Inschriftenkatalog: Stadt Goslar

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 45: Stadt Goslar (1997)

Nr. 102 Schwiecheldtstr. 7/8 1577, 1646

Beschreibung

Haus, traufenständig, mit massivem Erdgeschoß und zwei 14 Gefache breiten Fachwerkobergeschossen. An der Hausvorderseite ist auf einer viereckigen Bronzetafel über der Tür Inschrift A in erhabenen Buchstaben angebracht, die letzte Zeile aus Platzgründen in kleineren Buchstaben. Links und rechts daneben sind zwei ebenfalls bronzene, hochrechteckige und mit einer Bekrönung versehene Wappentafeln vermauert; die unter den Wappen in drei Zeilen angebrachten Inschriften B sind erhaben vor vertieftem Hintergrund ausgeführt. Auch auf der Hausrückseite ist über dem rundbogigen Eingang eine Steintafel mit der eingehauenen Jahreszahl E und zwei Wappen mit Beischriften in die Mauer eingelassen; auf den Schwellbalken des ersten und zweiten Obergeschosses sind die Inschriften C und D angebracht1). In diesen Inschriften stehen die meisten u mit Trema2). In Inschrift D sind die Versenden durch drei Punkte markiert, die hier als hochgestellte Punkte wiedergegeben werden. Möglicherweise waren auch in Inschrift C die Versenden ursprünglich mit drei Punkten markiert.

Maße: Bu. 4 cm (A), 2 cm (B, E, Wappenbeischriften), 11 cm (C, D).

Schriftart(en): Kapitalis (A, B, Wappenbeischriften), Fraktur (C, D).

DI 45, Nr. 102 - Schiecheldtstr. 7/8 - 1577, 1646

 Julia Zech [1/4]

  1. A

    SOLI · DEO · GLORIA ·GOT/TS · SEGEN · MACHT · REIC ·IEDER/MENNICHLEICH3) ·BOSCHER · VNS / HER · EIN · SELIGES · ENDE ·VNSER / SELL · IHN · DEINE · HENDEWIR · BEV/ELEN : 1577

  2. B

    BRANDT · VON · SW/EICHELDT · LVDEWI/GES · SELIGER · SONE4) // METTE · VON · ROSS/ING · SIN · ELICHE / HVSFRVWE5)

  3. C

    Christus. Jst. Die. warheit [. . .]a) [. . .]eb) Aufferstehung. Wil. Ehr. Geben · Wer. An. Jhn. Gleubet. Das. leben. Wurbet · Ob. Ehr. Gleich. hie. Deuch. lieblich. [.......]c)[. . .]d) Gleubet. thut. Jhme. Die. Ehr · Wirdt. Gewislich. Sterben. Nummermehr. Verbum. Domini. Manet. In. Aeternum6) ·

  4. D

    [. . .]e) zum. hausse. nicht. gibt. sein. Gunst ·So. Arbeidt. Jderman. Vmb. Sunst ·Wo. Gott. Die. Stadt. nicht. Selbest. bewacht ·So. Jst. Vmb. Sunst. Der Wechter. Macht7) ·Vergebens. Das. Jhr. Frue. auff. Sthedt ·Dartzw. mit. hunger. Schlaffen. Geht · Vnd. Esset. Ewer. Brodt. Mit. Vngemach ·Den. Wehms. Gott. Gundt. Gibt. Ehrs. Jm. schlaff)8)

  5. E

    1646.

  6. Wappen mit Beischriften:

    LVDEWICH. V. SCHWIECHELDT4).
    MARGARETA BEHR9).

Übersetzung:

Allein Gott die Ehre. (A)

Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. (C)

Kommentar

Die mit zahlreichen ornamentalen Formen gestalteten Frakturinschriften auf den Schwellbalken der Hausrückseite wurden wahrscheinlich etwa gleichzeitig mit den Wappenbeischriften angebracht, also um 1646.

Möglicherweise erwarb der auf der Wappentafel der Hausvorderseite genannte Ludwig von Schwiecheldt, Vater von Brandt und Bartoldt, das Haus 1526 von Hans von Bornem und bezahlte dafür 15 Gulden Steuern jährlich10). Zu Brandt von Schwiecheldt und zu weiteren Häusern im Besitz der Familie vgl. Nr. 87. Der auf der Wappentafel an der Hausrückseite genannte Ludwig von Schwiecheldt trat nach einem Studium in Leiden in militärische Dienste bei Hzg. Christian Ludwig von Braunschweig-Lüneburg. Bis 1644 war er im schwedischen Heer aktiv, danach ließ er sich in Goslar nieder. 1652 trat er zum Katholizismus über und diente als Erbmarschall dem Bischof von Hildesheim. Ludwig von Schwiecheldt starb am 3. März 1657 und wurde im Kloster Wöltingerode begraben11). Die Kurie der Familie in der Königstr. 7a (Nr. 87) weist, allerdings in kürzerer Form, die gleichen inschriftlich ausgeführten Sprüche auf wie das Haus in der Schwiecheldtstraße.

Textkritischer Apparat

  1. Balkenstück für später angebrachte Türöffnung entfernt. Zu ergänzen ist sinngemäß ‘und das Leben’.
  2. Balkenstück für später angebrachte Türöffnung entfernt. Zu ergänzen ist sinngemäß ‘Eine fröhliche’.
  3. Balkenstück zerstört. Zu ergänzen ist sinngemäß ‘stürbet’.
  4. Balkenstück zerstört.
  5. Zu ergänzen ist sinngemäß ‘Wo Gott’ (nach Nr. 87) oder ‘So Gott’ (nach Wackernagel, wie Anm. 7).
  6. schlaf ]Heutiger Befund sehenf, wohl fehlerhaft restauriert.

Anmerkungen

  1. Die Inschrift ICG : PAST / ANNO : 1772 befand sich nach Griep an einem steinernen Nebengebäude zur Schulstraße hin.
  2. Mit Trema z. B. Christus, Aufferstehung, Wurbet, Deuch, Verbum (Inschrift C); hausse, Gunst (Inschrift D).
  3. Nach Spr. 10,22.
  4. Wappen Schwiecheldt (drei bezungte Löwenköpfe 2:1; Siebmacher/Hefner 2.2, Tf. 7; Bonhoff/Griep, Nr. 1589).
  5. Wappen Rössing (nach links steigender, bezungter, gekrönter Löwe; Siebmacher/Hefner 2.9, Tf. 16; Bonhoff/ Griep, Nr. 2133).
  6. I Pt. 1,25.
  7. Wackernagel 3, Nr. 113 S. 85; nach Ps. 127,1.
  8. Wackernagel (wie Anm. 7); nach Ps. 127,2.
  9. Wappen Behr (schreitender Bär; Siebmacher/Hefner 2.9, Tf. 2; Bonhoff/Griep, Nr. 2055).
  10. So Vogell, S. 198. Das Haus wird 1561 erwähnt; als Standort wird die hymmelreichs strasse angegeben, die der heutigen Schwiecheldtstraße entspricht (StA Goslar, Häuserbuch 1546–1587, B 3646, 1561/575; vgl. Frölich, Straßennamen, S. 84).
  11. Vogell, S. 230–233.

Nachweise

  1. Kdm. Stadt Goslar, S. 366 (A).
  2. Bonhoff, Hausinschriften, S. 32f (B, C, E).
  3. Griep, Bürgerhaus, S. 172f (A–C, E).

Zitierhinweis:
DI 45, Stadt Goslar, Nr. 102 (Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di045g008k0010208.