Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 127 St. Jacobi M.14.–M.15.Jh., 1583, 1594, 1583–1603

Beschreibung

Grabplatte für Barbara Bolves (B), Joachim Brunnemann (D) und seine Ehefrau Katharina (C). Kalkstein. Die hochrechteckige Platte steht im ersten Joch des nördlichen Seitenschiffs an der Außenwand.1) Die äußere Schriftleiste der doppelt umlaufenden Inschrift A wird von zwei Linien gerahmt, in den Ecken Medaillons mit den Evangelistensymbolen. Die innere Schriftleiste ohne Rahmenlinien nach innen. Beide Schriftbänder sind stark abgetreten und durch jüngere Inschriften beeinträchtigt. Lesbar sind sie nur noch beiderseits des Eckmedaillons in der rechten unteren Ecke sowie an der rechten Langseite oberhalb der Plattenmitte zwischen den Inschriften D und C. An der oberen Schmalseite querlaufend Inschrift B für Barbara Bolves, in der Mitte stellenweise abgetreten. Verfärbungen und Mörtelreste weisen darauf hin, dass dieser Bereich der Platte bis einschließlich der ersten Zeile der darunter folgenden zweizeiligen Inschrift D für Joachim Brunnemann an ihrem früheren Standort vor dem Chor durch Bauwerksteile verdeckt war.2) Unterhalb von Inschrift D ein Wappenschild mit einer Hausmarke (H9), darunter die ebenfalls querlaufende Inschrift C für Katharina Brunnemann. Die Inschriften A und C erhaben in vertiefter Zeile, B und D erhaben in vertieftem Feld.

Inschrift A ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 221 cm, Br. 112 cm. Bu. 6–7 cm (A), 3,5–4 cm (B), 5 cm (C), 5,5 cm (D).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A), Mischschrift aus gotischer Minuskel und Fraktur (B), mit Kapitalis (C), Kapitalis mit Versalien (D).

DI 77, Nr. 127 - Greifswald, St. Jacobi - M.14.–M.15.Jh., 1583, 1594, 1583–1603

 Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    [ - - - ]ụo ˑ die [johannis ap]ostoli (et)a) ew/angelisṭẹ ọ(biit) // [ - - - ]e[..]eṛ[ - - - ] [nati]uitatis (christ)ib) / o(biit) ˑ [ - - - ] / [.....]e[ - - - ]

  2. B

    Anno 1583 den 8 Janvari ist Barbara / Bolves Siṃ[on] Ḅṛṿṇẹmans eheligẹ / hvsfrvwe in [ - - - ] ihesv entslapen vn(de) alhie begrac)

  3. C1

    Catharina Hern Jochim Brvnnemans / ehelige havsfrawe Jn Jhesv Christo Selig/lig entslapen liegṭ ḥirvnder begraven / Anno [1]5̣9̣4 den 26 IVLII

  4. C2

    Jesvs Christvs vorliene Ehr vnd vns / semptlig eine Vroeliege vperstandinge / thom Ewigen Levende / Amen

  5. D

    SEPVLCHR(VM) HAEREDITARIVM IOCHIMI / BRVNNEṂẠṆ ỌṚḌỊNIS SENATORII

Übersetzung:

(...) am Tag des Apostels und Evangelisten Johannes starb (...) der Geburt Christi starb (...). (A)

Jesus Christus verleihe ihr und uns allen eine fröhliche Auferstehung zum ewigen Leben. Amen. (C2)

Erbbegräbnis des Joachim Brunnemann vom Ratsherrenstand. (D)

Wappen:
Brunnemann

Kommentar

Die unten stumpf endenden i der gotischen Minuskel von Inschrift A sind auf datierten Greifswalder Grabplatten nur bis 1427 nachzuweisen (Kat.-Nr. 116). Dies bietet den einzigen Anhaltspunkt für eine Datierung, die somit nicht enger als von der Mitte des 14. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts einzugrenzen ist.

Da diese Inschrift nur noch fragmentarisch erhalten ist, lassen sich die ursprünglichen Besitzer der Platte nicht mehr feststellen.

Im Jahr 1583 wurde darunter Barbara Bolves, die Ehefrau von Simon Brunnemann, bestattet (B). In welchem verwandtschaftlichen Verhältnis Simon zu Joachim Brunnemann (D) stand, ist nicht bekannt. Joachim Brunnemann war der Sohn des Provisors der Jacobikirche Nikolaus Brunnemann. Geboren 1548 erlangte er 1568 das Bürgerrecht. Er war Provisor der Jacobikirche und des Georgenhospitals. 1583 erfolgte seine Aufnahme in den Rat, 1595 wurde er Stadtkämmerer, 1598 Bürgermeister. Seit 1584 war er außerdem Prokurator (Schatzmeister) der Universität, für die er testamentarisch 1601 ein Stipendium stiftete. Er starb am 29. Juli 1603. Joachims Inschrift ist, da er darin als Ratsangehöriger erwähnt wird, in den Zeitraum zwischen seiner Aufnahme in dieses Gremium und seinem Todesjahr zu datieren. Dass die Grabstelle mit dem Tod von Barbara Bolves an ihn überging und er infolgedessen zusammen mit Inschrift D auch B hatte anbringen lassen, ist nicht auszuschließen. Ihm gehörte eine weitere Grabplatte mit der gleichen Inschrift in der Jacobikirche (Kat.-Nr. 38). Katharina Bolen, der Inschrift C gewidmet ist, war Joachims zweite Ehefrau und eine Tochter von Jakob Bolen und Gertrud Vicke. Zuvor war Joachim Brunnemann mit Barbara Wulf, nach Katharinas Tod noch zwei weitere Male, mit Margarete Bünsow und Regina Völschow, verheiratet.3)

Textkritischer Apparat

  1. (et)] Tironisches et, z-förmig mit durchstrichenem Schaft.
  2. (christ)i] xpi.
  3. begra] Die Inschrift bricht ab, das vollständige Wort wäre begraven.

Anmerkungen

  1. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Jacobi, Nr. 7.
  2. Hierauf verweist auch der Umstand, dass Pyl Inschrift B nicht erwähnt und die obere Zeile von D nur erschlossen hat.
  3. Pyl, Genealogien 5, S. 374 (Nr. 420). Joachims erste Ehefrau Barbara Wulf war eine Tochter von Henning Wulf; die dritte, Margarete Bünsow eine Tochter von Joachim Bünsow und Margarete Stilow (Tochter des Ratsherrn Henning Stilow, † 1543); die vierte, Regina Völschow, war die Tochter des Ratsherrn Joachim Völschow († 1597), die sich nach Joachim Brunnemanns Tod mit dem Bürgermeister Christian Schwarz († 1648) vermählte. Zu Regina Völschow siehe auch das Epitaph der Familie Schwarz in der Nikolaikirche (Kat.-Nr. 426).

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 654 (A), 655 (D, C).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 127 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0012706.