Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 61† Rathaus 1380

Beschreibung

Glocke. Die „große Schlageglocke“ stürzte während eines Stadtbrandes am 26. Juli 1736 vom Turm an der Westseite des Rathauses. Die beschädigte Glocke wurde danach wohl verkauft. Die Inschrift war in „Mönchen-Schrifft“ ausgeführt.1)

Inschriften nach StA Greifswald.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

  1. A

    Anno domini MCCCLXXX in die omnium animarum

  2. B

    Leve bole nym myner warSleit hea) sevenne so bunnb) hic to di aldarbedeit ia2) Helv Got to deme besten Amen

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1380 am Tag Allerseelen (2. November). (A)

Lieber Buhle, nimm mich wahr! Schlägt er(?) sieben, dann bin ich schon bei dir. Bittet nur ja: Hilf, Gott, zu dem Besten. Amen. (B)

Kommentar

Bei dem Spruch B auf dieser Glocke handelt es sich um die älteste datierte niederdeutsche Inschrift Greifswalds.3) Dass sie im Jahr 1738 wahrscheinlich fehlerhaft abgeschrieben wurde, lassen das nicht verständliche he sowie die sprachhistorisch nicht erklärbaren Formen hic (für ic), bedeit (für bedet) und helv (für help) vermuten. Ein ähnlicher Spruch war an einer nicht datierten Glocke der Stettiner Nikolaikirche angebracht, die als „Markt- und Ratsglocke“ diente.4)

Textkritischer Apparat

  1. he] se Emendation Pyl.
  2. bunn] Zu dieser Nebenform von bin im Ostelbischen vgl. Lasch, Grammatik, § 171.

Anmerkungen

  1. Die Glocke war ohne Krone etwa 114 cm hoch, ihr Durchmesser betrug etwa 138 cm, sie wog ca. 1360 kg. Alle Angaben nach einem Blatt in StA Greifswald, Rep. 5 Nr. 5586, Bd. 1 (ohne Blattzählung), Aufzeichnung vom 13. Januar 1738, Höhe der Glocke danach ohne (...) Gehäng 2 Ell weniger 1 Zoll, Durchmesser 2 Ell 1½ Quartir, Gewicht 3030 Pfund. Vgl. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 186f., mit weiteren Angaben zum Rathausturm; Pyl, Eldena Nachtrag, S. 63. Zum Brand des Jahres 1736 Wächter, Schwedenzeit, S. 93.
  2. Zu diesem Spruch vgl. den Kommentar.
  3. Für Hinweise zu dieser Inschrift danken wir Dr. Robert Peters, Münster.
  4. Lever Bole nim miner wahr, Wen et seven sleit so vindestu mi aldahr. He sprack: Ja (Lemcke, Straßennamen, S. 62). Lemcke sieht in dem ‚Buhlen‘ der Inschrift Christus.

Nachweise

  1. StA Greifswald, Rep. 5 Nr. 5586, Bd. 1 (ohne Blattzählung).
  2. Pyl, Eldena Nachtrag, S. 63.
  3. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 186, Anm. 2.

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 61† (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0006103.