Inschriftenkatalog: Stadt Goslar

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 45: Stadt Goslar (1997)

Nr. 40 Zum Kleinen Heiligen Kreuz 2. H. 15. Jh.

Beschreibung

Steinquader, hochrechteckig. Er war ursprünglich wohl in den 1901 noch vorhandenen Altar des Hospitals eingelassen1) und ist heute in die Seitenwand des Kellerabgangs eingemauert und farbig gefaßt. Inschrift A ist aus einer kreisförmigen Vertiefung im oberen Teil des Steins herausgearbeitet, B befindet sich darunter in einer querrechteckigen Vertiefung.

Maße: H. 43 cm, Br. 32 cm, Bu. 12 cm (A), 8 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 45, Nr. 40 - Zum Kleinen Heiligen Kreuz - 2. H. 15. J.

 Inschriftenkommission Göttingen [1/1]

  1. A

    yh(esu)s

  2. B

    tunszel

Kommentar

Hinter der in Inschrift B genannten Person verbirgt sich vermutlich der Stifter des Altars. Man hat vermutet, es handele sich um den Ende des 15. Jahrhunderts in Urkunden mehrfach genannten Werner Tunssel, der im Hüttenwesen tätig und seit 1469 Mitglied der Kramergilde war2). Etwa im gleichen Zeitraum treten jedoch auch ein Dietrich Tunssel und ein Vikar an St. Simon und Judas mit Namen Henning Tunssel in Urkunden auf3). Dietrich Tunssel erwarb 1445 ein Haus in der Kornstraße4) und wird im Schoßregister von 1457 aufgeführt5). Eher als eine eng gefaßte zeitliche Einordnung in die Zeit „um 1500“6) läßt sich daher die Datierung des Steins in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts rechtfertigen. Das Frankenberger Hospital, erst später Hospital Zum Kleinen Heiligen Kreuz genannt, ist seit dem Ende des 14. Jahrhunderts urkundlich nachweisbar7).

Anmerkungen

  1. So Kdm. Stadt Goslar, S. 204.
  2. Ebd. Vgl. etwa StA Goslar, Urkunde Stadt Goslar, Nr. 836 (1470 Mai 8), Nr. 871 (1488 April 14), Nr. 933 (1490 Dez. 13). Auch Bonhoff, Schoßregister, S. 143 Z. 641; StA Goslar, Kopialbuch der Kramergilde 1281–1643, A 9581, S. 22. Das Wappen Tunssel ist in zweifacher Ausführung zusammen mit dem Goslarer Adler und dem Wappen Grimme an der Fassade des Hospitals über der Tür angebracht.
  3. Dietrich Tunssel: StA Goslar, Urkunde Stadt Goslar, Nr. 837 (1470 Aug. 26); vgl. auch Bonhoff/Griep, S. 96. Henning Tunssel: StA Goslar, Urkunde Stadt Goslar, Nr. 879a1, 879a2 (1483 Mai 7).
  4. StA Goslar, Häuserbuch 1443–1505, Nr. 37.
  5. Friedrich Bonhoff, Goslarer Schoßregister von 1457, in: Zs. der Zentralstelle für Niedersächsische Familiengeschichte 7, 1925, S. 145–158, hier S. 154 Z. 482.
  6. Wie Anm. 1.
  7. Vgl. Graf, Kap. II.1.3. ‘Hospitäler’.

Nachweise

  1. Kdm. Stadt Goslar, S. 204, Abb. 208 S. 205.

Zitierhinweis:
DI 45, Stadt Goslar, Nr. 40 (Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di045g008k0004003.