Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85: Halle/Saale (2012)

Nr. 65(†) Kleine Märkerstraße/Giebichenstein, Unterburg 1496

Beschreibung

Quader aus Sandstein, „ein groß reliefirtes, etwa quadratisch umrahmtes Monogramm“ abbildend (A), „über einer fast ganz vermauerten, spitzbogigen Thür“ neben der Westfront der Ulrichskirche.1) Darunter ehemals eine Bauinschrift (B), die schon 1886 verschwunden war.2) Schriftform und Art der Schriftausführung von B nicht überliefert. Der Quader mit Inschrift A 2010 im Hof der Unterburg Giebichenstein deponiert. Das stark beschädigte und partiell verwitterte Relief von einer nach innen gerichteten Kehle und einem innenliegenden Rundstab gerahmt.

B nach Olearius.

Maße: H.: 79,5 cm (A); B.: 64 cm (A); Bu.: 32 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel (A).

DI 85, Nr. 65 (†) - Kleine Märkerstraße/Giebichenstein, Unterburg - 1496

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/1]

  1. A

    S Ma)

  2. B †

    Anno salutis 1496. in die S(ancti) Remigii terminata est haec structura fratrum servorum S(anctae) Mariae.

Übersetzung:

B Im Jahr des Heils 1496, am Tag des heiligen Remigius ist dieser Bau für die Brüder der Knechte der heiligen Maria beendet worden.

Datum: 1496 Oktober 1.

Kommentar

Das „Monogramm“ (A) besteht aus einem unzialen symmetrischen M, dessen Mittelschaft mit einem im Mittelteil kräftig verbreiterten S verschränkt ist. Aus der äußeren Kontur des M schlagen Flammen. Darüber eine Krone, aus der neun (?) Lilienblüten emporwachsen. Das Relief entspricht im wesentlichen dem Ordenszeichen der Serviten, wie es für das 16. Jh. belegt ist.3) Inschrift B hält vermutlich das Ende umfangreicher Baumaßnahmen (vgl. Nr. 55) an der heute größtenteils verschwundenen Klausur des ehemaligen Servitenklosters fest.

Textkritischer Apparat

  1. S M] Vielleicht als Servi Mariae aufzulösen. Sancta Maria BKD Prov. Sachsen NF 1.

Anmerkungen

  1. BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 181. Die Westseite des ehemaligen Klosterareals wird von der Kleinen Märkerstraße begrenzt.
  2. BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 181.
  3. Vgl. Pötscher 2001, S. 73, 86. Diese Beispiele allerdings nur mit drei Lilienblüten und ohne die flammende Buchstabenkontur.

Nachweise

  1. Olearius 1667, S. 214.
  2. BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 181.

Zitierhinweis:
DI 85, Halle/Saale, Nr. 65(†) (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004k0006504.