Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 209 St. Nikolai 1501

Beschreibung

Grabplatte für Lorenz Bokholt. Kalkstein. Die hochrechteckige Platte befindet sich noch an ihrer ursprünglichen Stelle im Ziegelfußboden der Bokholt’schen Kapelle am fünften Joch des südlichen Seitenschiffs.1) Beim Umbau zur Beichtkapelle im 18. Jahrhundert wurde, um das Fußbodenniveau zu senken, das Gewölbe der darunter liegenden Gruft gekappt und die Platte mit Eisenträgern unterfangen. Ein feiner Riss im unteren Viertel geht vermutlich auf diese Behandlung zurück. Die Inschrift an drei Seiten umlaufend zwischen Eckrosetten, erhaben in vertiefter Zeile, kreisförmige i-Punkte. In der Plattenmitte in einer kreisförmigen Vertiefung ein Wappenschild, darunter auf dem Kopf stehend ein Bischofsstab als Besitzzeichen der Nikolaikirche, das durch Meißelschläge ungültig gemacht wurde. An der linken Langseite nicht mehr lesbare Reste einer älteren, ehemals umlaufenden Inschrift.

Maße: H. 193 cm, Br. 109 cm. Bu. 10 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 77, Nr. 209 - Greifswald, St. Nikolai - 1501

 Jürgen Herold [1/1]

  1. A(n)no d(omi)ni ˑ M ˑ d ˑ i ˑ ip(s)o ˑ die ˑ / cosme et damianj ˑ o(biit) ˑ d(omi)n(u)s laurencius boecholta) / p(re)p(osi)tus gripeswalden(sis) ˑ

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1501 am Tag (der Heiligen) Cosmas und Damian (27. September) starb Herr Lorenz Bokholt, Propst von Greifswald.

Wappen:
Bokholt

Kommentar

Wem die Grabplatte ursprünglich gewidmet war, ist durch den Verlust der älteren Inschrift nicht mehr feststellbar. Am Ende des 15. Jahrhunderts war sie im Besitz der Nikolaikirche, wie der später getilgte Bischofsstab belegt. Nach dem Tod des Propstes Lorenz Bokholt wurde sie für dessen Grabstelle in der Bokholt’schen Kapelle hergerichtet. Die ihm gewidmete Inschrift wurde in der Spätform der gotischen Minuskel ausgeführt. Das Geburtsjahr von Lorenz Bokholt, Sohn des gleichnamigen Bürgermeisters, ist unbekannt. Nach dem Tod des Vaters 1417 stand er unter der Vormundschaft u. a. seines Bruders Otto, mit dem er sich das Erbe teilte. Im Juni 1437 wurde er an der Universität Rostock, die gerade nach Greifswald verlegt worden war, immatrikuliert.2) 1454 erhielt er eine Vikarie an der Kapelle des Georgenhospitals. Bei der Gründung der Greifswalder Universität 1456, an der er als Baccalaureus des Römischen Rechts immatrikuliert wurde, erlangte er drei Benefizien, darunter eine Vikarie am Hochaltar der Gertrudenkapelle mit der Verpflichtung, als Extraordinarius Vorlesungen über Römisches Recht zu halten. Ordentlicher Professor wurde er 1461. Den Grad eines Magister artium erlangte er 1465. In diesem Jahr wurde er zum Lizentiaten, 1482 zum Doktor des Kanonischen Rechts promoviert. 1484 wählte ihn die Juristische Fakultät zum Dekan. Im Kollegiatkapitel der Nikolaikirche bekleidete er ab 1457 das Amt des Thesaurars. 1483 wurde er Greifswalder Propst, danach Subkonservator (1484), Vizekanzler (1488) und zweimal Rektor der Universität (1484, 1488). Er starb in hohem Alter an der Pest.3)

Textkritischer Apparat

  1. Es folgt ein Blatt als Zeilenfüller.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Nikolai, Nr. 232. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Nikolai, Nr. 322.
  2. Matrikel Rostock 1, S. 57.
  3. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 817–819.

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 344, 819.
  2. Magin, Leuchten, S. 74, Anm. 30.

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 209 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0020900.