Inschriftenkatalog: Dom zu Halberstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 75: Halberstadt Dom (2009)

Nr. 228 Dom, Alter Kapitelsaal 1589

Beschreibung

Grabplatte des Domherrn Heinrich von Stechow; an der Nordwand des Alten Kapitelsaals, als dritte Grabplatte von Westen;1) heller Sandstein, die linke untere Seite und einige Stellen rechts von der Mitte leicht erodiert; Relief. In einer Rundbogennische auf einer Konsole stehend ein bärtiger Kleriker, gekleidet in Birett, Halskrause, pelzverbrämte Almutie, die von einer Kordel gehalten wird, in den Händen ein Buch, in den Ecken vier Vollwappen. Die Pilaster sind mit floralem Rankenwerk verziert und durch ein Gesims gegliedert, dieses und der Bogenscheitel durch je einen geflügelten Cherubskopf, die Säulenpostamente durch je einen geflügelten Putto mit Vanitassymbolen geschmückt. Der erhaben ausgeführte Sterbevermerk auf eingetiefter Inschriftenleiste am Rand umlaufend.

Maße: H. 209 cm, B. 108 cm, T. 22 cm, Bu. 6,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit einem eingestreuten Minuskelbuchstaben.

DI 75, Nr. 228 - Dom, Alter Kapitelsaal - 1589

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Hans Fuhrmann/Marion Gronemann) [1/1]

  1. AN(N)O · D(OMI)NI : 15//89 · DIE · 2 · 1a) // NOVEM(BRIS)b) OBIIT R(EVEREN)d(V)S AC NOB(I)L(I)Sc) D(OMI)N(V)S · D(OMI)N(V)S HEINRIC(VS)d) // DE · STECHOWe) · HVIVS // ECCL(ESI)AEf) · CANONICVS CVI · REQVIES · AETATIS [·] SVAE · 38

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1589 am 21. Tag des November starb der ehrwürdige und edle Herr, Herr Heinrich von Stechow, Domherr dieser Kirche, dem Ruhe (sei), seines Alters 38.

Wappen:
Stechow2) Sampleven3)
Wilmersdorff?4) Beeren5).

Kommentar

Siehe auch Nr. 226, 229 und 230, deren Schrift vom selben Steinmetz der Werkstatt H1 geschlagen wurde.

Heinrich von Stechow-Ferchesar entstammte einem zum beschlossenen (bevorrechteten) Adel der Mittelmark gehörenden Geschlecht und war wohl der zweite Sohn des gleichnamigen Vaters.6) Seine Mutter war jedoch keine gebürtige Byern, sondern nach ihrem Wappen eine Sampleven.3) Ihm standen 1589 die Einkünfte der Nicolaikirche in Aschersleben und der Maria Magdalenen Kapelle in Hornburg zu.7) Die Einkünfte der Kapelle waren noch 1564 an den Domcellerarius Johannes von Heilingen gegangen.8) Die Wappentafel Heinrichs von Stechow befindet sich heute an der Fassade des Hauses Domplatz 41.9)

Textkritischer Apparat

  1. DIE 21] Ziffern beschädigt.
  2. NOVEMBRIS] Kürzungszeichen fehlt. Der linke Schaft des N wegen des in die Schriftleiste hereinragenden Wappenumrisses unvollständig.
  3. REVERENdVS AC NOBILIS] Buchstaben teilweise beschädigt.
  4. HEINRICVS] Die unteren Schaftteile zum Teil durch das in die Schriftleiste hereinragende Säulenpostament verkürzt.
  5. STECHOW] Der erste Buchstabe beschädigt.
  6. ECCLESIAE] Buchstaben beschädigt.

Anmerkungen

  1. Ob es sich um den ursprünglichen Bestattungsort handelt, ist nicht mehr feststellbar. In den entsprechenden Quellen wird der Name Stechow nicht genannt.
  2. Linksgewendet, drei Schrägbalken der Figur nach mit je drei Lindenblättern belegt, HZ: (versehentlich nicht links gewendet) ein sitzender Affe mit einem Lindenblatt in der Rechten (von Stechow); vgl. auch hinsichtlich der Abweichungen Siebmacher Pr, S. 390 Anm. und Taf. 437; Ledebur Bd. 2, S. 474 f.
  3. Ein gestümmelter Baumstamm, beiderseits mit einem Lindenblatt, HZ: ein auf die Spitze gestelltes bequastetes Kissen über einem Turnierhut; vgl. Siebmacher BraA, S. 92 und Taf. 55, ebd. SaA, S. 142 und Taf. 93; Ledebur Bd. 2, S. 487 f.; Kneschke Bd. 8, S. 34, ebd. Bd. 9, S. 49 f. Es kann sich nicht um das bei Stechow 1983, S. 188 angegebene Wappen Byern handeln.
  4. Geviert, darin 3 (2:1) Lilien in verwechselten Tinkturen, HZ: eine wachsende Bracke; vgl. Siebmacher BraA, S. 105 mit Taf. 64. Siehe auch Stechow 1983, S. 188.
  5. Ein auffliegender Schwan, HZ: wachsende Jungfrau (Frauenrumpf) mit Stab in der Linken; vgl. Siebmacher Si 1, S. 167; ebd. BraA, S. 8 mit Taf. 4. Siehe auch Stechow 1983, S. 188.
  6. Vgl. Stechow 1983, S. 187 f.; Siebmacher Pr, S. 390; Ledebur Bd. 2, S. 474 f.; Kneschke Bd. 8, S. 606 f.; Riedel 1841, S. 279.
  7. Vgl. Nebe 1880, S. 117, 197, 199.
  8. Vgl. Nr. 209 Anm. 3.
  9. Vgl. Thiele 2002, S. 113 mit Abb. 181; Abb. Kunze 2001, S. 18. Zur Inschrift DI 86 (Stadt Halberstadt), Nr. 174.

Zitierhinweis:
DI 75, Halberstadt Dom, Nr. 228 (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di075l003k0022807.