Inschriftenkatalog: Stadt Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 19: Stadt Göttingen (1980)

Nr. 130 Göttingen, St. Johanniskirche (1600)

Beschreibung

Bildepitaph des Theodosius Fabricius, an der Ostwand der Südempore. Holztafel. Inschriften: A) auf einer Tafel an der unteren Rahmenleiste (in Goldfarbe aufgemalt), B) Wappeninitialen unterhalb der Darstellung (in roter Farbe aufgemalt). Das Bild mit dem Porträt Fabricius’ ist erhalten, Inschrift A) jedoch bis auf wenige Buchstabenfragmente verblaßt und abgeblättert. Sie wird hier nach der Überlieferung bei Stuss, Memoria beati Theodori Berckelmanni ergänzt.

Maße: H. ca. 220, B. 111, Bu. 1–4 cm.

Schriftart(en): Renaissance-Kapitalis.

DI 19, Nr. 130 - Göttingen, St. Johanniskriche - (1600)

 Mareike Brosenne [1/2]

  1. A)

    M(AGISTER) THEODOSIVS [FABRICIVSSVPERINTENDENS QVONDAMHERZBERGIa) IN MISNIA, POSTPROTECCLESIASTES GOTTING. ADD(IVUM) IOHANN[EM]b) ET PROFESSOR TH(EOLOGIAE)PRIMARIVS IN PAEDAGOGIONATVS E CELEBRI CHEMNICENSI-VM FABRICIOR STIRPEc) NORD-HVSAE A(NNO) 1560DENATVS HEIC A(NNO) 1597.QVO ANNO HOMINVM FERE TRIAMILLIA1) INTRA QVINQVE MENSESINTERIERVNT.d)]

  2. B)

    M. T. F.

Übersetzung:

Magister Theodosius Fabricius, ehemals Superintendent in Herzberg in Meißen, danach erster Prediger in Göttingen an St. Johannis und Professor primarius der Theologie am Pädagogium, hervorgegangen aus dem berühmten Geschlecht der Chemnitzer Fabricier in Nordhausen im Jahre 1560, gestorben hier im Jahre 1597, in welchem Jahr beinahe dreitausend Menschen innerhalb von fünf Monaten umgekommen sind. (A)

Wappen:
Auf dem Schild ein Kranich mit gespreizten Flügeln, gleiche Helmzier. Die Initialen sind M(AGISTER) T(HEODOSIUS) F(ABRICIUS) aufzulösen.

Kommentar

Über Th. Fabricius vgl. seine Grabinschrift (Nr. 128). – Das Bild zeigt ihn in Lebensgröße, bekleidet mit einem Talar, auf dem Kopf ein Barett. In der rechten Hand hält er eine Bibel, in der linken Handschuhe.

Die Datierung des Gemäldes ergibt sich aus den Rechnungen der Johanniskirche. Danach wurden dem (nicht genannten) Maler am 4. Juni 1600 drei Mark als Lohn ausbezahlt.; die gleiche Summe war als Materialkosten für die Holztafel zu entrichten.2)

Textkritischer Apparat

  1. Hereberg Spangenberg, Beiträge.
  2. IOHANNIS Stuss.
  3. STIRPE fehlt Spangenberg, Beiträge; Spangenberg, Geschichte und Beschreibung.
  4. INTERIERVNT] Interciderunt Spangenberg, Beiträge.

Anmerkungen

  1. Pflaumenkern, Leichenpredigt für Th. Fabricius (27) gibt die Zahl der Opfer mit 3500 an.
  2. Stadtkirchenarchiv Göttingen, Kirchenrechnungen St. Johannis; den Hinweis verdanke ich K. H. Bielefeld.

Nachweise

  1. J. H. Stuss, Memoria beati Theodori Berckelmanni 290 (nur A).
  2. Spangenberg, Geschichte und Beschreibung 86f. (nur A).
  3. Spangenberg, Beiträge 436 (nur A).
  4. Saathoff, Kirchengeschichte 171 (Erwähnung).

Zitierhinweis:
DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 130 (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0013000.