Inschriftenkatalog: Stadt Halberstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 86: Halberstadt (Stadt) (2014)

Nr. 152† Krebsschere 2 † 1574, 1575

Beschreibung

Fachwerkhaus, ehemaliger städtischer Marstall, schon vor 1902 „durch mancherlei Entstellungen unscheinbar geworden“1), traufenständig, im Obergeschoß mit drei Aufzugsluken und vergitterten Schiebefenstern unter Vorhangbögen; 23 Gefache, die in Mustern aus Ziegeln ausgemauert waren; die Fenster mit Butzenscheiben verglast, die Brüstungsplatten waren mit geschnitzen Rosetten verziert, die Füllhölzer der Schwellbalken mit Schiffskehlen geschmückt, über den Balkenköpfen befanden sich 14 kleine Wappen mit Wappenbeischriften (B); über der mittleren der drei Toreinfahrten war im mittleren Gefach das Halberstädter Wappen angebracht, auf dem Balken darunter – seitlich flankiert von zwei Rosetten – als Bauinschrift ein Tagesdatum (A).2) „Auf dem obersten Boden des Marstalle“ standen „in Gyps“ die Initialen und die Jahreszahl (C).3)

Text nach Meßblatt (A), Arndt (B), Scheffer (C).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.4)

  1. A

    Anno Domini 1 · 5 · 74 · Denna) X · Dagkb) · Maiusc)

  2. B

    Hermannd) Widelaw // Ludolph Hanene) // Bastiannf) Ottenn // [Vincentz Runstedtg)] // Hans Hormienh) // Jachopi) Drostenj) // Sictusk) Drostenj) // Henning Groten // Peter Bindell) // Wolfm) Schenitzn) // Niclauso) Hartmann // Hans Scheurep) // Bendictusq) Gerken // Lvcas Buchawr)

  3. C

    v. B. 1575

Übersetzung:

A: Im Jahre des Herrn 1574 den 10. Maientag.

Kommentar

 
Stadt Halberstadt5)

     
Widelaw6) Hanen7) Otten Runstedt Hormien Drosten8) Drosten9)
Groten10) Findel11) Schenitz12) Hartmann13) Schuren14) Gerken15)
Buchau16)

Kommentar

Der Marstall war ein Innungshaus, wie auch der Schuhhof.17) Am Schuhhof wurde Hermann Widelaw in der Inschrift aus dem Jahr 1579 als Bürgermeister genannt (Nr. 164 (†) D). Auch unter den Brauberechtigten ist er in den Jahren 1570 und 1571 verzeichnet.18) Ludolf Hane ist, wohl unter dem Vornamen Lüdeke, unter den Brauberechtigten des Jahres 1547 zu finden19) und war 1579 Bürgermeister, wie aus der Inschrift am Schuhof (Nr. 164 (†) D) hervorgeht, und ebenfalls im Jahr 1595, wie aus der Inschrift an der Kanzel der Stadtpfarrkirche St. Martin (Nr. 191 R) zu ersehen ist. Aus dem Jahr 1564 ist ein Legat über 50 Gulden von ihm an die Pfarrkirche bekannt.20) Eine seiner Stiftungen wurde, wie es 1589 heißt, „von den Erben unfleissig verwaltet“.21) Ebenso wird Nicolaus Hartmann in der Schuhhofinschrift des Jahres 1579 bezeichnet (Nr. 164 (†) D/E), der auch schon im Jahr 1570 unter den Brauberechtigten genannt wurde.22) Hans Schuren braut 1565 in der Pauls-Nachbarschaft und 1570 Bier;23) auch am Schuhhof wurde sein Name aufgeführt (Nr. 164 (†) E). Vermutliche Verwandte namens Harmen, Henning und Thomas Schuren kommen ebefalls am Schuhhof vor (Nr. 164 (†) D) und sind auch in den Braulisten in den Jahren 1547, 1552 und 1570 aufgezeichnet.24) Der genaue Verwandtschaftsgrad zu Hans Schuren ist nicht mehr rekonstruierbar. Auch Bastian Otten ist als Brauberechtigter erwähnt.25) Eine Judit Otten ist unter den Stiftern der Kanzel der Stadtpfarrkirche St. Martin erwähnt (Nr. 191 R). Peter Findel, der 1571 braute,26) wird als Kämmerer der Stadt für das Jahr 1600 genannt (Nr. 205). Wolf Schenitz war der Sohn eines gleichnamigen Vaters, der wiederum ein Bruder oder Halbbruder des Hans von Schenitz oder Schönitz war, des Kämmerers von Kardinal Albrecht von Brandenburg.27) Vincentz Rundstedt ist vermutlich mit jenem unter den Halberstädter Brauberechtigten genannten Vens Rünsthedde identisch, der 1547 und 1552 erwähnt wird, und vielleicht auch mit dem gleichnamigen Byrenß, der 1570 genannt wurde; beide Formen sind wohl nur als Verballhornungen oder Seitenformen zu Vincentz zu verstehen.28) Auch Jacob und Sixtus Drosten werden unter den Brauberechtigten des Jahres 1570 aufgezählt.29) Ebenso ist der Name Henning Grote in diesem Verzeichnis für das Jahr 1571 niedergelegt.30) Benedict Gerken wird, als Benedickts Glerken, wie auch Lucas Buchaw am Schuhhof genannt (Nr. 164 (†) D) und letzterer auch in der Schreibweise Bugkaw im Jahr 1570 als Brauberechtigter.31) Lediglich der Name Hans Hormien ist nicht zu belegen, es sei denn, es habe sich um eine Verschreibung oder Fehllesung für den Namen Hans Hornei gehandelt, der als Hans Honei wie als Hans Horlay als Brauberechtigter in den Jahren 1547 und 1570 nachzuweisen ist.32)

Textkritischer Apparat

  1. Denn] Jenner Scheffer. Folgend ein Worttrenner auf der Grundlinie bei Scheffer.
  2. Dagk] Jacob Scheffer. Der folgende Worttrenner fehlt Arndt; vgl. jedoch die Abzeichnung BKD.
  3. Maius] Mainz Scheffer.
  4. Hermann] Herman BKD.
  5. Hanen] ... onen BKD; Hönnen Scheffer.
  6. Bastiann] Bastian BKD.
  7. Vincentz Runstedt] Fehlt BKD. Der Name war erloschen und wurde von Arndt aus der Bestätigungsurkunde des Rates ergänzt.
  8. Hormien] Kormien BKD.
  9. Jachop] Jackop Scheffer.
  10. Drosten] Drolten BKD.
  11. Sictus] Sic! Wohl für Sixtus, so Scheffer.
  12. Bindel] Bindd BKD; nach der Bestätigungsurkunde des Rates eigentlich Findel; vgl. Arndt.
  13. Wolf] Wolff BKD.
  14. Schenitz] Scheintz Scheffer.
  15. Niclaus] Nicolaus Scheffer, BKD.
  16. Scheure] Schaven Scheffer, Sehnern BKD, wohl eigentlich Schure; vgl. Nr. 164 (†) mit Anm. 35.
  17. Bendictus] Sic!
  18. Buchaw] Buckaus Scheffer; Luchaw BKD.

Anmerkungen

  1. BKD, S. 480.
  2. Ebd., S. 479 f. mit Fig. Nr. 217 f. auf S. 478.
  3. Scheffer 1864, S. 55.
  4. Nach der Abzeichnung BKD, S. 478 Fig. Nr. 217.
  5. Siebmacher St, S. 144 mit Taf. 175.
  6. Ein liegender Ast mit drei aufrechten Lindenblättern; vgl. auch Scheffer 1864, Nr. 39.
  7. Ein schreitender Hahn; nach Nr. 191.
  8. Marke Taf. 62 Nr. 12.
  9. Marke Taf. 62 Nr. 13.
  10. Ein Eichenzweig mit je zwei gegenständigen Blättern und Eicheln; vgl. Scheffer 1864, Nr. 39.
  11. Ein Zweig mit drei Lindenblättern.
  12. Ein schreitender Löwe; vgl. zum exakten Wappen der Schönitz auch Siebmacher SaA, S. 152 mit Taf. 99.
  13. Marke Taf. 62 Nr. 14, siehe auch Nr. 164 (†) mit Anm. 14.
  14. Marke Taf. 62 Nr. 15.
  15. Ein Eichhörnchen.
  16. Zwei gegeneinander gewendete Eichhornschwänzchen (?).
  17. BKD, S. 480.
  18. Bandau 1932, S. 53.
  19. Ebd., S. 28 unter dem Vornamen Lüdeke.
  20. Nebe 1880, S. 42.
  21. Ebd., S. 45.
  22. Bandau 1932, S. 28.
  23. Ebd., S. 47.
  24. Ebd.
  25. Ebd., S. 41.
  26. Ebd., S. 25.
  27. Dreyhaupt 1750, Zweiter Theil, Beylage sub B, S. 146; siehe zu Hans von Schönitz auch DI 85 (Stadt Halle), Nr. 132, 134, 135, 136.
  28. Bandau 1932, S. 44; vgl. Nr. 166, 183.
  29. Ebd., S. 23.
  30. Ebd., S. 27.
  31. Ebd., S. 21.
  32. Ebd., S. 30.

Nachweise

  1. Scheffer 1864, S. 16 und Abzeichnung Nr. 39.
  2. BKD, S. 479 f. mit Fig. 217, S. 478 (A, B).
  3. Arndt 1910 a, S. 96 (A, B).
  4. Meßblatt 1912 H. 408, 1765,3 Nr. 67.

Zitierhinweis:
DI 86, Halberstadt (Stadt), Nr. 152† (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di086l005k0015207.