Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 58 St. Marien 1377, um 1500, 1628, 1684

Beschreibung

Grabplatte für Johannes Ludeke (B), Johannes Olthoff (C) und Kaspar Hertel (D). Kalkstein. Hochrechteckige Platte in der nördlichen Turmseitenhalle.1) Außen umlaufend ein Rahmen aus zwei parallelen Linien zwischen Eckmedaillons mit den Evanglistensymbolen. Inschrift A erstreckt sich darin am oberen und rechten Rand. Die beiden übrigen Schriftleisten sind frei geblieben. Nur der Anfang von A ist noch lesbar. Im Innenfeld entlang der rechten Langseite Inschrift B für Johannes Ludeke. Im oberen Drittel der Platte Inschrift C für Johannes Olthoff, darunter eine Hausmarke (H13). Oberhalb der Plattenmitte Inschrift D für Kaspar Hertel. Darunter ein Ochsenkopf mit zwei gekreuzten Beilen als Berufszeichen der Schlachter. Die Inschriften A und B erhaben in vertiefter Zeile, C und D sind eingehauen.

Inschriften A und B ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 204 cm, Br. 112 cm. Bu. 7 cm (A), 12 cm (B), 5 cm (C, D).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (B), mit Versalien (A), Kapitalis mit Versalien (C, D).

DI 77, Nr. 58 - Greifswald, St. Marien - 1377, um 1500, 1628, 1684

 Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    An(n)o ˑ d(omi)ni ˑ M ˑ ccc ˑ lxxvii / [feria - - - ]

  2. B

    lapis ioh(ann)is ludeke(n) apot[ecarii e]t su[oru](m) h(er)edu(m) [..]g[ - - - ]a)

  3. C

    SEPVLCHRVM / HAEREDITARIVM / M(AGISTRI) : IOHANNIS OLTHOFF / ANNO 1628

  4. D

    DIESER STEIN VND / BEGREBNIS GEHÖRET / CASPAR HERTTEL / VND SEINEN ERBEN / ANNO 1684

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1377 am (...). (A)

Stein des Apothekers Johannes Ludeke und seiner rechtmäßigen Erben. (B)

Erbbegräbnis des Magisters Johannes Olthoff, im Jahr 1628. (C)

Kommentar

Da der Name in Inschrift A verloren ist, lässt sich die Person, der die Platte ursprünglich gewidmet war, nicht mehr feststellen. Am Ende des 15. oder zu Beginn des 16. Jahrhunderts ging sie in den Besitz des Apothekers Johannes Ludeke über, der 1502 als Eigentümer eines Hauses in der Knopfstraße, genannt de blawe kemmenade, nachgewiesen ist (B).2) Dies und die Verwendung der Spätform der gotischen Minuskel in einer Variante, die vom Ende des 15. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts belegt ist (Bokholt-Gruppe, siehe Einleitung, Kap. 8), legen eine Datierung der Inschrift auf die Zeit um 1500 nahe. Magister Johannes Olthoff, an den die Platte 1628 kam (C), stammte aus Rostock. Er wurde am 5. März 1595 als Sohn des Konrektors der Stadtschule Statius Olthoff geboren. In Rostock legte er 1615 das Magisterexamen ab, nachdem er dort sowie in Gießen und Straßburg studiert hatte. Anschließend besuchte er die Universitäten Wittenberg und Leipzig und war als Adjunkt an der Philosophischen Fakultät der Universität Jena tätig. 1619 wurde er zum Konrektor der Greifswalder Stadtschule berufen und heiratete wohl noch im selben Jahr Anna Völschow, Witwe von Georg Engelbrecht, die zehn Kinder bekam. 1627 wurde er zum Rektor der Stadtschule ernannt, die wegen seiner Amtsführung, aber auch infolge der Wirren des Dreißigjährigen Krieges einen drastischen Niedergang erlitt. 1644 gab er das Rektorenamt auf und wurde Propst in Bergen auf Rügen. Aus seiner 1654 geschlossenen zweiten Ehe gingen weitere sechs Kinder hervor. Er starb am 26. Dezember 1662.3) Die Grabstelle mit der Platte ging 1684 in den Besitz des Schlachters Kaspar Hertel über (D).4)

Textkritischer Apparat

  1. [..]g[ - - - ]] Zu ergänzen zu legitimorum in stark gekürzter Form; fehlt bei Pyl und Kirchner.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 40. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 244.
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 570.
  3. Lehmann, Gymnasium, S. 61–67; Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 592; Lange, Vitae Pomeranorum, S. 234. Das Jahr des Magisterexamens nach Matrikel Rostock 3, S. 17.
  4. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 601. Kaspar Hertel heiratete am 17. November 1704 Ilsabe Willers; Schubert, Trauregister 9, S. 33 (Nr. 342).

Nachweise

  1. Kirchner, Grabsteine Marienkirche, S. 222 (B).
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 564 (A), 570 (B), 591f. (C), 600 (D).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 58 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0005806.