Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 49 St. Marien 1368, 1556

Beschreibung

Grabplatte für Balthasar Nürenberg (B). Kalkstein. Hochrechteckige Platte in der nördlichen Turmseitenhalle.1) Starke Beschädigungen an den Kanten, die rechte obere Ecke ist verloren, die untere gebrochen. Von der zwischen einfachen Linien umlaufenden, erhaben in vertiefter Zeile gearbeiteten Inschrift A sind nur noch der linke Teil der oberen Schmalseite und der Anfang der rechten Langseite vorhanden. In der linken oberen und der rechten unteren Ecke Spuren von Eckmedaillons mit den Symbolen der Evangelisten. Im oberen Viertel des Innenfeldes Inschrift B für Balthasar Nürenberg. Die drei ersten Zeilen vor vertieftem Hintergrund jeweils separat ausgehauen, die oberste in deutlich größeren und schlankeren Buchstaben. Die vierte Zeile mit der Jahreszahl ist eingehauen. Darunter ein Wappen. Zwischen Inschrift B mit der vermutlich nachgetragenen Jahreszahl und dem Wappen ist Nummerierung C eingehauen. Rechts unterhalb des Wappens eine mit drei Meißelstrichen getilgte, auf dem Kopf stehende Krone. Im unteren Drittel der Platte eine Hausmarke (H11) begleitet von den Spuren einer nicht mehr lesbaren Inschrift.

Inschrift A ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 255 cm, Br. 127 cm. Bu. 6 cm (A), 7–12 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien (A), Mischschrift aus gotischer Minuskel und Fraktur (B).

DI 77, Nr. 49 - Greifswald, St. Marien - 1368, 1556

 Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    Ann[o] d(omi)ni ˑ M° ˑ ccc ˑ lxviii [in die] / post ˑ festuṃ [ - - - ]

  2. B

    Disse sten Hort Tho Her / Baltazar Nornbarch Vnde / Sinen Eruen / 1556

  3. C

    4

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1368 am Tag nach dem Fest (...). (A)

Wappen:
Nürenberg I

Kommentar

Die Buchstaben der ersten Zeile in Inschrift B zeigen deutlich schlankere Proportionen als die der folgenden.

Wem diese Platte ursprünglich gewidmet war, ist aufgrund der starken Verluste bei Inschrift A nicht mehr feststellbar. Wie die im Innenfeld eingehauene Krone belegt, wurde sie später Eigentum der Marienkirche, von der sie vermutlich der Inhaber der Hausmarke durch Kauf erwarb. Ob die Marienkrone bei dieser Gelegenheit oder erst durch Balthasar Nürenberg, in dessen Besitz die Grabplatte 1556 überging, durch Meißelstriche getilgt wurde, muss offen bleiben. Balthasar Nürenberg († 1580), Sohn von Valentin Nürenberg und Gertrud Oesten, wurde 1540 Ratsherr. Er war mit Ursula Bünsow, Tochter des Ratsherrn und Bürgermeisters Kaspar Bünsow († 1555) und der Liboria Glineke, verheiratet.2) Die zwischen Inschrift B und dem Wappen eingehauene Nummerierung C zeigt, dass die Platte zwischenzeitlich oder später erneut im Kirchenbesitz war.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 10. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 269.
  2. Gesterding, Zweite Fortsetzung, S. 9 (Nr. 16); Gesterding, Erste Fortsetzung S. 122 (Nr. 321); Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 581. – Der Urenkel von Balthasar Nürenberg, Christoph Nürenberg († 1675), erwarb 1667 eine Grabplatte in der Marienkirche (Kat.-Nr. 78); dessen Sohn Balthasar kam 1688 in den Besitz einer Grabplatte in der Nikolaikirche (Kat.-Nr. 395); Gesterding, Zweite Fortsetzung, S. 26 (Nr. 165), S. 35 (Nr. 249).

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 561 (A), 581 (B).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 49 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0004904.