Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 125 St. Nikolai 1.H.15.Jh., 1450, 1711

Beschreibung

Grabplatte für Johannes Nienkerken (B) und Michael Ruwold (C). Kalkstein. Von der ehemals hochrechteckigen Platte sind ein kürzeres Fragment vom oberen Drittel der Platte sowie ein längeres vom unteren erhalten. Das Mittelstück fehlte bereits im 19. Jahrhundert, als die beiden Teilstücke im vierten und fünften Joch des nördlichen Seitenschiffs lagen. Heute befinden sich beide an verschiedenen Stellen im vierten Joch.1) Die älteste, ursprünglich umlaufende Inschrift ist vollständig abgetreten. Später wurde an ihr innen entlang, zunächst nur an der rechten Langseite, eine zweite Schriftleiste (A) hinzugefügt, von der nur noch der Anfang lesbar ist. Über dem Zeilenende die Ritzzeichnung eines Bischofsstabes als Besitzzeichen der Nikolaikirche. Die drei übrigen Seiten der inneren Schriftleiste zeigen, unten beginnend, die noch überwiegend lesbare Inschrift B für Johannes Nienkerken. Im Innenfeld die Ritzzeichnung des Verstorbenen unter einem Vierpassbogen, der zwischen Säulen gespannt ist, die nach oben als Türmchen fortgeführt werden. Im unteren Drittel des Innenfeldes Inschrift C für Michael Ruwold. An der oberen Schmalseite Nummerierung D. Die Inschriften A und B erhaben in vertiefter Zeile,2) C und D sind eingehauen.

Inschrift A ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 82 cm (oberes Teilstück), 111 cm (unteres Teilstück), Br. 140 cm. Bu. 5 cm (A), 7 cm (B), 5,5 cm (C).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A), mit Versalien (B), Kapitalis mit Versalien (C).

DI 77, Nr. 125 - Greifswald, St. Nikolai - 1.H.15.Jh., 1450, 1711

 Jürgen Herold [1/3]

  1. A

    [ - - - a(n)te ˑ d(omi)ni(c)a(m)] ˑ re[mi(ni)sce(re)] ˑ o(biit) [ - - - ]

  2. B

    A(n)no ˑ d(omi)ni ˑ M ˑ cccc ˑ l ˑ in die sa(n)cti / nicolai obiit d(omi)n(u)s et m(a)g(ister) ioh[ - - - ]a) [nie]nkerke(n) presbiter h(ic) / quo(n)da(m) ˑ vicari(us) ˑ or(ate) deu(m) ˑ pro ˑ eob)

  3. C

    DIESER STEIN VND BEGREBNIS / GEHÖRET . / MICHAEL RVWOLD / VND ALLEN SEINEN / ERBEN A(NN)O . 1711 .

  4. D

    119

Übersetzung:

(...) vor dem Sonntag Reminiscere starb (...). (A)

Im Jahr des Herrn 1450 am Tag des heiligen Nikolaus (6. Dezember) starb der Herr und Magister Johannes Nienkerken, Priester, hier einst Vikar. Betet zu Gott für ihn. (B)

Kommentar

Wem Inschrift A, deren Datierung auf der Schriftform und der anzunehmenden Inschriftenfolge basiert, gewidmet wurde, ist nicht bekannt. Seit 1450 bedeckte die Platte das Grab des Klerikers und Magisters Johannes Nienkerken aus einer bereits seit Beginn des 14. Jahrhunderts in Greifswald ansässigen ritterschaftlichen Familie (B). Unter dem Propst Gottfried Weggezin (1392–1413)3) wurde er Rektor der Nikolaischule. Seit 1437 ist er als Vikar der Jacobikirche bezeugt. Später erlangte er den Magistergrad und ein Vikariat an St. Nikolai. Er war Provisor der Magdalenenbruderschaft und starb am 6. Dezember 1450.4) Wie der später angebrachte Bischofsstab zeigt, kam die Platte vermutlich im 16. Jahrhundert an St. Nikolai. 1711 wurde sie von Michael Ruwold erworben (C). Nummerierung D verweist darauf, dass sie davor oder danach im Kirchenbesitz war.

Textkritischer Apparat

  1. ioh[ - - - ]] Zu ergänzen zu iohannes o. ä.
  2. Es folgt ein Blattornament als Zeilenfüller.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Nikolai, Nr. 37. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Nikolai, Nr. 140, 146.
  2. Entgegen der Angabe bei Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 409, ist Inschrift A nicht „in vertieften Minuskeln“, sondern erhaben in vertiefter Zeile ausgeführt.
  3. Siehe Kat.-Nr. 106.
  4. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 760f.

Nachweise

  1. Kirchner, Grabsteine Nikolaikirche, S. 196 (B).
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 408f., Tf. XIII (A, B), S. 662 (B).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 125 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0012502.