untere Bogenende des C hat keinen Sporn, die Cauda des G ist am unteren Ende gespalten und hakenförmig nach rechts gebogen. Der Mittelteil des M ist fast bis zur Grundlinie hinabgeführt. Suspensionskürzungen sind z. T. durch nachgestellten Doppelpunkt, z. T. durch Kompendienstrich gekennzeichnet. Die dreieckigen Worttrenner stehen zwischen Grund- und Mittellinie; die letzen drei Zeilen von B sind zentriert.

Die drei LEICHSTEINE, die Kaspar von Northausen 1628 umsetzen ließ, sind die vorliegende Grabplatte und zwei weitere für Margareta und Kaspar (d. Ä.) von Northausen aus den Jahren 1554 und 1587 (Nr. 161, 249). Dabei müssen die beiden älteren überarbeitet worden sein, denn sie weisen andere, jüngere Buchstabenformen auf, die schon in das 17. Jh. gehören. Ihr kleineres Format und die stilistisch abweichende Ausführung ihrer Wappenreliefs könnten aber mit ihrer gleichzeitigen Entstehung zusammenhängen und sind nicht zwingend ein Indiz für eine Überarbeitung.

Der in B genannte Kaspar ist der Enkel Kurts und Margaretas und der Sohn Kaspars d. Ä. Der Großvater Kurt, eigentlich „Chunradt“, war von 1544 bis 1553 in dreijährigem Wechsel Oberbornmeister.3) Kaspar d. J. (1584–1633) war der bis dahin erfolgreichste Sproß der alteingesessenen und vermögenden Familie von Northausen. Nach dem Besuch des hallischen Stadtgymnasiums hatte er von 1600 bis 1603 in Heidelberg studiert. 1607 wurde er in den Rat seiner Heimatstadt gewählt und wirkte schließlich zwischen 1618 und 1627 viermal als Ratsmeister. 1631 wurde er Salzgraf in Halle, ein Jahr später königlichschwedischer Hof- und Regierungsrat im Erzstift Magdeburg.4)

Anmerkungen

  1. Auf den Stein wurden wohl im 19. Jh. die Worte aufgemalt: Gott mein Trost.
  2. Dreyhaupt 2, 1750, Taf. XXVIII.
  3. StAH H B 2, fol. 82r, 83r/v, 84v; Dreyhaupt 1, 1749, Beylage A, S. 88 f.
  4. StAH H B 2, S. 105, 107 f., 110–112, 114; Dreyhaupt 1, 1749, Beylage A, S. 121; Dreyhaupt 2, 1750, S. 344, 679 und Beylage B, S. 102 f. („Geschlechts-Register derer von Northausen“).

Nachweise

  1. MBH Ms 319, 2, o. S. (Nr. 84).
  2. Olearius 1674, S. 93.
  3. Dähne 1830, S. 119 (A unvollständig).

Zitierhinweis:
DI 85, Halle/Saale, Nr. 167 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004k0016703.