Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 63 Greifswald-Eldena, Zisterzienserkloster St. Marien 1388

Beschreibung

Grabplatte für Martin und Henning Lepel. Kalkstein. Hochrechteckige, in der Mitte gebrochene Platte. Bei der Säuberung der Kirchenruine um 1830 lag sie noch an ihrem ursprünglichen Ort im südlichen Querhaus über einem Erdgrab. 1843 wurde sie hier in die Südwand eingelassen.1) Die Inschrift zwischen einfachen Linien umlaufend, erhaben in vertiefter Zeile. In den Ecken Medaillons mit den Evangelistensymbolen, die leere Schriftbänder halten. Im Innenfeld die Ritzzeichnung der beiden Verstorbenen in ritterlicher Kleidung unter einer Doppelarkade, die auf Konsolen und einer schmalen Mittelsäule ruht. Darüber zwei gotische Baldachine. Die linke, älter wirkende Figur trägt einen Vollbart, die rechte ist bartlos, mit vollerem Haupthaar und von jugendlicher Gestalt. Beide halten jeweils mit der linken Hand ein auf die Spitze gestelltes Schwert vor der Körpermitte, die rechten Hände sind grüßend erhoben. Unten zwischen den beiden ein Vollwappen mit einem gelehnten Schild. Die Metalleinlagen der Schildfigur und der Helmzier sind verloren. Neben den Füßen der Personen jeweils ein Hündchen unter einer Ranke. Zwischen den Füßen sowie auf den oberhalb abgebildeten Gebäuden und im Zwickel zwischen den beiden Bögen insgesamt sechs Kreise. In fünf Kreisen ein griechisches Kreuz, in demjenigen zwischen den Bögen ein Dreipass.

Maße: H. 263 cm, Br. 138 cm. Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 77, Nr. 63 - Greifswald-Eldena, Zisterzienserkloster St. Marien - 1388

 Jürgen Herold [1/3]

  1. Anno ˑ d(omi)ni ˑ M° ˑ ccc° ˑ lxvi° ˑ feria ˑ s(e)c(un)da / post d(omi)nica(m) ˑ qua canit(ur) letare ˑ obiit martin(us) l[ep]el ˑ armiger orate deu(m) ˑ pro a(n)i(m)a ˑ ei(us) / Anno ˑ d(omi)ni ˑ M° ˑ ccc° ˑ lxxxviii° i(n) p(ro)festoa) / beator(um) ˑ viti (et)b) modesti ˑ m(ar)t(i)r(um) o(biit) ˑ d(omi)n(u)s henni(n)ghus lepel ˑ miles frater ˑ ei(us) ˑ orate ˑ deu(m) ˑ pro eo

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1366 am Montag nach dem Sonntag, an dem das Lätare gesungen wird (16. März), starb Martin Lepel, Knappe. Betet zu Gott für seine Seele. Im Jahr des Herrn 1388 am Tag vor dem Fest der heiligen Märtyrer Vitus und Modestus (14. Juni) starb Herr Henning Lepel, Ritter, sein Bruder. Betet zu Gott für ihn.

Wappen:
Lepel

Kommentar

Martin und Henning Lepel entstammten einer wahrscheinlich aus Niedersachsen eingewanderten Familie. Die Söhne von Gerhard Lepel, Gerhard d. J. und Dietrich, sind zwischen 1251 und 1284 in Urkunden der Herzöge Barnim I. und Wartislaw III. von Pommern genannt. Die auf der Grabplatte erwähnten Brüder waren Nachkommen Dietrichs. Henning Lepel, von 1367 bis 1388 als Ritter urkundlich bezeugt, war herzoglicher Rat und Besitzer von Lassan-Vorwerk (Ldkr. Vorpommern-Greifswald). Am 5. April 1388, kurz vor seinem Tod, schloss er einen Vergleich mit dem Kloster Eldena. Sein 22 Jahre zuvor verstorbener Bruder Martin ist urkundlich nicht sicher nachzuweisen. Die Bezeichnung armiger und die jugendliche Darstellung verweisen darauf, dass er als junger Mann starb.2) Nach dem Tod Hennings wurden die Brüder in einem gemeinsamen Grab unter dieser Platte bestattet.

Textkritischer Apparat

  1. i(n) p(ro)festo] ip(so) festo Haselberg.
  2. (et)] Tironisches et, z-förmig mit durchstrichenem Schaft.

Anmerkungen

  1. Herold, Äbte, S. 359.
  2. Pyl, Eldena, S. 135–137; Hansert/Lepel, Handbuch Lepel, S. 52, Anm. 9.

Nachweise

  1. Kirchner, Grabsteine Eldena, Teil 1, S. 347–349.
  2. Pyl, Eldena, S. 135.
  3. Haselberg, Kreis Greifswald, S. 76.
  4. Hannes, Insel Usedom, S. 61f .
  5. N. N., Grabsteinkunst, S. XIV, Tf. 6.

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 63 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0006307.