Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 151 St. Nikolai 1483, 1633

Beschreibung

Grabplatte für Johannes Parleberg (A) und Berendt N. N. (B). Kalkstein. Hochrechteckige Platte im dritten Joch des nördlichen Seitenschiffs. Die linke Hälfte ist durch den Kanzelaufgang verdeckt.1) An der oberen Schmalseite und im oberen Bereich der rechten Langseite sind Reste der ehemals umlaufenden Inschrift A für Johannes Parleberg erhalten. Im Innenfeld oben Inschrift B für Berendt N. N. Die Zeilenanfänge sind vom Kanzelaufgang verdeckt, ebenso die linke Seite eines zugehörigen Wappenschildes mit der Schildzeichnung. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, B ist eingehauen.

Inschrift A ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 221 cm, Br. 81 cm. Bu. 6 cm (A), 5 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A), Kapitalis (B).

DI 77, Nr. 151 - Greifswald, St. Nikolai - 1483, 1633

 Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    [ - - - iohan]nes ˑ parlebherg / [hic] vicarius ˑ et ˑ p(re)pos[itus]

  2. B

    [ - - - ] VND BEGREB/[ - - - ]T BERENDT / [ - - - ]VEN VND / [ - - - ] ERBEN / [ - - - ] 1633a)

Übersetzung:

(...) Johannes Parleberg, hier Vikar und Propst. (A)

Kommentar

Inschrift A, noch in der älteren Form der gotischen Minuskel, ist das jüngste datierbare Beispiel dieser Schriftart auf Greifswalder Grabplatten.

Johannes Parleberg (A) war der Sohn des Stralsunder Ratsherrn Arnold Parleberg († 1476) und der Mynteke Liskow. Im Zuge der Universitätsgründung 1456 siedelte er nach Greifswald über und wurde im Oktober als Magister immatrikuliert. Bei der Gründung des Kollegiatkapitels von St. Nikolai war er 1457 einer der Ersten, die eine große Präbende erhielten. Die Artistenfakultät der Universität wählte ihn im selben Jahr zum Dekan. Zur gleichen Zeit wurde er zum Baccalaureus des Römischen, 1461 auch des Kanonischen Rechts, kurz darauf zum Lizentiaten des Römischen Rechts promoviert. 1466 berief man ihn auf eine ordentliche Professur für Römisches Recht und wählte ihn zum Rektor. Dieses Amt übte er später noch dreimal – 1476, 1478 und 1482 – aus. 1468 zum Doktor des Römischen Rechts und 1475 auch zum Lizentiaten des Kanonischen Rechts promoviert, wurde ihm im Jahr darauf die Erste Professur der Juristenfakultät übertragen. 1474 wurde er zum Propst von Greifswald gewählt. Zwei Jahre zuvor hatte er auch ein Kanonikat in Stettin (Szczecin) erlangt. Johannes Parleberg war außerdem Vizekanzler und Subkonservator der Universität, Rat Herzog Bogislaws X. von Pommern und Syndikus des Camminer Domkapitels. Er starb am 9. Juli 1483.2) 1633 ging die Grabplatte an Berendt N. N. über (B), dessen Identität sich nicht klären lässt, da Nachname und Wappen vom Kanzelaufgang verdeckt sind.

Textkritischer Apparat

  1. Ergänzungsvorschlag für die gesamte Inschrift: [DIESER STEIN] VND BEGREB/[NIS GEHORE]T BERENDT / [ - - - ]VEN VND / [SEINEN] ERBEN / [ANNO] 1633.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Nikolai, Nr. 25. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Nikolai, Nr. 154.
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 813–817. Vgl. auch Theodor Pyl, Parleberg, Johann, in: ADB 25, S. 176f.

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 412 (A), 474 (B).
  2. Magin, Leuchten, S. 73, Anm. 25 (A).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 151 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0015102.