Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 314 St. Marien 1615

Beschreibung

Epitaph für Katharina Calen, Joachim Tide und ihre Nachkommen. Stein, gefasst. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts am ersten Pfeiler des südlichen Seitenschiffs,1) jetzt links des Eingangs zum Mittelschiff. Die Fassung wurde 1936 und 1953 erneuert.2) Reiche Roll- und Beschlagwerkornamentik. In der Nische des Hauptgeschosses ein Relief mit der Auferstehung Christi, darüber auf einem Fries im Gebälk die zweizeilige Inschrift A, die Bibelstellenangabe an dessen rechtem Rand. Auf dem Schräggesims des Giebels zwei liegende Putti mit Stundengläsern, auf der Giebelspitze ein stehender Putto ohne Attribut.3) Das Auferstehungsrelief wird flankiert von personifizierten Tugenden, rechts Spes mit dem Anker, Tugend links heute ohne Attribut, ehemals mit Kreuz (Fides).4) Auf deren Postamenten zwei Wappenschilde. Auf dem Unterhang des Epitaphs die zentrierte Inschrift B. Die erhabenen Buchstaben vor schwarzem Hintergrund sind goldfarben gefasst.

Maße: H. 315 cm, Br. 164 cm. Bu. 3–3,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 77, Nr. 314 - Greifswald, St. Marien - 1615

 Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    HALTT IM GEDECHTNVS JESVM CHRISTVM / DER AVFERSTANDEN IST VON DEN TODTEN5) // 2 THI/MOT(EVS)a) 2

  2. B

    IN SPEM GLORIOSAE RESVRRECTIONISb) / VIRTVTE ET MODESTIA PIAE CONIVGI / CATHARINAE CALENAE QVAE ANNO / 1598. DIE 13 SEPTEMB(RIS) ANIMAM / DEO CORPVS VERO TERRAE MATRI / REDDIDIT. / ET SIBI SVISQVE / JOACHIMVS TIDE HVMANAE / SORTIS MEMOR POSVITc) / MORS HAEC REPARATIO VITAE EST / 16 15

Übersetzung:

In der Hoffnung auf die glorreiche Auferstehung für die in Tugend und Mäßigung fromme Ehefrau Katharina Calen, die am 13. September 1598 ihren Geist an Gott und ihren Körper der Mutter Erde zurückgab, sowie für sich und die Seinen errichtete Joachim Tide (dieses Denkmal) eingedenk des menschlichen Schicksals. Dieser Tod ist die Wiedererlangung des Lebens. (B)

Wappen:
TideSchmiterlow6)

Kommentar

In Inschrift B epsilonförmiges E, M am Wortanfang mit gebogenem linken Schaft. Katharina Calen war eine Tochter des Professors der Medizin Christian Calen und der Gesa Schwarz.7) Ihr Elternhaus befand sich in der Domstr. 28.8) Im Jahr 1593 heiratete sie Joachim Tide und starb bereits fünf Jahre später (Kat.-Nr. 269).9) Joachim Tide aus Grimmen (Ldkr. Vorpommern-Rügen), der 1594 das Greifswalder Bürgerrecht erwarb, war Altermann der Gewandschneider und Provisor der Nikolai- sowie der Marienkirche,10) später möglicherweise auch Hofmarschall der mecklenburgischen Herzöge.11)

Textkritischer Apparat

  1. THIMOT(EVS)] Kürzungszeichen fehlt.
  2. RESVRRECTIONIS] RR ineinander gestellt.
  3. Danach Rankenornament als Zeilenfüller.

Anmerkungen

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 588.
  2. Baier, Denkmale, S. 98.
  3. Die in der mittleren Nische ehemals vorhandene Figur ist verloren: Johannes Bapt. nach Baier, Denkmale, S. 97; Caritas nach Römer, Renaissanceplastik, S. 96; Maria nach Haselberg, Kreis Greifswald, S. 102.
  4. Vgl. Haselberg, Kreis Greifswald, S. 102; Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 588.
  5. 2 Tim. 2,8.
  6. Wappen Schmiterlow: das Wappen der Großmutter von Katharina Calen mütterlicherseits, Dorothea Schmiterlow, verheiratet mit Peter Schwarz. Vgl. Scheffel, Vitae, S. 77.
  7. Lange, Vitae Pomeranorum, S. 54, 311.
  8. Schönrock, Strukturen, S. 23f., 28; Schönrock, Universitätsbauten, S. 15.
  9. Scheffel, Vitae, S. 77; vgl. UB Greifswald, Vitae Pomeranorum, Bd. 106 (Hochzeitsgedicht). Bd. 74, der ein Trauergedicht enthielt, ist nicht erhalten.
  10. StA Greifswald, Rep. 3 Nr. 28, Bl. 19v (Bürgerrecht zwischen 18. Januar und Ostern 1594); Pyl, Genealogien 2, S. 354. Der Hinweis in StA Greifswald, Grundstückschronik, Straße der Freundschaft (seit 1990 wieder Lange Str.) 65/67, auf den im Jahr 1615 durch Joachim Tide getätigten Verkauf seines Hauses lässt sich nicht überprüfen, da der angeführte Quellennachweis (StA Greifswald, Rep. 3 Nr. 146, 1593–1620, Bl. 534) offenbar fehlerhaft ist.
  11. So jedenfalls Lange, Vitae Pomeranorum, S. 342.

Nachweise

  1. Dähnert, Denkmale, S. 289 (Nr. V, B).
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 588 (B).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 314 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0031409.