Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 153(†) Pommersches Landesmuseum 1499

Beschreibung

Grabplatte für den Eldenaer Abt Lambert von Werle. Kalkstein. Drei Bruchstücke der ehemals hochrechteckigen Platte im Lapidarium.1) Bei der Säuberung der Eldenaer Kirchenruine in den Jahren 1828 bis 1830 wurden insgesamt sieben größere und kleinere Fragmente dieser Platte gefunden und 1843 in die Nordwand der Sakristei links neben den Durchgang zum südlichen Querflügel in die Wand eingelassen.2) Erhalten hatten sich ein großes Stück beinahe der gesamten unteren Plattenhälfte, zwei mittelgroße Stücke mit der linken oberen Ecke und einem Teil aus der Mitte der oberen Hälfte sowie die rechte obere Ecke, die in etliche kleinere Teile zerbrochen war. Beim Zusammensetzen blieben nur drei größere Fehlstellen in der oberen Plattenhälfte offen, von denen eine – in der Mitte des oberen Plattenrandes – durch das Bruchstück einer anderen Platte ergänzt wurde. Im Zusammenhang mit dem Einbau einer Bühne nahm man die Platte 1969 aus der Wand und lagerte die Teilstücke ungeschützt an der Südseite der Chorwand auf dem Erdboden. Bei ihrer Überführung ins Pommersche Landesmuseum Mitte der 1990er Jahre konnten nur noch drei größere, stark verwitterte Fragmente – die linke und rechte untere Ecke sowie ein randloses Stück aus dem oberen Drittel – geborgen werden.3) Die Beschreibung der Platte erfolgt daher ebenso wie die Wiedergabe der Inschriften nach einem Foto des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege. Inschrift A zwischen einfachen Linien außen umlaufend, i soweit erkennbar mit Punkten. In den Ecken Medaillons mit den Symbolen der Evangelisten, die leere Spruchbänder halten. Im Innenfeld die Ritzzeichnung des Verstorbenen im Abtshabit unter einer von Säulen getragenen Bogenarchitektur, mit der rechten Hand den Abtsstab, mit der linken ein Beutelbuch haltend. Die obere Kopfhälfte war schon beim Auffinden der Fragmente verloren. An der rechten Seite der Figur verläuft ein Spruchband mit Inschrift B. Rechts unten die inzwischen stark verwitterte Darstellung eines Hündchens, auf einem Schriftband sein Name (C). Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile. Der Hintergrund der Buchstaben und der Darstellungen war mit einer vermutlich dunklen Masse ausgefüllt. Die Inschriften B und C sind eingehauen.

Inschriften nach Foto LAKD, Abteilung Archäologie und Denkmalpflege, Schwerin.

Maße: Bu. 6 cm (A), 3 cm (C).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien (A), frühhumanistische Kapitalis (B, C).

DI 77, Nr. 153 - Greifswald, Pommersches Landesmuseum - 1499

 Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Abteilung Archäologie und Denkmalpflege, Schwerin, Fotosammlung [1/1]

  1. A

    Anno d(omi)n[i] M ˑ vc ˑ Jn / Jubileo xij k(a)l(end)as Januarij o(biit) d(omi)n(u)s (lam)bertus de werle(n) ˑ / xxxij(us) abbas Jn hilda q(ui) cuṃ / dece(m) a(n)nis (m)i(nus)a) sex me(n)sib(us) rex(e)ra[t - - - ] d(omi)numb) orate p(ro) eo

  2. B

    MISEREMINI MEI SALTEM VOS [AMICI] MEI4)

  3. C

    AIAX

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1500, dem Jubeljahr, am 12. Tag vor den Kalenden des Januar (21. Dezember 1499) starb Herr Lambert von Werle, zweiunddreißigster Abt in Eldena, der sechs Monate weniger als zehn Jahre (dieses Kloster) regierte (...) den Herrn. Betet für ihn. (A)

Habt doch wenigstens ihr, meine Freunde, Erbarmen mit mir. (B)

Kommentar

Inschrift A zeigt die gitterartige Spätform der gotischen Minuskel. a ist kastenförmig. Die e-Balken sind schräg, oft auch geschwungen und ohne Berührung zum Schaft ausgeführt, in beiden Varianten häufig über den Bogen hinaus verlängert. Die oberen Schaftenden des u sind nach außen abgeschrägt. Am Wortende laufen i, m und n in einen nach rechts gebogenen Zierstrich aus. Die konturiert gehauenen Oberlängen von b, h und l sind keilförmig verbreitert. Alle Wortanfänge auf i wurden als Versalien in Form einer geschwungenen I longa ausgeführt.

Lambert von Werle entstammt einer wahrscheinlich aus Werl bei Soest eingewanderten Ratsfamilie. 1477 erstmals als Mitglied des Eldenaer Konvents erwähnt, wurde er 1486 zum Abt gewählt, jedoch von dem Gegenkandidaten Gregor Groper verdrängt. Nach der Absetzung Gregor Gropers im Herbst 1490 wurde Lambert erneut gewählt und übte als zweiunddreißigster Abt diese Würde bis zu seinem Tode aus.5)

Textkritischer Apparat

  1. (m)i(nus)] i gefolgt von us-Kürzel.
  2. d(omi)num] deum Pyl.

Anmerkungen

  1. Pommersches Landesmuseum, Inv.-Nr. G9.
  2. Ackeley, Eldena, Abbildung.
  3. Herold, Äbte, S. 360.
  4. Iob 19,21.
  5. Pyl, Eldena, S. 157–161; Ackeley, Eldena, S. 29–32.

Nachweise

  1. Kirchner, Grabsteine Eldena, Teil 2, S. 151f.
  2. Pyl, Eldena, S. 155–161, 738.
  3. N. N., Grabsteinkunst, S. XVI, Tf. 10.
  4. LAKD, Abteilung Archäologie und Denkmalpflege, Schwerin, Fotosammlung

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 153(†) (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0015306.