Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 139 Greifswald-Eldena, Zisterzienserkloster St. Marien 1458

Beschreibung

Grabplatte für den Abt Dietrich von Eldena. Kalkstein. Erhalten ist die untere Hälfte der ehemals hochrechteckigen Platte, seit 1843 in der südlichen Chorwand eingemauert. Die untere Kante ist mit der dort verlaufenden Schriftzeile durch das spätere Auffüllen des Erdreichs vor der Wand verdeckt. Oben weist die Platte eine schräg verlaufende Bruchkante auf. Das Fragment ist mit einem anderen, etwa gleich großen Bruchstück, das 1844 aus Wolgast in die Klosterruine gebracht worden war, zusammengesetzt.1) Die ehemals umlaufende, erhaben in vertiefter Zeile ausgeführte Inschrift auf dem Fragment für den Abt Dietrich wird nach außen von einer einfachen Linie begrenzt. In den Ecken Medaillons mit den Symbolen der Evangelisten, die Spruchbänder halten, auf denen jedoch keine Schriftzüge erkennbar sind. Im Innenfeld die stark abgetretene, nur noch auf der unteren Hälfte des Fragments erkennbare Ritzzeichnung mit der Darstellung des Verstorbenen in einem bodenlangen Gewand und mit Abtsstab. Zu beiden Seiten der Figur Säulen als Träger der mit dem oberen Teil der Platte verlorenen Bogenarchitektur.

Die Annahme, die Grabplatte sei zwischenzeitlich in die Kirche von Wolgast (Ldkr. Vorpommern-Greifswald) gelangt und um 1840 mit anderen Grabplatten und Fragmenten nach Eldena zurückgebracht worden, kann nicht zutreffen.2) Sie muss sich noch bis 1732 in der Klosterruine befunden haben, da Albert Georg Schwarz in seiner Historia den Anfang der Inschrift mitteilte.3) Wahrscheinlich befand sich die Platte nicht in dem Teil der Klosterkirche, der im Zuge der ersten Aufräumarbeiten um 1830 hergerichtet worden war, denn Kirchner war sie 1836 noch nicht bekannt, sondern kam erst zutage, als man 1843 auch den Ostflügel in das Baudenkmal einbezog.

Maße: H. 144 cm, Br. 130 cm. Bu. 7,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 77, Nr. 139 - Greifswald-Eldena, Zisterzienserkloster St. Marien - 1458

 Jürgen Herold [1/1]

  1. [ - - - ]a) / k(a)l(end)as ˑ octob(ri)s ˑ o(biit) ˑ d(omi)n(u)s theodẹṛicus / vicesim(us) octauus / abbas in hilda cuiu[s - - - ]b)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1458 (...) Kalenden des Oktober starb Herr Dietrich, achtundzwanzigster Abt in Eldena. Seine (...).

Kommentar

Herkunft und Lebensverhältnisse Dietrichs liegen im Dunkeln. Er wurde Nachfolger des 1456 seiner Abtswürde enthobenen Sabellus Crugher, starb aber bereits zwei Jahre später im Oktober 1458.4)

Textkritischer Apparat

  1. Pyl ergänzt nach UB Greifswald, MS 390 (Dreger/Schwarz, Historia) Anno domini M° CCCC° LVJJJ°.
  2. Es folgte eine Fürbittformel im Sinne von ‚cuius anima requiescat in pace‘.

Anmerkungen

  1. Herold, Äbte, S. 359. – Von dieser Inschrift hat sich nur der Anfang erhalten: Anno ˑ domini ˑ m ˑˑ cccc.
  2. Pyl, Eldena, S. 150.
  3. UB Greifswald, MS 390 (Dreger/Schwarz, Historia), Bl. 21. Die Blätter 19 bis 24 sind verloren, der von Schwarz überlieferte Anfang der Inschrift wird zitiert bei Pyl, Eldena, S. 150.
  4. Pyl, Eldena, S. 150, 456, 561.

Nachweise

  1. Kirchner, Pommersche Inschriften, S. 155f.
  2. Pyl, Eldena, S. 150.
  3. Haselberg, Kreis Greifswald, S. 77.

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 139 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0013903.