Inschriftenkatalog: Stadt Goslar

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 45: Stadt Goslar (1997)

Nr. 113 Alt Wallmoden, Ev. Kirche 1598

Beschreibung

Epitaph des Casper von Wallmoden, Sandstein, beschädigt. Es war ursprünglich, ebenso wie ein weiteres, von demselben Steinmetzen angefertigtes Epitaph (Nr. 120), in der Kapelle der Familie in der Stiftskirche St. Simon und Judas angebracht1) und ist heute außen an der Nordseite der Kirche in Alt Wallmoden befestigt. Im Mittelfeld ist der Verstorbene in bürgerlicher Kleidung mit gezogenem Hut dargestellt; umlaufend sind sechzehn teilweise beschädigte Wappenschilde mit vertieft ausgeführten Beischriften angebracht. Die erhaben in vertiefter Leiste angebrachte Grabschrift verläuft um den Rand des Steins.

Maße: H. 150 cm, Br. 87 cm, Bu. 4,5 cm, 1,7 cm (Wappenbeischriften).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 45, Nr. 113 - Alt Wallmoden, Ev. Kirche - 1598

 Inschriftenkommission Göttingen [1/5]

  1. [. . .]8 DEN 15 [. . .] / DER H[OC]HEDLER VND ERVESTER CASPER VON WALMODEN SEL/LICH VT DISER BETRVBTEN [. . .] / GESCHEDEN DES SEL GOTT GNEDIG SEIN WOLLE SINa) ALTER 61 IHAR.b)

  2. Wappen mit Beischriften:

    VON [WEF]ER[LIN]Gc)2) VON WALMODEN3) 
    VON STEIN/BERG4) VON [. . .]5) 
     
    [V]ON FREIEN6) VON [HAN/S]TEIN7) 
    VON GADEN/STEDT8) VON BV/LAW9) 
    VON HA[NEN]/SE[E]10) VON HAREN/BERG11) 
    [VON] DER SCHVLEN/BORCH12) VON VER/EGEGd)13) 
     
    VON RODE14) [VON S]CHIRS[TED]T15) 
    [VON DER SCHVLEN]BORCH5) [. . .]7) 

Kommentar

Casper von Wallmoden, geboren 1537, gestorben am 15.11.1598, war nach der Wallmodenschen Genealogie wahrscheinlich ein Sohn des Jasper von Wallmoden (1501–1569) aus dessen erster Ehe mit einer von Steinberg16). Da er in den Wallmodenschen Urkunden und Akten nicht in Erscheinung tritt, wurde vermutet, er habe an einem Gebrechen gelitten und sei aus diesem Grund nicht lehnsfähig gewesen17). Das Wappen seiner Mutter findet sich entsprechend der üblichen Anordnung auf der sog. Spindelseite, nämlich am oberen Rand der Platte rechts des Wappens derer von Wallmoden18). Daß dieses Epitaph ebenso wie das zweite für einen Angehörigen dieser Familie (Nr. 120) von demselben Steinmetzen geschaffen wurde, ergibt sich sowohl aus der Gestaltung als auch aus einer charakteristischen Ausführungsweise des D, das durchgängig eine nach rechts durchgebogene Haste aufweist. Auch weitere Mitglieder der Familie von Wallmoden wurden in St. Simon und Judas bestattet, ihre Grabmäler haben sich jedoch nicht erhalten19).

Textkritischer Apparat

  1. SIN] Rechte Haste des N endet oberhalb der Grundlinie, unteres linkes Hastenende des folgenden A daruntergestellt.
  2. Ao. 1598 November 15 ist der Hochedle und Ehrenveste Caspar von Walmoden selig aus dieser betrübten Welt geschieden, dessen Seele Gott gnädig sein wolle. Sein Alter 61 Jahr (normalisierte Wiedergabe der Inschrift bei Dürre, Nr. 546 S. 172).
  3. Ergänzungen nach Dürre, Nr. 546 S. 172.
  4. VEREGEG] Richtig VEREGGE.

Anmerkungen

  1. So Dürre, Nr. 546 S. 172. Dies geht auch aus einer notariell beglaubigten, kolorierten Federzeichnung (im Besitz der Familie von Wallmoden, Alt Wallmoden) hervor, die als Beweisstück anläßlich eines 1728 um diese Kapelle geführten Prozesses angefertigt wurde. Die beiden Epitaphien sind darauf zu erkennen. Weiterhin ist der Darstellung zu entnehmen, daß die Wallmodensche Kapelle unmittelbar neben der heute noch vorhandenen sog. Domvorhalle, also im westlichsten Joch des nördlichen Seitenschiffs lag (dazu auch Griep, Kirchen, S. 135–138). Vgl. auch Nr. 93, Anm. 1.
  2. Wappen Weferling (Schrägbalken).
  3. Wappen Wallmoden (drei steigende Steinböcke 2:1; Siebmacher/Hefner 2.9, Tf. 19).
  4. Wappen Steinberg (steigender Steinbock; ebd., Tf. 18).
  5. Wappen zerstört, nach Dürre (wie Anm. b) Wappen Schulenburg; vgl. unten, Anm. 12.
  6. Wappen Freien (Rose); nach Dürre (wie Anm. b) Wappen Freden.
  7. Wappen Hanstein (drei Halbmonde 2:1; Siebmacher/Hefner 2.9, Tf. 9).
  8. Wappen Gadenstedt (Pfahl; ebd., Tf. 7).
  9. Wappen Bülow (14 Kugeln 4:4:3:2:1; Siebmacher/Hefner 2.2, Tf. 2).
  10. Wappen Hahnensee (Hahn).
  11. Wappen Hardenberg (Keilerkopf; ebd., Tf. 9).
  12. Wappen Schulenburg beschädigt; vermutlich Stammwappen II (quadriert, Feld 1 und 4 drei Adlerklauen 2:1, Feld 2 und 3 Ochse mit zwei Fahnen; ebd., Tf. 7).
  13. Wappen Vieregge (drei mit Nadeln belegte Jagdhörner 2:1; Siebmacher/Hefner 3.2, Tf. 470).
  14. Wappen Rode (Flug; vgl. Siebmacher/Hefner 2.2, Tf. 6, dort jedoch anderer Inhalt).
  15. Wappen Schierstedt beschädigt (drei Balken ?).
  16. Vgl. Dürre, Anhang: Stammtafel des Unterhauses von Wallmoden (Tf. 3).
  17. So Dürre (wie Anm. b); auch Nr. 448 S. 138; vgl. ebd., Anhang: Stammtafel des Unterhauses von Wallmoden (Tf. 3; Casper: Nr. 159).
  18. Das am oberen Rand links plazierte Wappen Weferling läßt sich zwar genealogisch, nicht jedoch in die übliche Abfolge einer Ahnenprobe einordnen. Dem Stammbaum Caspers von Wallmoden zufolge (Dürre, Anhang: Stammtafel des Gesamthauses von Wallmoden [Tf. 1], Stammtafel des Unterhauses von Wallmoden [Tf. 3]) war Margaretha von Weferling seit 1554 die zweite Ehefrau seines Vaters Jasper. Nach der üblichen Reihenfolge müßte in der linken Ecke das Wappen seiner Großmutter väterlicherseits angebracht sein, bei der es sich der Stammtafel des Unterhauses zufolge um Richilde Fredemann handelt. Auch die übrigen, auf der linken Seite des Steins dargestellten Wappen sind anhand der Stammtafel nur teilweise einzuordnen: Wappen Freien, 3. Wappen linke Seite: Großmutter väterlicherseits, Angabe Fredemann in der Stammtafel möglicherweise fehlerhaft; Wappen Hahnensee, 5. Wappen linke Seite: Urgroßmutter väterlicherseits. Es wäre im einzelnen zu überprüfen, ob auf diesem Stein zwischen die Ahnenwappen der männlichen Linie jeweils das der weiblichen Linie eingeschoben wurde.
  19. Vgl. etwa Dürre, Nr. 473 S. 149 (1555), Nr. 479 S. 151 (1558), Nr. 500 S. 156 (1570).

Nachweise

  1. Dürre, Nr. 546 S. 172.

Zitierhinweis:
DI 45, Stadt Goslar, Nr. 113 (Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di045g008k0011301.