Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 98 St. Marien 1404, E.15.–A.16.Jh., 1629, 1697, 1766, 1772

Beschreibung

Grabplatte für Johannes „Apotheker“ (B), Peter Dargatz (C), Johann Gültzow (D), Lorenz Koch (E) und Joachim Christoph Luhde (F). Kalkstein. Hochrechteckige Platte im dritten Joch des nördlichen Seitenschiffs zwischen dem zweiten und dritten Pfeiler.1) Der rechte Rand wird vom Gestühl verdeckt. Die umlaufende Inschrift A ist nur noch an den Schmalseiten lesbar. Die Eckmedaillons mit den Evangelistensymbolen sind weitgehend abgetreten. Im Innenfeld entlang der oberen Schmalseite Inschrift B für den Apotheker Johannes. Etwa in der Plattenmitte Inschrift C für Peter Dargatz in gestaffelt zentrierten Zeilen. Darunter unmittelbar aufeinander folgend die Inschriften D für Johann Gültzow und E für Lorenz Koch. Weiter oben zwischen B und C Inschrift F für Joachim Christoph Luhde. Nummerierung G auf der Mittelachse der Platte über E. Die Inschriften A und B erhaben in vertiefter Zeile, die übrigen sind eingehauen.

Maße: H. 247 cm, Br. 120 cm (sichtbar), 142 cm. Bu. 7,5 cm (A), 8 cm (B), 5 cm (C), 6 cm (D, E), 6,5 cm (F).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (B), mit Versalien (A), Kapitalis (D), mit Versalien (C, E, F).

DI 77, Nr. 98 - Greifswald, St. Marien - 1404, E.15.–A.16.Jh., 1629, 1697, 1766, 1772

 Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    Anno ˑ d(omi)ni ˑ M° cccc[°] iiii°a) / [ - - - ] / uxor ˑ ioh(ann)is [ - - - ] / [ - - - ]

  2. B

    iohan(n)es ạp̣ọṭheckẹṛ

  3. C

    SEPVLCHRVM HAEREDITARIVM / D(OMI)N(I) PETRI DARGATZŸ I(VRIS) V(TRIVSQVE) D(OCTORIS) / ET CONSVLIS ANNO / 1629

  4. D

    IOHANN : GÜLTZOÜW / UNDT SEINNE ERBEN / ANNO 1697

  5. E

    DIESER STEIN UND BEGRÄBNI[S] / VON ZWEY LEICHEN BREIT / GEHÖRET DEM CONSISTORIAL PEDE[LL] / LORENTZ KOCH / UND SEINEN ERBEN / 1766

  6. F

    NUN MEHRO GEHÖREDT / DIESER STEIN UND BEGREBN[IS] / JOCHEN CHRISTOFFER LUHD[E] / UND SEINEN ERBEN AN(N)O 1772

  7. G

    45

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1404 (...) Ehefrau des Johannes (...). (A)

Erbbegräbnis des Herrn Peter Dargatz, Doktor beider Rechte und Ratsherr. Im Jahr 1629. (C)

Kommentar

Da die älteste Inschrift A überwiegend verloren oder vom Gestühl verdeckt ist, lässt sich nicht mehr feststellen, wem die Platte ursprünglich gewidmet war. Später kam sie in den Besitz des Apothekers Johannes (B), über den sonst nichts bekannt ist. Da seine Inschrift in einer Variante der späten Form der gotischen Minuskel ausgeführt wurde, die vom Ende des 15. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts belegt ist (Bokholt-Gruppe, siehe Einleitung, Kap. 8), kann man davon ausgehen, dass der Erwerb in diesem Zeitraum stattfand. 1626 gelangte sie an den Bürger Peter Dargatz (C). Dessen Eltern waren der gleichnamige Ratsherr († 1600) und Anna Frobose. Peter (* 11. März 1566) wurde 1584 an der Greifswalder Universität immatrikuliert und 1604 zum Doktor beider Rechte promoviert. Im selben Jahr stellte ihn der Rat als Syndikus ein. 1607 wurde er Provisor des Heilig-Geist-Hospitals und Ratsmitglied, im Jahr darauf Bürgermeister. Aus seiner Ehe mit Anna Engelbrecht, Tochter des Kaufmanns Peter Engelbrecht und der Magdalena Voss, gingen ein Sohn und zwei Töchter hervor. Peter Dargatz starb am 26. April 1631.2) 1697 ging die Platte in den Besitz von Johann Gültzow über (D).3) 1766 kam sie an Lorenz Koch (E), 1772 an Joachim Christoph Luhde (F). Zwischenzeitlich, vermutlich bevor sie von Lorenz Koch erworben wurde, gehörte sie der Marienkirche (G).

Textkritischer Apparat

  1. Als Zeilenfüller folgt eine Blume.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 130. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 155.
  2. Pyl, Genealogien 5, S. 386 (Nr. 443); Gesterding, Erste Fortsetzung, S. 213 (Nr. 15).
  3. Nach Gesterding und (diesem folgend) Pyl war Johann Gültzow mit Anna Gruwel, Witwe des 1612 verstorbenen Martin Simensdorf, verheiratet, die 1617 in den Besitz einer Grabplatte in der Marienkirche (Kat.-Nr. 328) kam. Da jener Johann Gültzow aber bereits 1629 starb (Lange, Vitae Pomeranorum, S. 127), ist auszuschließen, dass es sich bei ihm, wie Pyl annahm, um den in Inschrift D auf dieser Grabplatte genannten Besitzer handelt. Stattdessen kommt nur ein Sohn oder Enkel infrage. Vgl. Gesterding, Zweite Fortsetzung, S. 141; Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 580f.

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 440 (C), 564 (A), 570 (B), 581 (D), 599 (F), 601 (E).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 98 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0009801.