Inschriftenkatalog: Stadt Goslar

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 45: Stadt Goslar (1997)

Nr. 25 Rathaus, Trinitatiskapelle 2. H. 14. Jh.

Beschreibung

Armreliquiar der hl. Margarete, Bronze, gegossen. Sowohl die Bodenplatte als auch die Reliquie fehlen1). Der Arm wird von zwei Ärmeln bedeckt, deren unterer, eng anliegender eine vierteilige kreuzförmige Öffnung besitzt, durch welche die Reliquie sichtbar war. Der Oberärmel ist weit und bildet den Sockel, auf dem das Reliquiar steht. Die Hand ist mit ausgestrecktem Daumen, Zeige- und Mittelfinger dargestellt, Ring- und kleiner Finger sind zu einem Segens- oder Schwurgestus umgebogen. Die erhaben auf vertieftem, graviertem Schriftband angebrachte Inschrift verläuft um den Saum des Unterärmels.

Maße: H. 44 cm, Bu. 1,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 45, Nr. 25 - Rathaus, Trinitatiskapelle - 2. H. 14. Jh.

 Inschriftenkommission Göttingen [1/2]

  1. + S · MARGRETA BRAGIVM

Übersetzung:

Hl. Margarete. Arm.

Kommentar

Die Bogen- und Schaftschwellungen der hier verwendeten, ausgeprägt schlanken gotischen Majuskel sind durchweg spitz ausgezogen. Es finden sich unziale, nicht geschlossene symmetrische M sowie unziale E mit abgerundeter innerer Kontur. Das T weist bis auf die Grundlinie herabgeführte Querbalkenenden auf, so daß es fast einem unzialen, nicht geschlossenen symmetrischen M gleicht. Sporen und Deckbalken sind oft in Form von deutlich ausgeprägten, geschwungenen oder gebogenen Buchstabenbestandteilen ausgeführt. Vergleichbare Buchstabenformen (jedoch mit weniger auffallend gestalteten Sporen) finden sich auf einem etwa ins dritte Viertel des 14. Jahrhunderts datierten Kelch im Landkreis Jena2). Der Arm ist wegen der Fingerhaltung oft als Schwurhand bezeichnet worden. Seit wann er sich in der Ratskapelle befindet, ist nicht bekannt.

Anmerkungen

  1. Nach Griep, Kunstwerke 1 C, S. 27, weisen „Spuren von Gold in den Rillen“ nach, daß der Arm vergoldet war. Diese Spuren sind jedoch nicht mehr sichtbar. Weiterhin werden Lötstellen am Saum des Oberärmels als Hinweise auf daran ehemals befestigten Filigranschmuck gedeutet.
  2. DI 39 (Landkreis Jena), Nr. 9.

Nachweise

  1. Kdm. Stadt Goslar, S. 296.
  2. Griep, Kunstwerke 1 C, S. 27.

Zitierhinweis:
DI 45, Stadt Goslar, Nr. 25 (Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di045g008k0002506.