Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85: Halle/Saale (2012)

Nr. 140 Giebichenstein, Unterburg 1538

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Platte aus Sandstein vermutlich mit Hauszeichen, ursprünglich über dem Portal des Hauses Brüderstraße 10, bei Abbruch desselben 19071) hierher verbracht und heute an der Nordseite des Südflügels in ca. 2,80 m Höhe eingemauert. Reliefs mit Agnus Dei in einem Akanthuskranz; darüber ein geschwungenes Schriftband mit Bibelzitat (B), überdacht von einem Gesims mit einer Jahreszahl und einer Lobpreisung Gottes (A) in der Kehlung. In den unteren Ecken des hochrechteckigen Reliefs Initialenpaare (C). Sämtliche Inschriften eingehauen. Das Gesims mit A verlorengegangen.

A nach MBH Ms 220.

Maße: H.: 70,5 cm; B.: 57 cm; Bu.: 6,5–6,8 cm (A), 5,5 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 85, Nr. 140 - Giebichenstein, Unterburg - 1538

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/1]

  1. A †

    1538a) LAVS DEO

  2. B

    OBLATVS · EST / QVIAb) · IP(S)E · VOLVITc)2)

  3. C

    ES // SZ

Übersetzung:

A 1538. Lob sei Gott.

B Er ist geopfert worden, weil er selbst es wollte.

Kommentar

Die Sporen der Buchstaben sind zumeist strichförmig, die waagerechten z. T. weit ausgezogen. Die unteren Balken des E und L zieren große, hakenförmig ausgebildete Sporen. O und Q sind kreisrund. Das Z der Inschrift C gleicht der arabischen Ziffer Drei.

Das qualitätvolle Relief bekrönte einst ein spätgotisches Stabwerkportal, das allgemeiner Ansicht nach die in der Brüderstraße gelegene Paulskapelle erschloß.3) Die Lage der Kapelle ist aber nicht hinreichend verifiziert, so daß auch eine andere Nutzung des Portals möglich scheint. Gegen eine öffentliche Nutzung, wie es bei einer Kapelle der Fall gewesen wäre, spricht, daß das Portal offensichtlich ursprünglich Sitznischen4) und somit die Gestalt einer üblichen Haustür hatte.5) Die hier erstmals edierten Initialen deuten auch darauf hin, daß das Portal und das Relief, dem dann eher die Bedeutung eines Hauszeichens zukäme, ein Privathaus erschlossen hat. Über einem Portal in der Großen Märkerstraße 7 war ebenfalls ein Bibelzitat angebracht (Nr. 294).

Textkritischer Apparat

  1. 1538] 1558 vom Hagen, BKD Prov. Sachsen NF 1, Hildebrand, Schultze-Galléra 1920, Schultze-Galléra 1931, Neuß.
  2. QVIA] V dem ersten Buchstaben eingeschrieben.
  3. VOLVIT] Das zweite V über den Balken des L gestellt.

Anmerkungen

  1. Heine 1911, o. S.; vgl. auch Schultze-Galléra 1920, S. 96. Das Portal wurde im sogenannten Gotischen Gewölbe des Museums Moritzburg eingebaut; Neuß 1955, S. 24.
  2. Is 53,7.
  3. Dreyhaupt 1, 1749, S. 941; Knauth 1857, S. 819; vom Hagen 1, 1867, S. 181; BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 370 et.al.
  4. Vgl. Hildebrand 1914, S. 35 f., der das Portal auch im Kontext profaner Portale behandelt.
  5. Vgl. die Fotografie bei Denkmäler 1, 1895, Taf. 2 und die Zeichnung bei Grell 1990, S. 28, die den baulichen Zusammenhang wiedergeben.

Nachweise

  1. MBH Ms 220, fol. 20 (A, B).
  2. Knauth 1857, S. 819 (A, B).
  3. vom Hagen 1, 1867, S. 181 (A,B).
  4. BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 370 f. (A, B).
  5. Heine 1911, o. S. (A, B).
  6. Hildebrand 1914, S. 208 (Anm. 90; nur die Jahreszahl von A).
  7. Schultze-Galléra 1920, S. 96 (A, B).
  8. Schultze-Galléra 1931, S. 43 (A, B).
  9. Neuß 1955, S. 25 (A, B).
  10. Grell 1990, S. 28 (A, B).
Addenda & Corrigenda (Stand 04. September 2015):
  1. C

    ES // 53

Es handelt sich um den Nachweis der zitierten Bibelstelle. Die Deutung der einzelnen Buchstaben als Namensinitialen ist hinfällig.

Zitierhinweis:
DI 85, Halle/Saale, Nr. 140 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004k0014002.