Inschriftenkatalog: Stadt Göttingen

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 19: Stadt Göttingen (1980)

Nr. 40† Göttingen, St. Albanikirche 1447

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Schlagglocke. Sie wurde 1917 abgeliefert.1) Inschrift A) stand über einer „große(n) Menge geistlicher Person(en), Bischöfe(n) usw.“ (Schulterinschrift), B) auf der Flanke2).

Inschrift nach Spangenberg, Geschichte und Beschreibung.

  1. A)

    + lavdo · dev(m) · verv(m) · plebe(m) · voco ·co(n)grego · clerv(m) · defv(n)ctos · ploro hoste(m)fvgoa) · festa · decoro · anno · d(omi)ni ·m° · cccc° · xlvijb) +

  2. B)

    · maria ·

Übersetzung:

Ich preise den wahren Gott, rufe das Volk, versammle die Geistlichkeit, beklage die Toten, vertreibe den Feind, schmücke die Feste. Im Jahre des Herrn 1447.

Kommentar

Unter B) war, wohl als Medaillon, eine Pieta befestigt.3) – Die Glocke sollte am Mittwoch vor Ostern gegossen werden. Da jedoch die Glockenspeise nicht ausreichte, mißlang der Guß. Am hl. Kreuztag des gleichen Jahres wurde der Neuguß vorgenommen, wobei sie „ganz woll“ geriet.4)

Der Mittwoch vor Ostern des Jahres 1447 fiel auf den 5. April, der Kreuztag kann der 3. Mai oder der 14. September gewesen sein. Es läßt sich nicht sicher entscheiden, welcher Termin in Frage kommt, wahrscheinlich ist der 14. September.5)

Inschrift A in zwei leoninischen Hexametern verzeichnet die Funktion der Glocke. Der Text läßt sich auf Glocken häufig nachweisen.6) Er geht in dieser Form auf Verse Johannes Gersons zurück.7)

Textkritischer Apparat

  1. fugio Spangenberg, Beiträge 447.
  2. Spangenberg löst die Jahreszahl in ‚1444‘ auf; aus seiner eigenen Wiedergabe der Inschrift geht jedoch zweifellos hervor, daß ‚1447‘ gemeint ist.

Anmerkungen

  1. Nach den Kirchenakten St. Albani (Hinweis durch K.-H. Bielefeld, Göttingen). Saathoffs Angaben sind nicht eindeutig. Während er im Göttinger Gemeindeblatt 8 (1917) Nr. 7/8, S. 92 schreibt, die Glocke solle nicht eingeschmolzen werden, findet sich in der 1929 erschienenen Kirchengeschichte der Hinweis, die Glocke sei „1916 im Krieg geopfert“ worden (Kirchengeschichte 47).
  2. Spangenberg, Geschichte und Beschreibung 101.
  3. Ebd.
  4. Lubecus, Annales f. 116v.
  5. Im Jahr 1497 brauchte der Gießer Gerhard Wou zusammen mit vier Gehilfen 15 Wochen, um in Erfurt 3 Glocken zu gießen, vgl. H. Otte, Glockenkunde 77. In Magdeburg benötigte man 1574 zum Guß einer Glocke ca. drei Monate, vgl. K. Janicke, Der Umguß der großen Glocke im Magdeburger Dom in den Jahren 1574 und 1651, in: Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg 3 (1868) 92–95, hier 94f.
  6. Walter, Glockenkunde 187, Anm. 1 (Nachweise); vgl. auch Nr. 46.
  7. Joh. Gerson, Opera T. III, Köln: Joh. Koehlhoff 1483, f. 104r, Sp. a): ‚hostem fugo‛] ‚pestem fugo‛. Otte, Glockenkunde 126.

Nachweise

  1. Spangenberg, Geschichte und Beschreibung 101.
  2. Spangenberg, Beiträge 447.
  3. Die Göttinger Kirchenglocken, in: Göttinger Gemeindeblatt 8 (1917) Nr. 7/8, 92.
  4. Saathoff, Kirchengeschichte 49.
Addenda & Corrigenda (Stand 18. April 2017):

Dieselben Inschriften auch auf der Glocke in Eddigehausen von 1458; vgl. DI 66 (Lkr. Göttingen), Nr. 52. Als Gießer kommt daher auch bei der vorliegenden Glocke Meister Mathias infrage, der sich in Eddigehausen auf der Glocke nennt. Meister Mathias hat außerdem zusammen mit Borchart von Stenhem 1445 eine große Glocke für St. Sixti in Northeim gegossen; vgl. DI 96 (Lkr. Northeim), Nr. 41 (dort weitere Hinweise auf zwei nicht mehr vorhandene Glocken in Moringen von 1463 und eine Glocke in Westerode, Lkr. Goslar, von 1440).

Zitierhinweis:
DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 40† (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0004001.