Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 140 St. Marien 1458, 1603, 1671, 1703

Beschreibung

Grabplatte für Johannes Erich (A), Abraham Elver (B), Matthäus Tabbert (C) und Jakob Witton (D, E). Kalkstein. Hochrechteckige Platte zwischen dem vierten und fünften Joch des nördlichen Seitenschiffs.1) Eine Bruchkante unterhalb der oberen Schmalseite verläuft über die gesamte Plattenbreite. Die rechte obere Ecke fehlt. Inschrift A für Johannes Erich, zwischen einfachen Linien umlaufend, ist nur noch an der rechten Langseite teilweise lesbar. In den Ecken Medaillons mit den Evangelistensymbolen. In der oberen Hälfte des Innenfeldes zwei abgetretene oder ausgemeißelte Inschriften und ein ebensolches Wappen. Direkt unterhalb der Plattenmitte Inschrift B für Abraham Elver. Unmittelbar darüber eine Hausmarke (H47). Am unteren Rand des Innenfeldes auf dem Kopf stehend Inschrift C für Matthäus Tabbert. Den Raum zwischen B und C nimmt Inschrift D für Jakob Witton ein. Am linken Rand des Innenfeldes im oberen Drittel der Platte für denselben die Initialen E. Darunter rechts auf dem Kopf stehend Nummerierung F. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, B erhaben in vertieftem Feld, die übrigen eingehauen.

Inschrift A ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 264 cm, Br. 155 cm. Bu. 8 cm (A), 7,5 cm (B), 5 cm (C), 5,5 cm (D), 9,5 cm (E).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A), Kapitalis (B, E), mit Versalien (C, D).

DI 77, Nr. 140 - Greifswald, St. Marien - 1458, 1603, 1671, 1703

 Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    [ - - - ] et ˑ henny[ng] e[rik orate deum] ˑ pro ˑ eo et ˑ eius ˑ vxore

  2. B

    HIER VNDER LICHT BEGRABEN / HER ABRAH[AM] ELVER VND GEHO/RET DIESER STEIN IHME VND SEI/NEN ERBEN A(NN)O 1603

  3. C

    NUNC VERO / D(OMINI) MATTHHEI TABERTI S(ACRO)S(ANCTAE) THEOL(OGIAE) / PROFESSOR(IS) ORDIN(ARII) ET ECCLESIAE HVIVS / PASTORIS ET HAEREDVM / ANNO MDCLXXI .

  4. D

    DIESER STEIN VND BEGREBNIS / GEHORET ITZO JACOB WITTON / VND SEINEN ERBEN ANNO 1703

  5. E

    I Wa)

  6. F

    50

Übersetzung:

(...) und Henning Erich. Betet zu Gott für ihn und seine Ehefrau. (A)

Nun aber (Besitz) des Herrn Matthäus Tabbert, ordentlicher Professor der hochheiligen Theologie und Pfarrer dieser Kirche, und (seiner) Erben. Im Jahr 1671. (C)

Kommentar

Bei dem von Inschrift A genannten Henning Erich muss es sich um den Stammvater dieser Ratsfamilie handeln, den 1457/58 verstorbenen Johannes Erich, und nicht, wie Pyl annahm, um dessen Sohn Henning, Bruder des 1510 verstorbenen Bürgermeisters Johannes Erich. Darauf weisen die Schriftmerkmale, die noch keinen Einfluss der Spätform der gotischen Minuskel erkennen lassen. Johannes Erich war gemeinsam mit Konrad (Kurt) Putlist Provisor der Nikolaikirche (Kat.-Nr. 123) und wurde 1442 in den Greifswalder Rat aufgenommen. Er war zweimal verheiratet, zuerst mit Tilseke Sutebotter, dann mit Taleke Pederow.2) Seine Ururenkelin Barbara, Tochter des Ratsherrn Joachim Erich3) und der Anna Völschow, heiratete 1580 Abraham Elver d. Ä., an den die Platte 1603 auf dem Erbweg gelangte (B). Zwei abgetretene Inschriften belegen für die Zwischenzeit weitere Besitzwechsel, für die anzunehmen ist, dass sie im Erbgang innerhalb der Familie Erich erfolgten. Abraham Elver wurde 1591 Ratsherr und Beisitzer des Stadtgerichts, legte diese Ämter aber spätestens 1594 nieder und wurde herzoglicher Amtshauptmann von Eldena.4) Wann er starb, ist nicht bekannt. Ob die Jahreszahl in seiner Inschrift auch das Todesjahr oder nur das Jahr der Inbesitznahme bezeichnet, muss offen bleiben. Vermutlich hatte er sich die Platte mit der darunter befindlichen Grabstelle für sein eigenes Begräbnis reserviert und noch zu Lebzeiten vorsichtshalber eine Grabbezeugung anbringen lassen. Wahrscheinlich um die gleiche Zeit erwarb er eine weitere Grabplatte in der Marienkirche (Kat.-Nr. 37). Beide Platten gingen 1671 an den Theologieprofessor und Pfarrer von St. Marien Matthäus Tabbert über (C), der Abrahams Enkelin Barbara (1636–1726), Tochter seines gleichnamigen Sohnes († 1669), 1656 geheiratet hatte.5) 1703 kam die Platte in den Besitz des Sandkramers und späteren Ratsherrn (1723–1739) Jakob Witton (D, E), der sich 1694 mit Katharina Tetzloff vermählt hatte.6) Zwischendurch oder später war die Grabplatte im Besitz der Marienkirche (F).

Textkritischer Apparat

  1. I W] Für ‚Jakob Witton‘.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 151. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 129.
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 577; Pyl, Genealogien 5, S. 267f. (Nr. 271), S. 290f. (Nr. 301).
  3. Siehe Kat.-Nr. 174.
  4. Lange, Vitae Pomeranorum, S. 84.
  5. Siehe Kat.-Nr. 37.
  6. Gesterding, Erste Fortsetzung, S. 138 (Nr. 53); Pyl, Genealogien 5, S. 188 (Nr. 549); Schubert, Trauregister 9, S. 31 (Nr. 259).

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 577 (A), 578f. (B, C), 595 (D).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 140 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0014009.