Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85: Halle/Saale (2012)

Nr. 138 Dom 1536, nach 1536

Beschreibung

Portal aus Sandstein an der Westseite der Kirche, jetzt zugemauert. Die im Kircheninneren liegende, mehrgliedrige Einfassung des rundbogigen Portals mit reich ornamentiertem Gewände, Pilastern und Gesims. Die Bogenkämpfer, Pilasterkapitelle und das Gesims größtenteils abgeschlagen. An beiden Pilastern kleine Kartuschen mit verschränkten Initialen (A, links) und Jahreszahl (B, rechts); beide Inschriften erhaben. Im Bogenscheitel ein Wappenschild mit Marke. An der nördlichen Laibungsseite eine Rötelinschrift mit Namen (C).1)

Maße: H.: ca. 340 cm; B.: ca. 245 cm; Bu.: 2,7–4 cm (A), 5 cm (B), 1–1,5 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis (A), Schreibschrift (C).

DI 85, Nr. 138 - Dom - 1536, nach 1536

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/3]

  1. A

    G V H

  2. B

    1536

  3. C

    Hic fuit jacobus / [- - -]en [- - -]a)

Übersetzung:

C Hier war Jacobus. (...)

Wappen:
Günther2)

Kommentar

Die Cauda des (überhöhten) G und der linke Schaft des H bilden einen Nexus litterarum. Der Balken des H ist über den linken Schrägschaft des V hinweg- und hinter dem rechten Schrägschaft hindurchgeführt. Durch den Wappenschild im Bogenscheitel ist das Portal als Arbeit des erzbischöflichen Werkmeisters Andreas Günther ausgewiesen, der von 1533 bis 1537 im Dienst Albrechts von Brandenburg stand.3) Sein Hauptwerk war das dem Dom benachbarte „Neue Gebäude“ (die Neue Residenz), das er in wesentlichen Teilen ausführte.4) Die Funktion des repräsentativen Westportals, vor dem nur ein schmaler, von der Stadtmauer eingeengter Raum lag, und die Bedeutung der Initialen (A) sind nicht geklärt.

Die Rötelinschrift steht in keinem erkennbaren Zusammenhang mit den am Portalrahmen ausgehauenen Inschriften, ist aber sicherlich bald nach 1536 entstanden.

Textkritischer Apparat

  1. [- - -]en [- - -] Außer den edierten Buchstaben sind noch einzelne Buchstabenschäfte mit Ober- und Unterlängen (f oder/und Schaft-s?) und o-Buchstaben (?) zu erkennen, die sich aber nicht in einen sinnvollen Zusammenhang bringen lassen. Der erste Buchstabe dieser Zeile ist vielleicht als F-Versal zu lesen.

Anmerkungen

  1. Auf die Inschriften machte freundlicherweise Dr. Hans-Joachim Krause, Leipzig, aufmerksam. Unter C befinden sich weitere stark verwischte und daher unlesbare Schriftzüge.
  2. Siehe Anhang 2, Nr. 7.
  3. Neugebauer 2006, insbesondere S. 250–253.
  4. Zur Bautätigkeit unter Albrecht von Brandenburg s. Einleitung, S. XV f.

Zitierhinweis:
DI 85, Halle/Saale, Nr. 138 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004k0013802.