Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 93 St. Marien M.14.–A.15.Jh., um 1429, 2.V.16.Jh., 2.H.16.Jh.

Beschreibung

Grabplatte für Nikolaus Honemann (B) sowie für Jürgen (C) und Hans Stuckmann (D). Kalkstein. Hochrechteckige Platte im ersten Joch des nördlichen Seitenschiffs.1) Die beiden oberen Ecken wurden durch gerade Schnitte abgetrennt. In der Mitte zwischen einfachen Linien die heute nicht mehr lesbare, kreisförmige Inschrift A. Im Inneren des Kreises Nummerierung E. Entlang der unteren Schmalseite und der linken Langseite bis zur Höhe von A Inschrift B für Nikolaus Honemann. An der oberen Schmalseite untereinander Inschrift C für Jürgen Stuckmann und Inschrift D für Hans Stuckmann. Die Flächen zwischen der kreisförmigen Inschrift in der Mitte und den Inschriften an der oberen und unteren Schmalseite nehmen je eine Hausmarke (H29, H22) ein. Inschrift E eingehauen, die übrigen erhaben in vertiefter Zeile.

Inschrift A nach Pyl.

Maße: H. 205 cm, Br. 100 cm. Bu. 6,5 cm (A–D).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A–C), Mischschrift aus gotischer Minuskel und Fraktur (D).

DI 77, Nr. 93 - Greifswald, St. Marien - M.14.–A.15.Jh., um 1429, 2.V.16.Jh., 2.H.16.Jh.

 Jürgen Herold [1/1]

  1. A†

    hic iacet [ - - - ]

  2. B

    [Hi]c ˑ [iac]et ˑ nycolaus ˑ hone/manna) ˑ or(ate) deu(m) p(ro) eo

  3. C

    iurgen stukman

  4. D

    hans Stvcman vnd S[i]ne / Erven

  5. E

    K / 43

Übersetzung:

Hier liegt (...). (A)

Hier liegt Nikolaus Honemann. Betet zu Gott für ihn. (B)

Kommentar

Der ursprüngliche Besitzer der Grabplatte ist durch den Verlust von Inschrift A, die nur nach der Schriftart und der anzunehmenden chronologischen Abfolge der Inschriften datiert werden kann, nicht mehr feststellbar. Später bedeckte die Platte das Grab des Hökers Nikolaus Honemann, der seit 1372 im Stadtbuch nachzuweisen ist und 1429 starb (B).2) Im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts wurde die Platte von Jürgen Stuckmann, dessen Inschrift in der späten Form der gotischen Minuskel ausgeführt wurde, erworben (C). An Hans Stuckmann ging sie vermutlich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts über, was dadurch naheliegt, dass dessen Inschrift eine Mischschrift aus gotischer Minuskel und Fraktur zeigt (D). Jürgen Stuckmann war vermutlich der Sohn von Hans Stuckmann d. Ä., der 1523 ein Haus in der Fischstraße besaß.3) Jürgen wurde 1524 zusammen mit Hans Stuckmann d. J., der wohl sein Bruder war, an der Greifswalder Universität immatrikuliert.4) Ob es sich bei dem von Inschrift D Genannten um diesen Bruder oder einen Sohn Jürgens handelt, bleibt offen, da die weiteren Familienverhältnisse bisher nicht bekannt sind. Die beiden Hausmarken verweisen auf weitere Besitzwechsel der Platte. Die untere (H22) findet sich auch auf einer Grabplatte für Johannes Erich († 1559),5) weshalb anzunehmen ist, dass die Platte zwischenzeitlich im Besitz dieser Familie war. Im 18. Jahrhundert kam sie an die Marienkirche (E).

Textkritischer Apparat

  1. hone/mann] Hoveman oder Horeman Pyl.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 69. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 213.
  2. Igel, Bürgerhaus, Dokument 67101, 75106, 82102 und öfter.
  3. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 574.
  4. Ältere Matrikel Greifswald 1, S. 200.
  5. Kat.-Nr. 130.

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 563 (A), 568 (B), 574 (C, D).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 93 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0009301.