Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85: Halle/Saale (2012)

Nr. 39 Laurentiuskirche 1467

Beschreibung

Glocke,1) beim Brand der Kirche 19842) herabgestürzt und gerissen, heute in der Kirche abgestellt. Hohe, durch eine Kehle abgesetzte Platte und beschädigte Krone: zwei Kronenbügel gebrochen, die obere Hälfte des Öhrs verloren. Auf den Bügeln Taustäbe. Von den Langseiten und Ecken des Öhrs Grate ausgezogen und in Kreuzform auf die Platte gelegt. An der steilen Schulter zwei parallele Stegpaare, die eine erhabene Inschrift mit Benennung der Glockenfunktion als Glockenrede und Jahresangabe einschließen. Zwei weitere Stege am Wolm.

Maße: H.: 129,5 cm (einschließl. Krone); D.: 117 cm; Bu.: 4,3 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 85, Nr. 39 - Laurentiuskirche - 1467

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/2]

  1. consolora) viva fleo mortva pello nocivaanno domini m° cccc° lxvii

Übersetzung:

Ich tröste, was lebendig, beweine, was gestorben, (und) vertreibe, was schädlich ist. Im Jahr des Herrn 1467.

Versmaß: Hexameter, zweisilbig leoninisch gereimt.

Kommentar

Zwischen den Worten und Zahlen liegen große Abstände.

Das verbreitete Formular3) nimmt auf die Funktionen der Glocke Bezug. Sie wurde bei Todesfällen und Beerdigungen und vielleicht auch bei drohendem Unwetter (nociva?) geläutet, weil dem Glockenläuten eine unheilabwehrende Kraft zugemessen wurde.4)

Textkritischer Apparat

  1. consolor] Davor ein florales Ornament.

Anmerkungen

  1. Gewicht 930 kg, Schlagton f; Grothe 2003, o. S.
  2. Siehe Einleitung, S. XLIX.
  3. Vgl. Nr. 62, 143; Walter 1913, S. 207, Anm. 1.
  4. Vgl. Otte 1884, S. 40–47; Nottrott 1903, S. 79 f.; HdA 5, 2000, Sp. 938–945 (Perkmann).

Nachweise

  1. BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 266.
  2. Wagner 1927, S. 46.

Zitierhinweis:
DI 85, Halle/Saale, Nr. 39 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004k0003901.