Inschriftenkatalog: Stadt Goslar

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 45: Stadt Goslar (1997)

Nr. 36 St. Cosmas und Damian zum Markte vor 1484, 1522, 1532

Beschreibung

Kelch, Silber, vergoldet. Der Kelch weist einen sechseckigen Fuß mit breitem Standring und hoher, durchbrochener Zarge, einen Nodus mit sechs stark hervortretenden, rautenförmigen Rotuli und eine schlichte Cuppa mit trichterförmiger Wandung auf. In jedem der sechs Segmente des Fußes sind gegossene Figuren oder Wappenschilde mit farbigem Schmelzwerk aufgelötet. Die beiden Stifterwappen befinden sich rechts und links neben einer Kreuzigungsgruppe mit dem eingravierten Titulus A; außerdem sind Figuren der Heiligen Cosmas, Damian und Nikolaus angebracht1). Inschrift B ist dünn in die Unterseite des Standrings eingeritzt, die Ziffern etwas größer als die Buchstaben; auch die eingravierte Inschrift C ist dort plaziert2). Inschrift D ist mit Tremolierstich in die Unterseite des Fußes eingraviert, Inschrift E aus den sechs schraffiert gravierten Rotuli des Nodus herausgearbeitet.

Maße: H. 25 cm, Du. 13 cm, Bu. 0,2 cm (A), 0,3 cm (B–D), 1 cm (E).

Schriftart(en): Kapitalis (A), Kursive (B, C, D), frühhumanistische Kapitalis (E).

DI 45, Nr. 36 - St. Cosmas und Damian zum Markte - vor 1484, 1522, 1532

 Inschriftenkommission Göttingen [1/3]

  1. A

    INR[I]a)

  2. B

    Anno 1522

  3. C

    anno xxxii ys gebetert 9 gb) vn(de) 7 ßc) duthd) baer

  4. D

    Cort mechteshvse(n) et margareta vxor eius dederu(n)t pe[. . .]e)

  5. E

    I H E S V Sf)

Übersetzung:

Im Jahr (15)32 ist (der Kelch) ausgebessert (worden). 9 Gulden und 7 Schilling, dieses bar. (C)

Cort Mechtshusen und Margareta, seine Frau, gaben (...). (D)

Wappen:
Mechtshusen3)?4)

Kommentar

Der Kelch wurde nach dem Wortlaut von Inschrift D von Cort Mechtshusen und seiner Frau Margareta gestiftet, deren Name in der Literatur irrtümlich als „Margarete Dam“ angegeben wird5). Dieser Irrtum beruht auf einer falschen Lesung des Wortes vxor. Der Geburtsname der Margareta Mechtshusen ist nicht bekannt, ihr Wappen mit keinem Namen in Verbindung zu bringen. Das Ehepaar Cort und Margareta Mechtshusen läßt sich in Urkunden des späten 15. Jahrhunderts nachweisen. Im Mai 1484 wird Margareta als Witwe des Cort Mechtshusen bezeichnet, und es werden ihre drei Vormünder genannt6). Aus einem weiteren Dokument geht hervor, daß Cort im Mai 1483 noch am Leben war7). Der Kelch muß also vor Mai 1484 gestiftet worden sein. Cort Mechtshusen d. Ä. besaß Land, Anteile am Bergbau und mehrere Häuser, darunter zwei in der Bäckerstraße, war seit 1462 Mitglied des Rates8) und 1480–1482 Bürgermeister9). Seine Frau Margareta lieh 1498 und 1499 dem Rat 400 Gulden und verkaufte 1500 ein Haus in der Breiten Straße10).

Textkritischer Apparat

  1. Das Ende des Schriftbands ist abgebrochen.
  2. 9 g] 9 über die Zeile gestellt; g mit nachfolgendem Kürzungszeichen in Form eines großen Minuskel-e für ‘Gulden’.
  3. ‘Schilling’.
  4. duth] u mit diakritischem Zeichen in Form eines übergeschriebenen kleinen v.
  5. Inschrift ab hier durch später ausgeführte Lötarbeiten zerstört.
  6. H mit senkrechter Mittelhaste.

Anmerkungen

  1. Genauere Beschreibung: Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Cosmas und Damian zum Markte, Wandersleb, Nr. 3.
  2. Für ausführliche Hinweise zu dieser Inschrift danke ich Dr. Ulrich Scheuermann, Arbeitsstelle Niedersächsisches Wörterbuch, Göttingen.
  3. Wappen Mechtshusen (gespalten, rechts halber Adler, links drei Balken; Bonhoff/Griep, Nr. 1098).
  4. Wappen ? (Dreipaßbogen, darüber Blüte; ebd., Nr. 1097. Vgl. dasselbe Wappen auf einem Kaminsturz im Museum – zusammen mit Wappen Grimme – aus dem Haus Bergstr. 5 [ebd., S. 47]).
  5. Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Cosmas und Damian zum Markte, Wandersleb, Nr. 3 Bl. 2; Griep, Kunstwerke 1 A, S. 26.
  6. StA Goslar, Urkunde Petersbergstift Nr. 64 (1484 Mai 19). Die mit Cort Mechtshusen verheiratete Margareta ist von der gleichnamigen Ehefrau bzw. Witwe des Barthold Mechtshusen zu unterscheiden; vgl. ebd., Nr. 63 (1484 Mai 19), sowie die Genealogie der Familie bei Engemann, S. 115.
  7. StA Goslar, Urkunde Stadt Goslar Nr. 879a2 (1483 Mai 7).
  8. Engemann, S. 111f.
  9. Crusius, S. 185.
  10. Engemann, S. 112.

Zitierhinweis:
DI 45, Stadt Goslar, Nr. 36 (Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di045g008k0003609.