Inschriftenkatalog: Stadt Goslar

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 45: Stadt Goslar (1997)

Nr. 129 Schilderstr. 23 1602

Beschreibung

Haus, traufenständig, bestehend aus drei Geschossen und zehn Gefachen. Inschrift A ist am Sturz des heute verkleinerten, ursprünglich rundbogigen Dielentors angebracht; in dessen Mitte eine Hausmarke (M42). Die durch Restaurierung modernisierte oder zerstörte Inschrift B befindet sich auf dem Schwellbalken des vorkragenden zweiten Obergeschosses, C an der neun Gefache breiten Giebelseite zur Oberen Schildwache. Die Wappen mit den zugehörigen Initialen sind auf einer Brüstungsbohle im ersten Obergeschoß an der Hausecke angebracht. Die Inschriften B und C sind mit Interpunktionszeichen versehen.

Maße: Bu. ca. 8 cm.

Schriftart(en): Kapitalis (A, Wappenbeischriften), Fraktur (B, C).

DI 45, Nr. 129 - Schilderstr. 23 - 1602

 Inschriftenkommission Göttingen [1/4]

  1. A

    PAX INTRAN=/TIBVS SALVS EXE/VNTIB(VS)

  2. B

    Wer Gott vertrawethatt woll gebawetim himmell vnd auffa) Erden.Wer sich verlestauff Jessum Christ.Dem mussa) derb) himmell werdenb)1).In Vn[glück ..... den muth Vertraw Gott so wird es werden guth]c): Andreas Rusack. An(n)o 1602d)

  3. C

    Wer da will straffen mich vnd die meinen.Der sehe erst auff sich vnd die seinen.Findet er daran kein gebrech.So komme ehr dan vnd straffe mich2).Hastu Gerechtigkeit LiebSo vertheting keine boßheit ·Sihe nicht an die Person.Lasz werden Jedem seinen Lohn.

  4. Wappen mit Beischriften:

    A R3) I O4) 

Übersetzung:

Friede den Eintretenden, Heil den Hinausgehenden. (A)

Kommentar

Eine Urkunde des Jahres 1588 bezeichnet Ilsabe Oppermann als spätere Frau des Andreas Rusack5). Zwei Jahre vorher wird sein Haus in der Schiltwachte erwähnt6). In einer weiteren Urkunde wird er als Bürger und Ratsverwandter bezeichnet7). Im Jahr 1601 wurde er wegen einer Grundstücksstreitigkeit vor das herzogliche Gericht in Wolfenbüttel zitiert8).

Textkritischer Apparat

  1. u mit übergeschriebenem Punkt.
  2. Ursprüngliches d heute falsch als b überfaßt.
  3. Ergänzung nach Mithoff; heute mit unleserlichen Schriftzeichen überfaßt. Vgl. etwa Wander 2, Sp. 1445 Nr. 155 (Im Unglück habe des Löwen Muth; trau’ Gott, es wird bald werden gut).
  4. 1602] Bonhoff; 1609 heutiger Befund; 1604 Mithoff.

Anmerkungen

  1. Wackernagel 3, Nr. 1213 S. 1042f.
  2. Vgl. Wander 4, Sp. 889 Nr. 25.
  3. Wappen Rusack (M43; auch Bonhoff/Griep, Nr. 1457).
  4. Wappen Oppermann (M44, sechsstrahliger Stern, darunter Geweih oder Hausmarke und waagerechter Ast mit zwei Blättern; auch Bonhoff/Griep, Nr. 1201, 1226).
  5. StA Goslar, Urkunde Petersbergstift Nr. 126 (1588 Nov. 19).
  6. StA Goslar, Urkunde Kistenamt Nr. 19 (1586 Sept. 23). Zur genauen Lage dieser Straße vgl. Frölich, Straßennamen, S. 123f.
  7. StA Goslar, Urkunde Stadt Goslar Nr. 1294b (1586 April 5); eine weitere Schuldverschreibung in Nr. 1297b (1586 Sept. 29). – Ein weiterer Andreas Rusack, wahrscheinlich der Sohn des Hausbesitzers, erwarb im Jahr 1602 für sich und seine aus Hannover stammende Braut Margarete Luchtemeier das Bürgerrecht (Goslarer Bürgerbuch 1, 1602/55).
  8. StA Goslar, Urkunde Stadt Goslar Nr. 1343 (1601 April 4).

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 74.
  2. Steinacker, S. 86.
  3. Kdm. Stadt Goslar, S. 405f.
  4. Andrae, S. 433.
  5. Bonhoff, Hausinschriften, S. 29f.
  6. Griep, Bürgerhaus, S. 169f.

Zitierhinweis:
DI 45, Stadt Goslar, Nr. 129 (Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di045g008k0012906.