Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85: Halle/Saale (2012)

Nr. 136 Sigmaringen, Fürstlich Hohenzollernsches Museum 1533

Beschreibung

Farbiges Tafelgemälde mit dem Porträt des Hans von Schenitz vor einer Landschaft. Der mit geschlitzter Pluderhose, üppig verziertem Ärmelwams und Barett bekleidete Schenitz trägt eine goldene Kette mit einem Schmückstück in der Form eines leicht geschwungenen Schriftbands. Darauf Initialen und Rosetten als Worttrenner (A). Auf der Rückseite des Gemäldes ein Vollwappen, darüber ein Spruchband mit Devise und Künstlermonogramm (C) und eine weitere Devise mit Jahreszahl (B). Unter dem Wappen eine Namensbeischrift mit Altersangabe (D). A und C ohne Schriftfeld auf den dunklen Fond gesetzt; das Wappen unter Verwendung von Blattgold und Silber ausgeführt.1) Das gut erhaltene Bildnis befand sich im 17. Jh. sicherlich noch im Besitz der hallischen Verwandten des Hans von Schenitz.2)

Nach von Marcuard.3)

Maße: H.: 66,5 cm; B.: 47,5 cm;4) Bu.: 0,3–0,5 cm (A), 0,8 cm (B, D), 1,2 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis (A, B, D), Gotische Minuskel (C).

DI 85, Nr. 136 - Sigmaringen, Fürstlich Hohenzollernsches Museum - 1533

 Friedrich von Marcuard, Das Bildnis des Hans von Schönitz und der Maler Melchior Feselen, München 1896 [1/1]

  1. A

    D · B · V · B

  2. B

    ZV FROM WILFAERIG VND ZV FIL VERTRAWE(N) · /SCHWECHT KRENCKT V(ND) BRINGT GROS RAWEN · /1533

  3. C

    · das · letst · CFVCa) · das · liebeste ·

  4. D

    HANSb) VON SCHENITZ : / SEINES ALTERS · XXXIII

Versmaß: Zwei Reimverse (B).

Wappen:
Schönitz5)

Kommentar

Die Cauden des R sind unter die Grundlinie herabgeführt. Als Kürzungszeichen in B stehen Striche über den Buchstaben, als Worttrenner in C Quadrangel.

Als Friedrich von Marcuard das qualitätvolle Gemälde 1896 in die Literatur einführte, hat er es dem Ingolstädter Maler Melchior Feselen zugeschrieben. Dieser Zuschreibung wurde bald zugunsten des aus Kreuznach stammenden Frankfurter Malers Conrad Faber widersprochen. Zweifel an der Zuschreibung wegen der für Faber unüblichen Form des Künstlermonogramms konnte Wolfgang Brücker 1963 ausräumen.6) Angelica Dülberg nimmt an, daß das ungewöhnlich große Format und die „prachtvolle heraldische Malerei“ auf der Rückseite des Bildnisses mit der Erhebung des Hans von Schenitz in den Adelsstand 1532 in Zusammenhang steht.7) Eine kleinere, allerdings nur fragmentarisch erhaltene Fassung des Porträts von der Hand desselben Künstlers befindet sich im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover.8)

Devise B steht auch auf den aus Schenitz’ Haus, dem „Kühlen Brunnen“, stammenden und Schenitz’ Namen und Wappen tragenden Fayencearbeiten (Nr. 134, 135); Devise C benutzte noch Hans’ Sohn Viktor 1570 (vgl. Nr. 164D).

Textkritischer Apparat

  1. CFVC] Auflösung der verschränkten Initialen nach Brücker 1963, S. 82 f. Das zweite C ist allerdings durch einen senkrechten Strich am unteren Bogenende einem G angenähert.
  2. HANS] Der Initial überhöht.

Anmerkungen

  1. Dülberg 1990, S. 89.
  2. Zur Verwandtschaft des H. v. Schenitz s. Dreyhaupt 2, 1750, Beylage B, S. 146 f. („Geschlechts-Register derer von Schönitz“). Auch andere Dinge aus dem Besitz der unmittelbaren Nachkommen des H. v. Schenitz befanden sich nachweislich über das Jahr 1650 hinaus in hallischem Privatbesitz; siehe Nr. 164.
  3. Die jüngere Abbildung bei Dülberg 1990, Taf. 211 (Abb. 531) zeigt einen unveränderten Textbestand.
  4. Maße nach von Marcuard 1896, S. 1; abweichend bei Dülberg 1990, S. 195 (Nr. 60): H.: 68,4 cm; B.: 48 cm.
  5. Wie Nr. 134, Anm. 2.
  6. Brücker 1963, insbesondere S. 81–83.
  7. Dülberg 1990, S. 89; so auch schon von Marcuard 1896, S. 3. Zu H. v. Schenitz s. Nr. 132.
  8. Katalog Hannover 1992, S. 75 f. (Nr. 23).

Nachweise

  1. von Marcuard 1896, S. 2 und Taf. 2.
  2. Rauchfuß 1917/18b, S. 46 und Taf.
  3. Brücker 1963, S. 176 (Nr. 22); Abb. 60.
  4. Dülberg 1990, S. 194 f. (Nr. 60); Abb. 530 f.

Zitierhinweis:
DI 85, Halle/Saale, Nr. 136 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004k0013608.