Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 106 St. Nikolai 1413

Beschreibung

Grabplatte für Gottfried Weggezin (A). Kalkstein. Ursprünglich trapezförmige, später zum Hochrechteck zugeschnittene Platte im vierten Joch des südlichen Seitenschiffs.1) Die linke obere Ecke ist beschädigt. Zwischen einfachen Linien umlaufend Inschrift A für Gottfried Weggezin, in den Ecken Medaillons mit den Evangelistensymbolen. Im Innenfeld die erheblich abgetretene Darstellung des Verstorbenen unter einem auf Säulen ruhenden Spitzbogen. Rechts und links in den Zwickeln über dem Bogen je ein Kreis, darin ein Kreuz. Im Bereich des Kopfes Nummerierung B unter einem griechischen Kreuz, darüber Nummerierung C. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, B und C eingehauen.

Maße: H. 193 cm, Br. 88 cm. Bu. 7 cm (A).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 77, Nr. 106 - Greifswald, St. Nikolai - 1413

 Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    Anno ˑ d(omi)ni ˑ M° cccc° / xiii° ˑ feria ˑ secunda ˑ ante ˑ festu(m) ˑ ascencionis ˑ d(omi)ni ˑ o(biit) ˑ / d(omi)n(u)s ˑ gotfridụṣ / wegghezịn(us) p(re)p(osi)tus gripeswalde(nsis) cui(us) a(n)i(m)a r(e)q(ui)escat i(n) p(ace)a)

  2. B

    3

  3. C

    53

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1413 am Montag vor dem Fest Christi Himmelfahrt (29. Mai) starb Herr Gottfried Weggezin, Propst von Greifswald. Seine Seele ruhe in Frieden. (A)

Kommentar

Gottfried Weggezin (A) war vermutlich der Sohn eines Böttchers, der ein Haus in der Fischstraße bewohnte, sowie Bruder des Eldenaer Abtes Johannes V. (seit 1374). Die beiden Brüder verkauften das väterliche Haus 1374 an Nikolaus Treptow. Im selben Jahr hatte Gottfried bereits die Priesterweihe empfangen und nahm das Amt des Pfarrers an der Jacobikirche wahr. Von Nikolaus Treptow kaufte er 1389 eine Rente von zehn Mark auf ein Haus in der Büchstraße (heute Johann-Sebastian-Bach-Straße). Er erwarb den Magistergrad und wurde 1392 zum Greifswalder Propst ernannt. 1395 erlangte er vom Camminer Bischof für sich und die übrigen Geistlichen der Propstei das Recht, ein Birett zu tragen. Er errichtete zu Lebzeiten zwei Vikarien an der Nikolaikirche, ferner durch sein Testament eine Stiftung ad horas canonicas für fünf Priester.2) Seine Grabplatte kam später in den Besitz der Nikolaikirche (B, C).

Textkritischer Apparat

  1. Die Wiedergabe der Inschrift bei Biederstedt ist unvollständig und fehlerhaft: Anno d(omi)ni MCCCCXIII feria secunda incarnationis d(omi)ni ob(iit) dor. [wohl statt dominus] Gotfridus Wegner Grypiswald(ensis) in pace quiescat amen.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Nikolai, Nr. 241. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Nikolai, Nr. 216.
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 758–760.

Nachweise

  1. Biederstedt, Beyträge, 4, S. 5 (A).
  2. Kirchner, Grabsteine Nikolaikirche, S. 196 (A).
  3. Haselberg, Kreis Greifswald, S. 120 (A).
  4. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 406 (A).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 106 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0010607.