Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85: Halle/Saale (2012)

Nr. 132 Marktplatz 16 1531

Beschreibung

Portal aus Stein im Erdgeschoß des östlichen Hofflügels, das Zugang zum marktseitigen Hauptgebäude der Hofanlage „Kühler Brunnen“ gewährt. Breite Faschen, davor Postamente mit Halbsäulen, die ein verkröpftes Gebälk mit weit vorspringendem Abschlußgesims tragen. Am Fries des Gebälks zwischen den Verkröpfungen eine Bauinschrift (A) und auf den Verkröpfungen eine Jahresangabe plaziert (B). Die Inschriften erhaben. Das unterste Säulensegment durch einen Schaftring abgesetzt und mit breiten Kanneluren verziert. Das obere größere Säulensegment mit leicht geschwungener Kontur, im unteren Bereich ausbauchend. Die Laibungen der Portalöffnung und die Unterseite des Gebälks abgeschrägt; ihre Flächen ebenso wie die Faschen gerahmt und an den Laibungen mehrfach quergeteilt. In der Mitte jeder der benannten Flächen ein ringförmiger Rahmen. Das Portal partiell beschädigt und mit Ölfarbe dick überstrichen.

Maße: H.: 248 cm; B.: ca. 235 cm;1) Bu.: 7 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 85, Nr. 132 - Marktplatz 16 - 1531

 Heiko Brandl, Halle (Saale) [1/2]

  1. A

    DIS · HAVS · HAT · HANS · V(ON) · SCHENITZa) G(E)BAVETb)

  2. B

    IM · 15//31 · IAR

Kommentar

Der erste Abschnitt der Inschrift (A) steht in der Mitte des Frieses über dem Durchgang, der zweite über dem linken, der dritte über dem rechten Säulenkapitell (B).

Die Buchstaben weisen kräftige Bogenschwellungen auf. Bei A und V zeigt sich eine schwache Links- oder Rechtsschrägenverstärkung. Das A in GEBAVET hat einen gebrochenen Mittelbalken, H zumeist eine nach unten weisende Ausbuchtung am Balken. Der Mittelteil des M reicht nur bis zur Mittellinie; die Schäfte des Buchstabens sind leicht schräg gesetzt. Die Schaft-, Bogen- und Balkenendungen sind überwiegend dreieckig, die Worttrenner rautenförmig. Es gibt keine Kürzungszeichen.

Portal und Inschrift entstanden während des umfassenden und luxuriösen Ausbaus der spätgotischen Häuser Marktplatz 15 und 16, die Hans von Schenitz in den 1520er Jahren erworben hatte. Das Haus Nr. 16 und einen den Hof dieses Hauses nach Norden abschließenden Bau, den sog. Küchenbau, verband Schenitz mit einem östlichen Hofflügel, dem mehrgeschossigen sog. Galeriebau, der im ersten Obergeschoß einen prächtigen Festsaal enthielt. Der Galeriebau könnte durch die Inschrift datiert sein, wenn das repräsentative Portal nicht ursprünglich an anderer Stelle (an der Marktseite?) eingebaut war.2)

Hans von Schenitz (1499–1535) wurde 1532 in den Adelsstand erhoben3) und ließ bald darauf sein Gehöft nach Norden um einen weiteren Hof mit dem sog. Saalbau (vgl. Nr. 134) und einem Arkadenbau bis zur heutigen Großen Nikolaistraße erweitern. Schenitz konnte jedoch den Luxus seines großzügigen Stadtpalais nicht lange genießen. 1534 verlor der Kammerdiener des Kardinals Albrecht von Brandenburg das Vertrauen seines Herrn und wurde im folgenden Jahr nach einem fragwürdigen Prozeß zum Tode verurteilt und hingerichtet.4)

Textkritischer Apparat

  1. SCHENITZ] Danach kein Wortabstand.
  2. GEBAVET] Kein Kürzungszeichen.

Anmerkungen

  1. Höhe gemessen ab dem heutigen Bodenniveau. Die Breite ist nicht sicher bestimmbar, da der rechte Rand des Portals von einem jüngeren Mauerzug überdeckt wird.
  2. Zur Geschichte der Hofanlage s. Einleitung, S. XXXI f.
  3. von Frank 4, 1973, S. 242. Hans soll ein Nachfahre der im 13. Jh. als Lehnsleute der Markgrafen von Meißen nachweisbaren Adelsfamilie „de Scheniz“ oder „de Zceniz“ gewesen sein; vgl. Hausen 1892, S. 433.
  4. Zu H. v. Schenitz s. Rauchfuß 1917/18 b; Scholz 1998, insbesondere S. 102–105; siehe auch Dreyhaupt 2, 1750, Beylage B, S. 146 („Geschlechts-Register derer von Schönitz“); siehe auch Nr. 45, 85.

Nachweise

  1. Hünicken 1936, Taf. 26 (Abb. 39).
  2. Volkmann 1956, S. 36.
  3. Volkmann 1958, S. 151.
  4. Harksen 1961, S. 1094.
  5. Rüger 1989, S. 59.
  6. Krause 1991, S. 347.

Zitierhinweis:
DI 85, Halle/Saale, Nr. 132 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004k0013200.