Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 85: Halle/Saale (2012)

Nr. 31 Ulrichskirche 1446

Beschreibung

Quader aus Stein mit Bauinschrift, an der Nordseite des fünften Freipfeilers des Kirchenschiffs in ca. 3 m Höhe versetzt. Eine unmittelbar über der dreizeiligen Inschrift befindliche, aus der Quaderfläche hervortretende Leiste (H.: 5,0–5,5 cm) abgearbeitet. Die Buchstaben auf eingetieften Schriftzeilen herausgehauen.

Maße: H.: 15,5–16 cm (Schriftfeld); B.: 47,5–48 cm (Schriftfeld); Bu.: 4,7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien der gotischen Majuskel.

DI 85, Nr. 31 - Ulrichskirche - 1446

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Markus Scholz) [1/1]

  1. Anno · d(omi)nia) · m° cccc° / xlvi° ista calu(m)pniab) lapi/diac) e(st)d) Jn//ceptae) ·

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1446 ist diese steinerne Säule begonnen worden.

Kommentar

Die letzte kurze Zeile schließt links- und rechtsbündig und wird in der Mitte zu etwa einem Drittel durch eine unbehauene Fläche unterbrochen. Diese trennt auch die erste Silbe des Wortes Jncepta ab. Besonderheiten der im Ganzen unregelmäßig ausgeführten Inschrift sind folgende: Das A ist auf zwei breite Schäfte und einen schmalen Deckbalken reduziert; den linken Schaft begleitet ein geschwungener Zierstrich. Das hochgestellte Endungs-o der römischen Jahreszahl besteht aus zwei konzentrischen Kreisen; den rautenförmigen Worttrennern ist in der Mitte eine Raute eingeschlagen. Am Ende des Textes stehen drei Worttrenner; die Kürzungszeichen sind von unbestimmbarer Form.

Die Klosterkirche wurde nach Übereignung der „Hagedornschen Warte“ an den Mendikantenorden der Marienknechte im Jahr 1339 zügig begonnen und in zwei Hauptbauphasen aufgeführt. Der zweite Bauabschnitt begann vermutlich kurz vor 1446 und verlängerte die zweischiffige Kirche um vier Joche nach Westen.1)

Textkritischer Apparat

  1. domini] Kein Kürzungszeichen erkennbar.
  2. calumpnia] Sic! Für columna; vgl. Mittellateinisches Wörterbuch 2, 1999, Sp. 97. Auf der Linie der darüberliegenden Zeile vielleicht ein Kürzungszeichen.
  3. lapidia] Sic!
  4. est] Lesung und Auflösung unsicher. Über der Linie der darüberliegenden Zeile vermutlich ein Kürzungszeichen.
  5. Jncepta] Die Lesung des ersten Buchstabens als eine aus Schaft und einem nach links überstehenden Deckbalken bestehende I-longa ist unsicher.

Anmerkungen

  1. Zur Baugeschichte der Kirche s. Todenhöfer 2006, S. 218–220 und Einleitung, S. XXVI.

Zitierhinweis:
DI 85, Halle/Saale, Nr. 31 (Franz Jäger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di085l004k0003108.